"Ich habe Angst, aus dem Land gejagt zu werden"

Donald Trump will ins Weiße Haus. Auf dem Weg dorthin feuert er verbal auf Frauen, auf Muslime – und immer wieder auf Mexikaner: Latinos und mexikanische Einwanderer bezeichnet er mal als "Drogendealer" und mal als "Kriminelle". Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto verglich ihn schon mit Adolf Hitler.

In Mexiko arbeiten viele Menschen für wenig Geld – oder sie sind gleich arbeitslos. Wer jung ist und es sich leisten kann, der versucht einen Studienplatz oder einen Job in den USA zu finden. Elf Millionen Einwanderer leben derzeit ohne Papiere in den USA – Trump will sie alle ausweisen.

Zudem will er eine Mauer entlang der US-mexikanischen Grenze errichten, um Menschen abzuhalten, in die Vereinigten Staaten einzuwandern. Bezahlen sollen dafür die Mexikaner, rund acht Milliarden Dollar (SPIEGEL ONLINE).

"Dieser Plan ist natürlich grotesk", sagt Peter Birle vom Ibero-Amerikanischen Institut Berlin. Allerdings dürfe man Trump nicht unterschätzen: "Bisher kommt seine Hetze bei seinen Wählern gut an", sagt er. Und Luicy Pedroza vom GIGA Institut für Lateinamerika-Studien fürchtet, durch Trump könne Rassismus künftig als normal gelten, schlimmstenfalls als witzig.

Immerhin: Selbst einige Mexikaner nehmen Trump mit Humor, wie Luicy Pedroza erzählt: "Wir hauen auf Piñatas, die aussehen wie Trump und benennen Tacos nach ihm. Die Hauptzutaten: Ein klein wenig Rindergehirn, viel Rinderzunge und ein bisschen Schweineschnauze."

Wir haben bei jungen Mexikanern gefragt: Was haltet ihr von Donald Trump?
Veronica, 22, Philosophie-Studentin aus Tamaulipas: "Er ist ausländerfeindlich und rassistisch"

Ich studiere in Edinburg, Texas. Ich mag Donald Trump überhaupt nicht. Ich finde, er ist ausländerfeindlich und rassistisch.

Meine Heimatstadt in Mexiko liegt nahe der Grenze zu den USA, wo der Anteil von Mexikanern und Amerikanern ungefähr gleich hoch ist, dort fühle ich mich normalerweise nicht diskriminiert.

Aber als ich mal in Zentraltexas war, wo der Großteil der Menschen weiß ist, hatte ich ein komisches Erlebnis: Ich war mit einer Freundin in einem Restaurant und wir haben uns auf Spanisch unterhalten. Plötzlich kam der Manager zu uns an den Tisch und sagte, dass es Beschwerden von weißen Amerikanern gegeben hätte, weil wir uns auf Spanisch unterhielten und dass wir doch bitte Englisch sprechen sollten. Wir haben das Restaurant schnell verlassen.

(Bild: Frauke Suhr)
Lucía, 24, Maschinenbau-Studentin aus Zamora: "Trump ist ein arroganter Mensch"

Ich komme aus einer Stadt nahe der Grenze. Zurzeit wohne ich in Texas. Ich habe hier studiert und würde auch gerne in den USA arbeiten, weil die Jobs hier viel besser bezahlt sind als in Mexiko.

Ich finde, dass Donald Trump ein arroganter Mensch ist, dessen Ideen nur Schlechtes hervorbringen würden – nicht nur für die Mexikaner, die in den USA leben, sondern für ganz Amerika. Ich habe Angst, dass unter Trump Hetze und Mobbing gegen Mexikaner zunehmen werden, zum Teil geschieht das schon jetzt.

Die Wirtschaft würde unter Trump leiden, da Latinos eine wichtige Rolle spielen – nicht nur, weil wir hier einkaufen, sondern weil viele US-Firmen ihre Produktion in Mexiko durchführen. Diese Abkommen würden gestoppt.

Ich würde gerne ein paar Jahre für ein amerikanisches Unternehmen arbeiten und danach zurück nach Mexiko gehen und mein eigenes Unternehmen gründen, um meinem Land zu helfen und Jobs zu schaffen. Ich befürchte, dass dieser Plan nicht umsetzbar sein wird, wenn Trump tatsächlich gewinnen sollte.

In der Fotostrecke: So grenzt sich Amerika ab
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Nach meinem Studium würde ich gerne zum Friedenscorps gehen. Sie haben Programme für Mexiko, mit denen man Englisch an Universitäten unterrichten und Menschen in ländlichen Gegenden helfen kann. Ich würde gerne in meinem Land oder Lateinamerika arbeiten, um ihnen etwas zurückzugeben.

Was unheimlich ist: Selbst wenn Trump nicht gewinnt, bleiben ja die ganzen Menschen hier, die genauso denken wie er.

Juan Francisco, 27, Konstrukteur aus Mexico City: "Alles wird teurer werden"

Donald Trump nutzt die Vorurteile der Amerikaner gegenüber Migranten aus Lateinamerika in seinem Wahlkampf - besonders die Vorurteile gegenüber uns Mexikanern. Ich arbeite bei Ford Motor in Mexiko. Vor kurzem hat Trump angekündigt, er wolle Sanktionen gegen Ford verhängen, wenn sie weiterhin in Länder wie Mexiko investieren.

Trump versucht, Wählerstimmen zu gewinnen, indem er von amerikanischen Firmen verlangt, nur noch in den USA zu investieren. So sollen mehr Jobs für Amerikaner geschaffen werden. Deshalb habe ich Angst, meinen Job in Mexiko zu verlieren, sollte Trump Präsident werden. Außerdem befürchte ich, dass in Mexiko alles teurer werden würde, weil die Wirtschaft leidet. Gleichzeitig werden unsere Löhne nicht mehr ausreichen, um unseren jetzigen Lebensstandard zu halten.

Jésus, 25, Wirtschaftsingenieurwesen-Student aus Reynosa: "Ich habe Angst, aus dem Land gejagt zu werden"

Ich komme aus Reynosa, habe ein Studentenvisum und arbeite in den USA. Ich habe Angst, aus dem Land gejagt zu werden.

Trumps Pläne, einen Zaun zu bauen, machen mich traurig. Ich denke, dass das tatsächlich möglich wäre, schließlich gibt es bereits einen Zaun in Arizona. Sie versuchen ja schon jetzt mit allen Mitteln, Leute an der Grenze zu stoppen. Sie setzen Drohnen ein, um die Grenzen zu überwachen. Es klingt wie ein Film, aber es ist wahr, ich habe es selber gesehen. (Anmerkung der Redaktion: Hier beschreibt die "Wired", wie Drogendealer Drohnen einsetzen.)

Ich habe Verwandte, die es noch geschafft haben, die Grenze ohne Visum zu überwinden. Sie sind keine Kriminellen, wie Trump behauptet. Mexiko ist der schlechteste Ort, zu leben, besonders an der Grenze zu den USA. Dort gibt es Drogenkriege und eine hohe Arbeitslosigkeit. Deswegen verlassen viele Menschen das Land.

Ich habe schon Anwälte gefragt, was ich nach meinem Master machen kann; sie sagen, ich müsse eine amerikanische Frau heiraten, das sei die einzige Möglichkeit, im Land zu bleiben. Dabei lebe ich hier schon seit acht Jahren, zahle Steuern und alles.

Trump wird gewinnen. Ich wünschte, es wäre nicht so, aber er hat so viele Leute, die hinter ihm stehen. Sogar Latinos unterstützen ihn, das macht mich besonders wütend. Weil sie schon lange in den USA leben, sehen sie sich selbst als Amerikaner an und glauben, sie wären etwas Besseres.

Daniel, 39, Grafikdesigner aus Cuernavaca Morelos: "Mein Leben wäre nicht direkt beeinflusst"

Ich empfinde Verachtung und Wut auf Trump, weil er so viel Hass auf Mexikaner hat und meiner Meinung nach rassistisch ist.

Ich verstehe nicht, woher Trumps Hass auf uns Mexikaner kommt. Vielleicht ist der arme Mann traumatisiert, wurde in der Schule gehänselt oder sowas? Ich kann nicht fassen, dass es Menschen gibt, die seine Ideologie unterstützen und ich finde, dieser Mann sollte nicht einmal ein Kandidat für die Wahlen sein.

Wenn er gewählt werden sollte, glaube ich zwar nicht, dass es mein Leben hier in Mexiko direkt beeinflussen würde. Mir geht es verhältnismäßig gut und ich habe Arbeit. Wahrscheinlich wären wie immer die Menschen am stärksten betroffen, die am wenigsten besitzen.

(Bild: Zenia Lizette De Leon)
Fernando, 21, Maschinenbau-Student aus Monterrey: "Ich befürchte, dass Vorurteile sich verstärken"

Ich komme ursprünglich aus Monterrey und bin dort aufgewachsen. Zurzeit lebe ich in McAller, Texas. Ich arbeite in den USA, weil ich denke, dass ich hier mehr Möglichkeiten habe als in Mexiko.

Donald Trump ist für mich ein Rassist und Anarchist. Ich habe Angst, dass er für die USA ähnlich sein wird, wie Hitler damals in Deutschland. Und ich befürchte, dass die Vorurteile gegenüber Mexikanern sich verstärken. Ich wurde auch schon mal wegen meiner Herkunft diskriminiert: Als ich in Utah war, dachten die Leute von mir, ich würde stehlen – nur aufgrund meiner Herkunft!

Ich bin gerade mit meinem Bachelorstudium fertig. Nun würde ich gerne noch zwei Master anhängen und danach arbeiten. Mein Traum ist, später mein eigenes Unternehmen zu gründen. Ich fürchte, dass Trump meine beruflichen Möglichkeiten deutlich einschränken würde.

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"Make America Gay Again" ist die beste Antwort auf Donald Trumps Wahlslogan

"Make America Great Again" – das ist der Wahlkampfslogan von Donald Trump. Und selten hat ein Slogan für mehr Diskussionen gesorgt. Trumps Wahlkampfbestrebungen schmecken nach Nationalismus und vermitteln den Eindruck, als ob Amerika kurz vor dem wirtschaftlichen und politischen Ruin stünde. Muslime raus, China angreifen, Grenzen nach Mexiko dichtmachen. Der Populist hat das "Wir gegen Die" zu seinem politischen Motto erhoben.