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Was sie von Giffeys Vorschlag halten, Väter zu entlasten.

Familienministerin Franziska Giffey (SPD) will die Rechte von Vätern nach Trennungen verbessern: 

In einem Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung sagte sie, dass das deutsche Sorge- und Umgangsrecht nicht mehr zeitgemäß sei. Zum Beispiel könne es nicht sein, "dass der Vater weiterhin den vollen Unterhalt zahlen muss, auch wenn das Kind viel Zeit bei ihm verbringt und sogar ein eigenes Zimmer bei ihm hat". Sie will Väter in solch einem Fall entlasten. (SPIEGEL ONLINE)

Dieser Vorschlag wird teilweise hart kritisiert. Die Mütterinitiative für Alleinerziehende – kurz MIAs – fordert in einer Petition: "Unterhaltsprellen verhindern - Kinderarmut stoppen!" Giffeys Vorschlag provoziere "eine schlimme Armutsspirale für betreuende Elternteile". Den Unterhalt zu kürzen, wenn der Vater Zeit mit ihren Kindern verbringe, wäre "ein weiteres Schlupfloch für zahlreiche der bisherigen Nicht-Zahler und Kaum-Kümmerer". (change.org)

Was aber halten andere Betroffene davon –  Menschen, deren Eltern sich in ihrer Kindheit getrennt haben?

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Malin (23)

Ich finde, dass Väter nur dann weniger Unterhalt zahlen sollten, wenn sie sich wirklich gleich viel um die Kinder kümmern wie die Mutter

Meine Eltern haben sich getrennt, als ich fünf war. Ich bin zusammen mit meinen beiden kleineren Geschwistern bei meiner Mutter aufgewachsen. Jedes zweite Wochenende waren wir bei unserem Vater. 

Meine Eltern haben sich oft über den Unterhalt gestritten, mein Vater fand ihn zu hoch, hat letztlich aber doch immer gezahlt. Zudem rückte jeder den jeweils anderen immer in ein schlechtes Licht, was dann das Verhältnis zwischen mir und meinen Eltern beeinflusste. Bis heute habe ich ein besseres Verhältnis zu meiner Mutter als zu meinem Vater.

Ich studiere gerade, bekomme aber keinen Unterhalt von meinem Vater. Ich wollte mich nicht auf die Streitereien einlassen, die meine Mutter damals mit ihm hatte.

Ich finde, dass Väter nur dann weniger Unterhalt zahlen sollten, wenn sie sich wirklich gleich viel um die Kinder kümmern wie die Mutter. Jedes zweite Wochenende reicht da nicht. Außerdem sollte sich die Politik vielleicht lieber darum kümmern, wie man Trennungskindern eine anständige psychologische Betreuung ermöglichen kann, anstatt Väter zu entlasten. Viele leiden noch bis ins Erwachsenenalter an der Trennung ihrer Eltern. 


Robert (27)

Wenn Kinder viel Zeit beim Vater verbringen, dann kommt er in der Zeit ja auch für die Kinder auf

Meine Eltern hatten eine Beziehung, in der es nur um Sex ging. Und als ich dann auf dem Weg war, wollte mein Vater davon nichts wissen und ist erst mal auf Reisen gegangen. Meine Mutter hat aber ganz gut verdient und mich dann alleine großgezogen.

Ich sehe meinen Vater einmal im Jahr. Eigentlich weiß er fast nichts aus meinem Leben. Er hat sich auch nie wirklich darum bemüht, Vater zu sein. Laut seiner eigenen Aussage möchte er kein Vater sein, weil sein eigener so schlimm war und ihn geschlagen hat. Er sieht in der Vaterrolle nichts Positives.

Insgesamt lockerte sich unser Verhältnis mit der Zeit, weil ich mich darum bemühe. Wir sind zum Beispiel sechs Wochen zusammen nach Neuseeland geflogen. Es war anstrengend, aber da sind wir uns einen Schritt nähergekommen. An sich ist er ein toller Mann, nur kein toller Vater.

Zu Rechten von Trennungsvätern kann ich nicht viel sagen, weil er sich nie darum bemüht hat, Rechte in Anspruch zu nehmen. Er steht nicht in meiner Geburtsurkunde und ist deshalb zu nichts verpflichtet, er hat auch nie Unterhalt gezahlt. Aber wenn ein Vater willens ist, an der Erziehung teilzunehmen und Teil des Lebens der Kinder zu sein, dann sollten Frauen und Männer da gleichbehandelt werden.

Deshalb finde ich Giffeys Vorschlag gut. Wenn Kinder viel Zeit beim Vater verbringen, dann kommt er in der Zeit ja auch für die Kinder auf. Das sollte bei der Berechnung des Unterhalts beachtet werden. 


Sabrina (28)

Ich hätte mir damals als Kind einen starken Staat gewünscht, der meine Mutter entlastet und meinen Vater zur Kasse bittet.

Mein Vater hat meine Mutter und mich verlassen, als ich ein Jahr alt war. Meine Mutter hatte in der Trennungszeit kaum Rückhalt und keinen rechtlichen Beistand. Besonders in ländlichen Gebieten – ich bin in Südbayern aufgewachsen – war es damals ohnehin noch ein Tabu, sich zu trennen.

Mein Vater hat sich strikt geweigert, Unterhalt zu zahlen und wollte auch keinen Kontakt zu mir. Seit ich 19 bin, hat sich unser Verhältnis aber stetig gebessert, heute ist es sehr gut.

Ich hätte mir damals als Kind einen starken Staat gewünscht, der meine Mutter entlastet und meinen Vater zur Kasse bittet, dann hätten die beiden weniger Streit um das Finanzielle geführt und ich hätte vielleicht eine sorglosere Kindheit gehabt. Aber das Geld sollte in der Diskussion nicht immer an erster Stelle stehen, eigentlich ist Zeit für die Kinder noch viel wichtiger

Vielleicht bräuchte es irgendeine Institution, die Väter oder manchmal auch Mütter nach Trennungen dazu bringen, ihrer Verantwortung gerecht zu werden, Zeit mit den Kindern zu verbringen und Care-Arbeit zu leisten. Wenn ein Elternteil sich mit dem Unterhalt aus der Verantwortung freikaufen kann, finde ich das auch nicht gut.

Die Kindheit ganz ohne väterliche Nähe war einfach "anders", auch wenn ich nie erfahren werde, ob es gut oder schlecht war.

Ich finde es gut, wenn Väter mehr Anerkennung erhalten, aber nur, wenn wirklich beide Elternteile fair und gerecht behandelt werden. Derjenige, der oder die mehr Einkommen hat, soll natürlich für die Kinder aufkommen. Derjenige, der oder die sich mehr um die Kinder kümmert und deshalb nicht volles Gehalt bezieht, soll finanziell entlastet werden.


Chris (19)

Das Geld wäre vielleicht eine größere Motivation, mehr Zeit mit den Kindern zu verbringen als Androhungen wie der Verlust des Sorgerechts.

Meine Eltern waren nie verheiratet. Aufgewachsen bin ich bei meiner Mutter, meinen Vater habe ich nur einmal die Woche gesehen. Meine Eltern haben sich jedes Mal gestritten, daran kann ich mich noch sehr gut erinnern.

Oft hat mein Vater mich mit zu ihm nach Hause genommen das Wochenende über, wo er mit seiner damaligen Freundin lebte, sie war Alkoholikerin.
Als ich acht war, ist er dann nach Amerika gezogen. Seitdem haben wir nur noch wenig Kontakt und sehen uns nur alle zwei Jahre. Wir haben kein gutes Verhältnis, aber ich bemühe mich darum, dass es besser wird. Mir hat in meinem Leben oft die männliche Bezugsperson gefehlt.

Unterhalt hat mein Vater nur gezahlt, bis ich ungefähr sechs war, dann schlagartig nicht mehr. Seine Unterhaltsschulden gehen mittlerweile ins Fünfstellige.

Ich glaube, ich fände es nicht schlecht, wenn Väter weniger Unterhalt zahlen müssten, wenn sie viel Zeit mit ihren Kindern verbringen. Das Geld wäre vielleicht eine größere Motivation, mehr Zeit mit den Kindern zu verbringen als Androhungen wie der Verlust des Sorgerechts. Auf der anderen Seite könnte das natürlich auch Müttern schaden. Sie haben trotzdem noch hohe Kosten und der Vater kann sich so einem Teil der Zahlung entziehen. 


Salem (24)

Ich hab sogar auch ein Zimmer bei meinem Vater, aber wenn ich da keine Zeit verbringe, ändert das ja nix.

Meine Eltern ließen sich scheiden, da war ich fünf. Bis heute belastet mich das ganze sehr. Nicht, weil ich meine Stiefmutter und Halbschwester nicht mag, sondern weil ich nie den wirklichen Grund erfahren habe.

Ich bin bei meiner Mutter aufgewachsen, in Berlin. Anfangs habe ich meinen Papa noch jede Woche besucht, dann irgendwann noch alle zwei. Als wir dann in die Nähe von Hamburg umgezogen sind, war’s das mit den Besuchen. Ich habe ihn vielleicht zwei Mal noch in den Ferien besucht, dann ist der Kontakt abgerissen. Eine Zeit lang ist mir das gar nicht richtig aufgefallen, ich war so mit meinem Leben in der neuen Umgebung beschäftigt. Es gab ein paar Mal Knatsch wegen des Unterhaltes, aber eigentlich hat er immer bezahlt.

Giffeys Vorschlag sehe ich zwiegespalten. Einerseits meint sie, wenn die Kinder ein eigenes Zimmer beim Vater haben, sollen die weniger Unterhalt zahlen. Ich hab sogar auch ein Zimmer bei meinem Vater, aber wenn ich da keine Zeit verbringe, nutzt das ja nichts. 

Wenn die Kinder wirklich viel Zeit beim Vater verbringen und er dementsprechend auch einen größeren Teil der Ausgaben übernimmt, kann ich es aber nachvollziehen, ihn beim Unterhalt zu entlasten.


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