Selbst Melania ist nicht einverstanden.

In den USA gehen Grenzschützer seit einigen Wochen verschärft gegen illegale Einwanderer aus Mexiko vor. Es ist Teil der "Null-Toleranz"-Politik gegenüber illegalen Einwanderern. US-Justizminister Jeff Sessions hat sie vor fast drei Monaten ausgerufen, nun wird sie umgesetzt – mit heftigen Folgen. (New York Times)

1.

Was ist da los in den USA?

Bei der verstärkten strafrechtlichen Verfolgung von illegalen Einwanderern an der Grenze zwischen den USA und Mexiko werden in hunderten Fällen Familien auseinandergerissen – einigen Bürgerrechtlern zufolge sogar systematisch (bento).

Wie das US-Heimatschutzministerium am Montag mitteilte, seien zwischen dem 5. Mai und dem 9. Juni 2342 Kinder von ihren Eltern getrennt worden. Das sind durchschnittlich 66 Kinder und Jugendliche pro Tag.  (SPIEGEL ONLINE)

2.

Was passiert mit den Kindern der Einwanderer? 

Die Eltern werden als illegale Einwanderer verhaftet. Und die Kinder? Kommen in Pflegefamilien oder in spezielle Unterkünfte, die offenbar schon überfüllt sind.  (SPIEGEL ONLINE)

Beispiel McAllen, Texas: Früher konnten hier US-Bürger Popcorn, Cornflakes und Cola kaufen. Jetzt sitzen hier mexikanische Kinder, zusammengepfercht wie Tiere in großen Metallkäfigen. Sie hocken nebeneinander, auf dem Boden liegen Matten verteilt. 

Die Halle ist ein ehemaliger Walmart-Supermarkt. Seit einiger Zeit dient sie als Lager für illegal in die USA gereiste Flüchtlinge, mehr als 1100 Menschen sind derzeit in ihr einquartiert. Die US-Grenzschutzbehörde hat nun erstmals Bilder der Anlage veröffentlicht.

3.

Wie genau sieht es im Käfig-Lager in McAllen aus?

(Bild: U.S. Customs and Border Protection's Rio Grande Valley Sector)

Bis zu 20 Flüchtlinge werden in einen Käfig gesperrt, Bereiche trennen Erwachsene von Jugendlichen und Familien. Die einzelnen Zellen sind mit Gemeinschaftsgängen verbunden, auf denen auch die Toiletten sind, so beschreiben es Reporter, die die Anlage sehen durften. (Telegraph)

(Bild: U.S. Customs and Border Protection's Rio Grande Valley Sector)

Die Deckenlichter bleiben 24 Stunden am Tag an, wer schlafen will, muss sich selbst helfen. Nach Angaben der Polizei sind rund 200 der insgesamt mehr als 1000 Flüchtlinge minderjährig.

(Bild: U.S. Customs and Border Protection's Rio Grande Valley Sector)

Hier zeigen Reporter ein Video aus dem Lager:

4.

Wie geht es den Kindern?

Viele Auskünfte gibt es nicht. Aber diese Tonaufnahmen sollen von Kindern stammen, die von ihren Eltern getrennt wurden. 

Sie wurden von "Pro Publica" veröffentlicht, das ist eine Non-Profit-Nachrichtenorganisation, die oft investigativ arbeitet. Ihr zufolge sollen die Aufnahmen in einem der US-Auffanglager aufgenommen worden sein. Es sind Kinder zu hören, die weinen und nach ihren Eltern rufen:

5.

Warum machen die USA das?

Das harte Vorgehen soll bewusst schockieren. Menschen, die versuchen illegal in die USA zu gelangen, werden derzeit verstärkt strafrechtlich verfolgt.

Ziel der Maßnahme: Migranten abschrecken, sodass sie die Reise in die USA gar nicht erst antreten. 

6.

Stehen ernsthaft alle Republikaner hinter der "Null-Toleranz"-Politik?

Nein. Inzwischen beschweren sich selbst Republikaner. Sie wollen die Politik ihres Präsidenten nicht mittragen. Der Abgeordnete Peter Welch hat die Käfig-Anlage besucht und hält sie für menschenunwürdig und nennt sie schlicht "Gefängnisse":

Auch der US-Senator Chris van Hollen kritisiert die Zustände. Die Politik Trumps bezeichnet er als "Schande":

Auch die frühere First Lady Laura Bush kritisierte die Praxis der Familientrennungen scharf. In einem Meinungsbeitrag für die "Washington Post" schreibt Bush, es sei "brutal" und "unmoralisch", Familien zu trennen: 

Das bricht mir das Herz.
Laura Bush

7.

Was sagen die Demokraten?

Sie lehnen das Vorgehen strikt ab. Die hawaiische Senatorin Mazie Hirono forderte Trump zum Rücktritt auf. Einwanderung habe die USA groß gemacht, wie nun mit den Menschen umgegangen werde, sei schlicht grausam:

8.

Wie findet die amerikanische Bevölkerung das?

Auch in der Bevölkerung kommt dieses harte Vorgehen nicht gut an. Wie aus einer vom Sender CBS veröffentlichten Umfrage der Quinnipiac University hervorgeht, halten es zwei Drittel der Befragten für "inakzeptabel", Kinder von ihren Eltern zu trennen. 

Eine knappe Mehrheit der republikanischen Wähler unterstützt die Trennung dieser Familien (55 Prozent) – dies war die einzige Gruppe unter den Umfrageteilnehmer, die diese Politik unterstützen. Jede andere demografische Gruppe lehnt die Politik ab – egal ob nach politischer Ausrichtung, Geschlecht, Bildung, Alter oder ethnischer Gruppe sortiert wird. (CBS News

Auch die aktuelle First Lady Melania Trump mischt sich ein. Über eine Sprecherin ließ sie verkünden, die USA sollten ein Land sein, das "mit Herz regiert" werde. Sie "hasse es, Kinder getrennt von ihren Familien zu sehen." 

Damit stellte sich Melania Trump aber nicht deutlich gegen ihren Mann. Stattdessen kritisierte sie die US-Politik insgesamt. Demnach forderte sie, dass "sich die beiden Lager im Kongress endlich auf eine erfolgreiche Einwanderungsreform einigen sollen". (Süddeutsche Zeitung)

9.

Und was antwortet die US-Regierung?

Die US-Regierung wiegelt ab: Die Trennung von Familien sei nicht das Ziel, sondern lediglich eine Auswirkung der verstärkten Strafverfolgung bei illegalem Überschreiten der Grenze, sagte Kirstjen Nielsen, Ministerin für Innere Sicherheit, bereits Mitte Mai.

Auf einer Pressekonferenz am Montag verteidigte sie die sogenannte Null-Toleranz-Politik und die Familientrennungen erneut. Sie sagte, diese strengen Maßnahmen seien notwendig, um die Einwanderungsgesetze durchzusetzen: "Wir werden uns nicht dafür entschuldigen, dass wir unseren Job machen."


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