Es wirkte mal wie ein schlechter Scherz, im vergangenen Sommer. "Wow. Whoa. That is some group of people. Thousands", rief da Donald J. Trump zur Begrüßung in den Veranstaltungssaal seines New Yorker Trump Towers. Und dann: "So ladies and gentlemen... I am officially running... for president of the United States, and we are going to make our country great again." (Die Rede bei "Time")

Es gab damals viel Häme. Aber mittlerweile ist den meisten in Amerika das Lachen vergangen: Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden die Republikaner auf ihrem Parteitag im Sommer Donald Trump zu ihrem Kandidaten für das Weiße Haus machen. An Trump – Wolkenkratzermillionär, Reality-TV-Tröte und Anti-Philanthrop führt dann fast kein Weg mehr vorbei.

Denn immer mehr Republikaner sagen ihm ihre Unterstützung zu. Die einzige, die ihn noch aufhalten kann, ist Hillary Clinton. Sie wird ziemlich sicher die Kandidatin der gegnerischen Demokraten. Aber gegen den Krawallmann Trump wird es für Clinton schwer. Verdammt schwer.

"Let’s Make America Great Again" – Amerika wieder groß machen – das war von der ersten Sekunde an das Versprechen Trumps an die Nation. Er meint: "Our country is in serious trouble. We don’t have victories anymore." Und: "The U.S. has become a dumping ground for everybody else’s problems." Egal, ob die Diagnose stimmt, eine Medizin liefert Trump bislang nicht. Stattdessen pöbelt und geifert er nur.

Kleine Kostprobe seiner Attacken:

Die "New York Times" sammelt hier alle seine Twitter-Beleidigungen.

Er ist ein Populist, der das "Wir gegen Die" zur Show erhebt. Grenzen nach Mexiko dicht, Muslime raus, China angreifen, Japan fertig machen. Das ist Nationalstaatsromantik wie aus der Weltkriegszeit – und das macht Trump extrem gefährlich. Aber es zieht. Trump hat Tausende Anhänger hinter sich, aktuell sehen ihn 40 Prozent der Amerikaner als Präsidenten. (realclearpolitics.com)

Zugegeben: Clinton hat mit knapp 47 Prozent zwar mehr potenzielle Wähler auf ihrer Seite. Aber die Gunst beider Kandidaten stieg und fiel in dem vergangenen halben Jahr wechselseitig – stürzte Clinton ab, holte Trump auf. Die Wähler sind nervös, und viele lassen sich durch die Träume Trumps verführen. Denn er redet nicht von Politik, die gedacht wird, sondern die gefühlt wird. Es geht ihm nicht um politische Ideen, sondern allein um Emotionen. Namens: Hass und Angst.

Die klinische Clinton ist daher für Trump eine perfekte Angriffsfläche. Er hetzt gegen Frauen und gegen das politische Establishment in Washington. Hillary Clinton stellt er als gekaufte Politikerin dar, die das "wirkliche Amerika" nicht kennt – er aber sei ein Self-made-Mann. Einer, der sich hochgekämpft hat und nicht korrumpierbar sei. Er wird auch an die Affären ihres Ehemannes Bill Clinton erinnern, egal, ob das was mit Politik zu tun hat oder nicht.

Und alles was Hillary Clinton dem bislang entgegensetzt, ist ein Appell an der Vernunft der Wähler:

Prallen nun Trump und Clinton aufeinander, wird es trotzdem eine brutale Schlammschlacht geben. Weil Trump es will. Der Republikaner wird seine Gegnerin mit allen Argumenten, seien sie noch so absurd, attackieren. Und Clinton kann dem nichts entgegensetzen, ohne selbst mit Dreck zu werfen. Seinem Image schadet das kaum, ihrem hingegen sehr.

Wird Hillary Clinton Amerikas Präsidentin, dann startet sie ihren neuen Job besudelt. Wird es Trump, dann startet er als Gewinner.

Alles nicht so einfach – wie der Wahlkampf jetzt weitergeht:


Today

Trump vs. Clinton: Was jetzt noch bis zum Duell passieren kann

Am Anfang hätte es kaum jemand für möglich gehalten, dass Donald Trump mit seinen radikalen Positionen so große Erfolge feiern wird. Jetzt hat er fast alle Kandidaten der Republikaner aus dem Rennen um die US-Präsidentschaftskandidatur gedrängt. Am Dienstag gab nun auch sein schärfster Konkurrent Ted Cruz auf.