Bild: dpa

Wenn linke Demonstranten durch die Stadt ziehen und rufen, dass alle die Polizei hassen, stimmt das nicht. Im Gegenteil: Die allermeisten 18- bis 30-Jährigen sehen die Polizei als Freund. Das zeigt eine Umfrage, die im Auftrag von bento im vergangenen Jahr durchgeführt wurde. Das Vertrauen in die Einsatzkräfte ist hoch: 86 Prozent der Befragten gaben an, dass die Polizei ein Freund ist, nur 14 Prozent bezeichneten sie als Feind.

Kein Wunder: Von den Befragten ist kaum jemand schon einmal von der Polizei festgehalten worden. 6 Prozent gaben an, bereits in Gewahrsam genommen worden zu sein, 2 Prozent sogar mehrfach.

"Ich hab Polizei" das ist ihr Lied, vier Wochen stand der Song von Polizistensohn Jan Böhmermann in den Charts. Im Video dazu schlagen lustige Beamte auf Wehrlose ein – aber es wird ja schon die Richtigen treffen.

Die offizielle Kriminalstatistik weist einen Rückgang von Sachbeschädigungen und Gewaltkriminalität aus – Deutschland ist ein sicheres Land. Vor allem muss man nicht um sein Leben fürchten, wenn die Polizei ausrückt. Während in den USA im vergangenen Jahr rund 1000 Menschen von Polizisten getötet wurden, vor allem Schwarze und Angehörige von Minderheiten, enden Begegnungen mit Einsatzkräften in Deutschland meist glimpflich: 46-Mal schossen Beamte im Jahr 2014 in Deutschland auf Menschen, zählt das Innenministerium, sieben Menschen wurden von Polizisten getötet. Ausschlaggebend für die niedrigen Zahlen dürften die strengen Waffengesetze sein.

Die bento-Umfrage

An unserer Studie haben 1000 in Deutschland lebende Menschen im Alter zwischen 18 und 30 Jahren teilgenommen. Die Schwankungsbreite beträgt für die gesamte Stichprobe 1,9 Prozent. Die Online-Befragung wurde von dem Institut für Markt- und Trendforschung EARSandEYES im Auftrag von bento im Mai 2015 durchgeführt.

Aber so gut das Image der Polizei bei den 18- bis 30-Jährigen auch sein mag: Kritik gibt es natürlich genug.
  • So befassen sich Forscher schon lange mit dem "Korpsgeist" unter Polizisten. Die mehr als 240.000 Beamten decken oft Vergehen ihrer Kollegen. Im vergangenen Jahr wurden 2138 Polizisten wegen Körperverletzung angezeigt, aber nur in 33 Fällen erhoben Staatsanwälte Anklage, ein Viertel führte zu Verurteilungen. Um Delikte der Polizei besser aufklären zu können, fordert Amnesty International eine individuelle Kennzeichnung der Beamten. In einigen Bundesländern ist die bereits Pflicht.
(Bild: dpa / Marijan Murat)
  • Denn dass die Polizei auch anders kann, wissen Demonstranten und Fußballfans schon lange. Meist greifen die Einsatzkräfte mit Augenmaß durch, in Stresssituationen und fernab von Kameras auch mal härter, bei den Atommülltransporten im Wendland zum Beispiel oder beim G8-Gipfel in Heiligendamm. Teile der Demonstranten hatten es darauf allerdings auch angelegt.
  • Anders in Baden-Württemberg im Jahr 2010: Bei den Protesten gegen Stuttgart 21, den Neubau des Bahnhofs, ging die Polizei zum Teil extrem vor, das Bild eines Mannes mit blutenden Augen ging durch die Medien. Es traf nicht radikale Steinewerfer, sondern ganz normale Bürger. Einer von ihnen war fortan blind.
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  • Auch wird der Polizei immer wieder ihr Racial Profiling vorgeworfen, also die gezielte Kontrolle von Menschen mit anderer Hautfarbe und Herkunft, in der Annahme, es könnte sich eher um Straftäter handeln. Oder die beständige Forderung nach mehr Überwachung, ob mit Videokameras oder mit Hilfe von Handydaten. Oder die völlig verkorkste Zusammenarbeit und die fehlerhaften Ermittlungen zum NSU. Oder die fehlende Präsenz in der Kölner Silvesternacht (bento).

Vielleicht lässt sich das Verhältnis von Bürgern und Polizei so ganz gut umschreiben: So lange man nicht mit Beamten aneinandergerät, ist alles gut zu sein. Die Mehrheit wähnt sich auf der sicheren Seite, die Kriminellen, die mit der Polizei zu tun haben, das sind die anderen.

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