Bild: Reuters/ Marko Djurica
Was ist passiert?

Im September sorgte die ungarische Kamerafrau Petra L. für Empörung, weil sie einen Flüchtling an der Grenze zwischen Ungarn und Serbien trat. Trotzdem will sie nun klagen – gegen Facebook. Das sagte sie in einem Interview mit der russischen Zeitung "Istwestija". Sobald der Prozess gegen sie beendet sei, wolle sie selbst vor Gericht gehen.

Als Grund nennt die Kamerafrau die Hetze auf Facebook. Sie sei auf Facebook bedroht worden, ohne dass das Unternehmen ihr geholfen habe. "Gelöscht wurden nur die Gruppen, in denen Leute versuchten, mich zu verteidigen", sagte sie im Interview mit der russischen Zeitung. Bis heute gebe es Facebook-Gruppen, die dazu aufriefen, sie zu ermorden. Facebook weigere sich, diese Gruppen zu löschen.

Petra L. attackiert auch den Flüchtling, den sie einst trat

Außerdem wolle sie beweisen, dass der Flüchtling, den sie damals getreten hat, seine Aussage geändert habe. Zunächst habe er nicht sie, sondern die Polizei beschuldigt. Verschiedene Medien hatten zunächst unter Berufung auf die russische Zeitung "Istwestija" berichtet, dass die Kamerafrau auch den Flüchtling selbst verklagen will. Diese Formulierung hat die Zeitung auf ihrer Website aber offenbar geändert.

Jetzt heißt es an der entscheidenden Stelle: "Nur eines wissen wir sicher: Wir werden Facebook verklagen. Und wir werden auch beweisen, dass der Flüchtling Osama die Unwahrheit gesagt hat."

Das ist im September passiert

Das Video zeigt, wie die ungarische Kamerafrau Osama Abdul Mohsen tritt. Er versucht mit seinem Kind auf dem Arm die Grenze nach Ungarn zu passieren. Anschließend fällt er auf sein Kind. Dafür hatte sich die Kamerafrau in einem offenen Brief entschuldigt. Sie sei in Panik geraten und habe es mit der Angst bekommen. Direkt nach ihrer Attacke war Petra L. von ihrem Arbeitgeber, einem erzkonservativen TV-Sender entlassen worden. Dieser war schon zuvor immer wieder durch rassistische Hetze aufgefallen.

Jetzt überlegt L., gemeinsam mit ihrem Mann Ungarn zu verlassen und in Russland zu leben.

Der Flüchtling arbeitet in Spanien als Fußballtrainer

Osama Abdul Mohsen ist derweil zu einem Symbol für den Umgang mit syrischen Flüchtlingen auf ihrer Reise in den Norden geworden. Im Gegensatz zu den meisten anderen geflüchteten Syrern hat er inzwischen eine Arbeit gefunden: als Ausbilder von Fußballtrainern in Spanien. Eine staatliche Fußballschule im Madrider Vorort Getafe hatte erfahren, dass Mohsen in Syrien einst Fußballtrainer war und bot ihm einen Job an. Auch die Stars von Real Madrid durften der Syrer und seine Söhne inzwischen besuchen.

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