Bild: dpa/Swen Pförtner
Es geht um Syrien, Hilfsorganisationen und sexuelle Gewalt.

In Syrien sollen Entwicklungshelfer, die unter anderem für die Uno arbeiten, schutzsuchenden Frauen Hilfsgüter nur gegen sexuelle Gefälligkeiten ausgeteilt haben. Mitarbeiter von Oxfam, Ärzte ohne Grenzen und dem International Rescue Committee (IRC) mussten unlängst ähnliche Fälle offenlegen. (bentoBBC)

Dass Menschen andere missbrauchen und ausnutzen, ist schlimm genug. Dass die Täter diesen Menschen eigentlich helfen sollten, ist unfassbar. Dass die Organisationen, die dahinter stehen, das Ganze jedoch verschweigen und damit in gewisser Weise akzeptieren, ist an Perfidie nicht zu überbieten.

In einem offenen Brief fordern deswegen nun mehr als 1111 Frauen eine Reform des Hilfssektors. 

Unter dem Hashtag #ReformAid und #Aidtoo appellieren sie an internationale Hilfsorganisationen, die Uno und die Öffentlichkeit: 

Wir sorgen uns, dass die Kultur des Schweigens, der Einschüchterung und des Missbrauchs weitergehen wird, sobald die Aufmerksamkeit der Medien verblasst. Das Vertrauen in den Sektor kann nur wiederhergestellt werden, indem wir die schwierigen Fragen stellen – und versuchen zu beantworten; indem wir öffentlich jene herausfordern, die ausbeuten und sich hinter der guten Arbeit anderer verstecken. Wir ermutigen jeden, nach vorne zu treten, sollte er Zeuge eines Verstoßes gegen die Prinzipien unserer Arbeit werden: Gleichheit und Gerechtigkeit. Und wir fordern Hilfsorganisationen auf, diese Menschen zu unterstützen. 

Initiiert hat den Brief Danielle Spencer, die selbst in syrischen Flüchtlingslagern arbeitete und für ihre Dissertation mehrere Dutzend Mitarbeiter von Hilfsorganisationen weltweit interviewt hat. (Einen Auszug aus der Arbeit gibt es hier). 

Mehr zu den Missbrauchsfällen im Hilfssektor:

In dem Brief fordern die Frauen daher drei grundlegende Reformen:

  1. Vertrauen in Mitarbeiterinnen und Frauen vor Ort: Vorwürfe von Missbrauch sollten ernst genommen und sofort darauf reagiert werden. Die jeweilige Person muss unmittelbar aus ihrer Position und dem Umfeld möglicher Opfer entfernt werden.
  2. Zuhören: Hilfsorganisationen brauchen eine Kultur, in der "Whistleblowing" möglich und willkommen ist. Missbrauchsfälle sollten offen diskutiert werden – nur so könne das Vertrauen der Öffentlichkeit wiedergewonnen werden. 
  3. Taten statt Worte: Es reicht nicht, nur neue Regeln aufzustellen. Sie müssen auch implementiert werden. Dafür braucht es finanzielle Mittel – und Führungspersonen, die sich echtem Handeln verschreiben.

Eine der Unterzeichnerinnen ist Alexia Pepper de Caires, eine ehemalige Mitarbeiterin von "Save the Children" und Whistleblowerin. Sie sagte, dass Chefs von Hilfsorganisationen vor allem mit Worten auf die Krise reagiert hätten. Stattdessen sollten sie auf die Mitarbeiter und Frauen im Sektor hören. "Der Grund für den Brief ist, zu sagen: Ihr müsst uns zuhören, weil wir diejenigen sind, die euch sagen, was passiert." (The Guardian)

Den gesamten Brief gibt es hier zu lesen.


Gerechtigkeit

In Frankreich werden Unternehmen künftig bestraft, wenn sie Frauen weniger zahlen als Männern

Frankreich will stärker gegen Ungerechtigkeit im Job vorgehen: Firmen, die Frauen für die gleiche Arbeit weniger zahlen als Männern, können künftig mit Geldstrafen belegt werden. Das teilte Premierminister Édouard Philippe am Mittwoch mit. (Reuters)

Die Unternehmen haben nun die kommenden drei Jahre Zeit, Lohnunterschiede auszugleichen. Eine spezielle Software zur Lohnabrechnung soll überprüfen, ob die Gehälter angeglichen werden.

Frankreich geht damit eine wichtige Forderung an: Gleiches Geld für gleiche Arbeit.