Bild: Japheth Mast / Unsplash
Jetzt erzählen sie davon unter dem Hashtag #unten.

Ein Mitarbeiter des Jugendamtes nannte seine Familie "Sozialhilfe-Adel", bei der Bundeswehr empfahl man ihm als "Arbeiterkind" die Offizierslaufbahn, das sei schließlich lukrativ: So schildert es Christian Baron, Redakteur der Zeitung "Der Freitag" aktuell in einem Artikel.

Christian Baron war der erste in seiner Familie, der Abitur machte. Mit seinem Artikel rufen er und "der Freitag" Leserinnen und Leser dazu auf, unter dem Hashtag #unten von sozialer Abwertung zu berichten. Die Menschen auf Twitter folgen dieser Aufforderung:

Es gibt Geschichten über ständige Vorverurteilung, von Ausgrenzung. Viele erzählen aber auch von der liebevollen Aufopferung der Eltern.

Das sind die emotionalsten Tweets unter dem Hashtag #unten:

Wie kann es sein, dass es noch immer so viele Vorurteile gibt?

Kinder mit niedrigem sozioökonomischem Hintergrund besuchen noch immer oft Schulen, in denen die anderen Schülerinnen und Schüler aus einem ähnlichen Umfeld stammt. Der Bildungserfolg eines Menschen hängt stark von seiner Herkunft ab

Das heißt aber nicht, dass Menschen mit niedrigem sozioökonomischem Hintergrund weniger intelligent wären: Ihnen werden weniger Chancen gegeben.  

Das zeigen der Ländervergleich der OECD (SPIEGEL ONLINE) und eine Studie von Bildungsforscher Klaus Klemm im Auftrag des Gewerkschaftsbundes:

"Im Schnitt habe ein Kind aus einer Akademikerfamilie bei gleicher kognitiver Fähigkeit und gleicher Lesekompetenz eine 3,81-mal größere Chance auf eine Gymnasialempfehlung als ein Kind aus einer Facharbeiterfamilie." (SPIEGEL ONLINE)

Gleichzeitig zeigt eine weitere aktuelle Untersuchung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI), dass es in Deutschland schwer ist, aus der Armut wieder herauszukommen. Wer arm ist, bleibt arm. Und wer reich ist, bleibt reich. Über Generationen hinweg. (SPIEGEL ONLINE)

Alle drei Studien kommen zum gleichen Ergebnis: Die Bildungschancen für Kinder aus benachteiligten Familien müssen verbessert werden, das System muss durchlässiger werden. 

Das braucht Zeit – umso wichtiger, diese Aufgabe jetzt anzunehmen. Denn: Bis sich die Chancen in der Schule angleichen, und das statistisch nachweisbar ist, vergehen Jahrzehnte. (SPIEGEL ONLINE)


Gerechtigkeit

Die AfD hat Angst vor dem Verfassungsschutz – aber warum eigentlich?
Eigentlich weiß doch jeder, was das für eine Partei ist.

"Die werden vom Verfassungsschutz beobachtet", rief Alice Weidel vor ein paar Wochen im fränkischen Höchstadt von der Bühne. Weidel sprach da über türkischen Nationalisten, die "Grauen Wölfe". Erdogan-Fans hatten das Erkennungszeichen der ultrarechen Gruppe beim Besuch des türkischen Präsidenten in Berlin gezeigt. Weidel empörte sich. (DER SPIEGEL)

Worüber sich Weidel eben noch aufgeregt hat, droht der AfD nun selbst. Bis Ende des Jahres soll der Verfassungsschutz entscheiden, ob die Partei ganz, teilweise oder gar nicht beobachtet wird. Der Grund: Sie könnte eine Gefahr für die freiheitlich-demokratische Grundordnung sein. (SPIEGEL ONLINE)

Die Landesämter des Verfassungsschutzes haben bereits Berichte geliefert. Selbst in konservativen Kreisen fordern inzwischen viele Politiker, dass die AfD beobachtet wird. 

Die Parteispitze der AfD will das aber verhindern – und ergreift erste Maßnahmen:

  1. In einer Handreichung werden AfDler aufgefordert, bestimmte Sachen nicht mehr zu sagen. So sollen zum Beispiel Flüchtlinge nicht mehr pauschal beschimpft werden. Zuvor hatte die Partei bei einem Staatsrechter bereits ein Gutachten bestellt.
  2. Eine Arbeitsgruppe soll rechtliche Schritte vorbereiten und dabei helfen, besonders rechtsradikale Mitglieder aus der Partei zu werfen.
  3. Ein externes Gremium aus Fachleuten soll mögliche Sanktionen gegen AfDler bewerten und der Arbeitsgruppe empfehlen, wer aus der Partei ausgeschlossen werden soll.
  4. Ein Unvereinbarkeitsbeschluss legt fest, dass die AfD nun nicht mehr mit Gruppen wie zum Beispiel "Pro Chemnitz" zusammenarbeiten möchte.

Ganz offensichtlich greift in der AfD die Angst vor dem Verfassungsschutz um sich. "Politisches Bettnässerei" seien die "panikartigen Reaktionen", sagte AfD-Rechtsaußen Björn Höcke. Die Nerven liegen blank.

Aber warum eigentlich? In den Medien lässt sich sehr gut nachlesen, wie rechtsradikal einzelne Mitglieder sind. Man erfährt von einem Badezimmer mit Hakenkreuz-Fliesen, Hitler-Weinen und Höcke-Reden, die stark nach Nazi-Sprech klingen. Das alles ist bekannt, viele AfD-Wähler scheint es nicht zu kümmern.