"Meine Familie bombardiert mich mit "Wähl Trump"-Nachrichten"

Rot oder Blau? Viele Wähler in den USA fühlen sich kurz vor der Präsidentschaftswahl wie beim Entschärfen einer Bombe. Rot, das sind in den USA traditionell die Republikaner, das Lager von Donald Trump. Blau steht für die Demokraten, die Partei von Hillary Clinton. Die beiden sind wahrscheinlich die unbeliebtesten Präsidentschaftskandidaten aller Zeiten (USA Today). Viele Wähler stimmen deshalb weniger für einen Kandidaten, als eher gegen den anderen.

Gleichzeitig gibt es so viele US-Bürger wie lange nicht mehr, die bewusst einen krassen Außenseiter unterstützen. Gerade bei jungen Wählern. Laut Umfragen unterstützen bis zu 44 Prozent der unter 30-Jährigen einen anderen Bewerber als Clinton oder Trump. Die sogenannten “third party candidates” haben im Zweiparteiensystem der Vereinigten Staaten praktisch keine Chancen. Dennoch wächst die Unterstützung für sie. Viele wollen mit ihrer Stimme ein Zeichen setzen – oft aus ganz unterschiedlichen Gründen.
Hier erzählen drei junge Frauen aus den USA, wen sie statt Clinton oder Trump wählen:
(Bild: Instagram/privat)
Ashley, 27, aus Utah:
Ich werde für Evan McMullin stimmen, einen unabhängigen Kandidaten. Für mich ist er der einzige Bewerber mit irgendeiner Form von Werten oder Moral. Er hat als CIA-Agent unserem Land über ein Jahrzehnt im Ausland gedient und kennt die Außenpolitik aus eigener Erfahrung. Die USA haben eine Führungskrise und ich denke, er könnte das ändern. Unser Zweiparteiensystem hat versagt, deshalb hoffe ich auf ihn als unabhängigen Konservativen.

In meinem Land gibt es immer mehr Rassismus und Donald Trump spaltet die Gesellschaft nur noch weiter. Abgesehen davon ist er ein Sexist, der mutmaßlich zahlreiche Frauen angegriffen hat. Aber Hillary Clinton ist auch nicht besser, im Gegenteil. Ich finde, diese Frau ist eine Bedrohung für die Sicherheit unseres Landes. Sie hat gelogen und wird deshalb vom FBI verfolgt.

(Um fair zu sein, muss man an dieser Stelle kurz einschieben: FBI-Chef James Comey erklärte zuletzt, es gebe keine Hinweise auf ein kriminelles Verhalten Clintons. Hier liest du mehr dazu.)

​Wenn einer der beiden gewinnt, fürchte ich, dass ein Bürgerkrieg ausbrechen könnte
Ashley
Wenn einer der beiden gewinnt, fürchte ich wirklich, dass ein Bürgerkrieg ausbrechen könnte. Mein Freund ist in der Armee und ich will das nicht. Wir müssen diese Grabenkämpfe überwinden und das Land wieder vereinen. Viele meiner Freunde verstehen meine Haltung nicht und werfen mir vor, meine Stimme zu verschwenden. Ich glaube aber, dass man seine Stimme frei und unabhängig vergeben sollte, so wie man es für richtig hält. Wegen dieses Themas sind bei mir schon Freundschaften zerbrochen. Was ist das für ein Land, in dem man sich rechtfertigen muss und einsam wird, wenn man von seinem Stimmrecht Gebrauch macht?

Ich war immer Republikanerin, aber dieses Mal kann ich diese Partei einfach nicht unterstützen. Wenn es je eine Wahl gegeben hat, bei der auch ein drittes Lager gewinnen könnte, dann diese. Meine Heimat Utah könnte den Ausschlag geben, denke ich. Wenn McMullin hier gewinnt, hat er gute Chancen ins Repräsentantenhaus zu kommen und dort wirklich etwas zu verändern. Dort könnte er dann vielleicht andere Wahlleute von seinem Talent überzeugen und so Präsident werden. Ich habe noch Hoffnung!
(Bild: privat)
Kellye, 26, Studentin aus Georgia:
Ich wähle den libertären Präsidentschaftskandidaten Gary Johnson. Er ist der einzige freiheitlich denkende Kandidat bei dieser Wahl. Und im Gegensatz zu Trump und Clinton hält er sich an die Verfassung. Mir ist vor allem Datenschutz wichtig. Ich will, dass die Überwachung unschuldiger Bürger beendet wird und wir nicht noch mehr endlose Kriege führen. Außerdem brauchen wir mehr soziale Gerechtigkeit und ein Ende der Vetternwirtschaft.

Ich bin insgesamt wirtschaftlich eher konservativ, aber in sozialen Frage liberal. Weder Clinton noch Trump vertreten diese Haltung. Ich wünsche mir, dass die Macht der Regierung begrenzt wird und der Präsident sich an die Verfassung hält, anstatt sie nach seinem Willen zu verbiegen.
Und warum wählen Leute Trump? Diese fünf Menschen erklären ihre Unterstützung:

In meiner Familie teilt fast niemand diese Haltung. Alle unterstützen Trump, außer mein Mann, meine Schwiegermutter und mein Neffe. Ich werde die ganze Zeit mit “Wähle Trump”-Nachrichten zugetextet. Sie unterstützen meine Haltung einfach nicht. Beim letzten Mal haben sie mich so noch umgestimmt. Ich würde nie so mit ihnen reden, wie sie es mit mir machen. Immerhin unterstützt ein Großteil meiner Freunde auch Gary Johnson.

Ich hoffe, dass wir es dieses Mal wirklich schaffen, das Zweiparteiensystem hinter uns zu lassen. Aber ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, wie es ausgeht. Im Zweifel gewinnt aber wahrscheinlich Trump, seine Veranstaltungen sind riesig.
(Bild: privat)
Cat, 23, Fotografie-Studentin aus Massachusetts:
Ich unterstütze Jill Stein, die Präsidentschaftskandidatin der Grünen. Ursprünglich war ich ein Fan von Bernie Sanders, aber dann hat er Clinton unterstützt. Für mich ist Jill die einzig moralisch akzeptable Wahl. Viele ihrer Ziele stimmen mit denen von Sanders überein und sie ist nicht so von Korruptionsskandalen belastet wie Clinton oder Trump. Außerdem ist sie als einzige Bewerberin für ein Verbot von Waffenexporten in Länder, die den Terror unterstützen und kennt die Gefahren des Klimawandels. Das bedeutet mir sehr viel.

Jill und ihr Vizekandidat Ajamu Baraka machen einen anderen Wahlkampf. Sie waren beispielsweise bei den Protesten gegen eine Erdöl-Pipeline in North Dakota und haben mit den Menschen dort gekämpft. Außerdem ist sie die einzige Kandidatin, die mit “Black live matters” auf die Straße ging. In einer Zeit, in der es überall in den USA Polizeigewalt und systematischen Rassismus gibt, ist es wichtig, dass Menschen mit Macht und Verantwortung dazu Stellung beziehen. Andere wichtige Themen für mich sind das Einwanderungsrecht, unser Gesundheitssystem oder dass ein Prozent der Menschen den Rest beherrscht.

Mit dieser Haltung kann ich unmöglich Clinton oder Trump wählen. Ihre Außenpolitik hat Hunderttausende Menschen das Leben gekostet und die geleakten E-Mails haben gezeigt, dass sie noch nicht einmal die Homoehe ehrlich unterstützt. Für mich als queere Frau hatte das große Bedeutung. Trump ist natürlich noch schlimmer, aber dass sie die Opfer der sexuellen Übergriffe ihres Ehemanns noch beleidigt hat, hat bei mir das Fass zum Überlaufen gebracht.

Meiner Vater ist stolz, dass ich die Dinge so sehe, denn er unterstützt die Grünen selbst schon seit Jahren. Meine Mutter glaubt dagegen, dass ich am Ende nur Trump unterstütze. Sie wählt einfach die Demokraten, egal wer antritt. Unter meinen Freunden sind viele genervt von mir, aber immerhin 16 von ihnen habe ich schon von Jill überzeugt. Lieber ein paar genervte Freunde als meine Ideale zu verraten.
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