Bild: Screenshot Instagram/bento
"Wir haben gemerkt, dass keine andere Plattform so viel Unterstützer mobilisiert."

Wie sehr sich Joshua Collins in den vergangenen zwei Jahren verändert hat, lässt sich auf seinem Instagram-Profil verfolgen. Mit langen rotblonden Haaren, Nerdbrille und zersaustem Bart posierte der junge Lkw-Fahrer dort regelmäßig. Manchmal zeigte er Bilder seines Huskys Ahri, dann wieder Fotos vom Joggen oder auf Reisen. 

Fast beiläufig verkündete er am 31. August 2018 seinen Followern: "Ich kandidiere für den Kongress. Wenn ihr meine Ansichten teilt, drückt den Like-Button und markiert eure Freunde. Wenn nicht, schreibt mir warum und lasst uns diskutieren." 139 Menschen drückten auf "Like".

Inzwischen ist die Nerdbrille aus Joshua Collins Bildern verschwunden. Seine Haare sind kürzer geworden und seine Botschaften politischer. Es geht jetzt um das teure Gesundheitssystem, Studienkredite und den linken US-Senatoren Bernie Sanders, nicht mehr um Reisen. Joshua will für die Demokraten ins Parlament.

Mittlerweile folgen dem 26-Jährigen aus dem US-Bundesstaat Washington, der nichts mit der Hauptstadt zu tun hat und im Nordwesten des Landes liegt, fast 45.000 Menschen auf Instagram, 61.000 auf Twitter und 28.000 auf TikTok. Joshua nennt sich auf seinen Profilen selbstironisch "CEO of Socialism". Er ist jetzt ein Social-Media-Phänomen. Die Sache mit TikTok hat ihn für viele Menschen plötzlich interessant gemacht.

Joshua, so heißt es in zahlreichen Berichten großer US-Medien, hat plötzlich echte Chancen, bald Berufspolitiker zu werden (GQ, MTV, The Verge).

Sollte er gewählt werden, wäre er einer der jüngsten Abgeordneten im Kongress. Das Mindestalter im Repräsentantenhaus liegt bei 25 Jahren. Vermutlich wäre Joshua auch einer der linkesten Abgeordneten. 

Dazu wäre er der erste bekannte Parlamentarier mit Autismus (The Hill). 

Seine Vorbilder, so schreibt Joshua in einer langen Mail an bento, seien Alexandria Ocasio-Cortez und Bernie Sanders. Die Idole vieler junger Mitglieder der US-Demokraten. Auch die Ziele ähneln sich. Wie die beiden unterstützt Joshua die Idee eines "Green New Deals" gegen den Klimawandel und den Ausbau des Gesundheitsystems Medicare. Sich selbst bezeichnet Joshua als demokratischen Sozialisten.

Der Wahlkreis, für den er sich bewirbt, gilt als sicher für die Demokraten. Bislang gewannen sie hier immer. Im vergangenen Herbst erklärte der bisherige Abgeordnete Denny Heck, nicht erneut zu kandidieren. Doch um seinen Sitz gewinnen zu können, muss sich Joshua im Sommer erst noch in seiner eigenen Partei behaupten. Drei andere Kandidatinnen und Kandidaten bewerben sich mit ihm um das Amt – alle Vertreter des Partei-Establishments. 

Um sich gegen seine Mitbewerber durchzusetzen, setzt Joshua auf Low-Budget-Wahlkampf im Internet.

Der Account auf TikTok ist das Aushängeschild seiner Kampagne. Während alle Präsidentschaftskandidaten wegen der massiven Kritik an der chinesischen Plattform (bento) bislang auf einen Account verzichten, lädt Joshua dort regelmäßig neue Videos hoch. Seine Clips zeigen eine wilde Mischung aus Kapitalismuskritik, abgewandelten Memes und schwarz lackierten Fingernägeln.

"Am Anfang dachten wir, dass TikTok einfach eine weitere Gelegenheit sei, um Aufmerksamkeit zu gewinnen", erzählt Joshua. "Doch mit der Zeit haben wir gemerkt, dass keine andere Plattform so viel Unterstützer in unserem Wahlkreis mobilisiert. Menschen kamen vorbei und sagten: Ich habe dich auf TikTok gesehen und würde gerne mitmachen."

Die Plattform, so vermutet Joshua, spiele mit ihrem Algorithmus besonders viele Videos in der näheren Umgebung aus. Diese Empfehlungen spielen auf TikTok eine viel größere Rolle als in anderen Netzwerken (bento). Der Vorwurf, die App zensiere bestimmte Inhalte im Sinne des chinesischen Staates, scheint Joshua nicht besonders zu beeindrucken: "Jede Plattform macht das auf ihre Weise." 

Auf Facebook müsste er für ortsbasierte Werbung bezahlen. In der App aus China scheint das nicht nötig. Joshuas Team experimentiert regelmäßig mit neuen Hashtags und Stichwörtern, um mit möglichst wenig Geld viele Menschen zu erreichen. Growth-Hacking nennen Social-Media-Experten das. Dass solche Tricks von eigentlich chancenlosen Politaußenseitern in einer bei jungen Menschen beliebten Unterhaltungs-App genutzt werden, ist neu. 

Die TikTok-Videos haben Joshuas Wahlkampf auch für die Medien interessant gemacht. 

Das Geld dafür sammelt er bislang vor allem von Kleinspendern auf Twitter. Oft sind es nur wenige Dollar (FEC). Absprachen organisiert sein Team nicht in einem teuren Büro, sondern über die hauptsächlich von Gamern genutzte Plattform Discord (The Verge). Um sich den Wahlkampf überhaupt leisten zu können, habe er zwischenzeitlich sogar seine Wohnung aufgegeben, sagt Joshua. "Ich lebte ein Jahr in meinem Truck." Für eine Krankenversicherung reiche das Geld bis heute nicht. 

Inzwischen ist die fehlende Versicherung jedoch nicht mehr nur ein Problem, das Joshua privat beschäftigt, sondern auch eines, über das er oft auf TikTok spricht. 

Den größten Unterschied zu anderen Kampagnen sieht der 26-Jährige jedoch nicht in den Themen, sondern in seinem Auftreten. "Ich nutze meine Social-Media-Accounts nicht wie ein Politiker." Statt aufwendig produzierter Videos mit Wahlkampfversprechen postet Joshua bis heute vor allem Schnappschüsse aus seinem Alltag, fotografiert sich mit Fans und kommentiert aktuelle Nachrichten. 

Es sind meist nur Stichwörter, keine Konzepte, die Joshua twittert. Knapp erklärt er seine politischen Forderungen: höhere Steuern für Reiche, mehr Klimaschutz und kostenfreie oder zumindest bezahlbare Sozialsysteme.

Der demokratische Sozialismus, von dem Joshua oft spricht, ist in den USA vor allem eine Metapher, mit der sich Studierende gegen die Gerechtigkeitslücke in der Gesellschaft positieren. Für Rechte und Konservative ist der Begriff immer noch ein Reizwort. Doch für die nach 1990 geborenen Generationen ist er inzwischen kein Schreckgespenst mehr. 

Bis zu 70 Prozent der jungen US-Amerikaner können sich laut einer Umfrage vorstellen, Politikerinnen und Politiker zu wählen, die sich als Sozialistinnen oder Sozialisten bezeichnen. (Axios)

Ob das bereits ausreicht, um Wahlen zu gewinnen, wird sich erst in mehreren Monaten zeigen. Am 4. August entscheiden die Demokraten in Washingtons zehntem Wahlbezirk, wen sie für die Kongresswahl im Herbst nominieren. Sollte es nicht klappen, will Joshua nicht in den Truck zurückkehren, sondern weiterhin TikTok-Videos aufnehmen und politisch aktiv sein.

"Das ist mehr als eine Kampagne", sagt Joshua.


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