Wie würden wir uns in solchen Situationen verhalten?

In der Silvesternacht sollen am Kölner Hauptbahnhof Dutzende Frauen sexuell belästigt und bestohlen worden sein. Aus Hamburg wurden ähnliche Fälle gemeldet. Nun wird diskutiert, was man hätte tun können, um die Übergriffe zu verhindern.

Damit sind auch die Betroffenen selbst gemeint: Frauen, die ausgehen, feiern, Spaß haben – und dann blöd angemacht, bedrängt oder sogar begrapscht werden. Nach einem Krisentreffen mit der Polizei schlug die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker unter anderem auch Verhaltensregeln für Mädchen und Frauen vor: eine Armlänge Abstand zu Fremden. Das sei nötig, "damit ihnen solche Dinge nicht widerfahren".


Den Opfern eine Mitschuld zu geben, das geht gar nicht, ist die einhellige Meinung (FAZ). Auf Twitter machen sich Nutzer unter #einearmlaenge über den Vorschlag lustig.


Natürlich müssen die Täter gefunden und bestraft werden.

Aber es wäre zu kurz gegriffen, wenn wir uns komplett aus der Verantwortung ziehen würden. Vielmehr müssen wir uns gerade jetzt fragen, wie wir uns verhalten, wenn wir einen solchen Übergriff mitbekommen.

Wenn ich merke, dass eine Frau belästigt wird, greife ich ein – das ist die Antwort, die viele von uns auf diese Frage geben. Ich schließe mich da mit ein. Aber tun wir das wirklich?

Neulich lief ich nach einer Party mit einer Kollegin die Reeperbahn entlang, ich wollte zum Nachtbus, sie zum Taxi. Auf dem Weg stellte sie fest, dass sie nicht mehr genug Geld dabei hatte, also ging sie die paar Meter weiter zum Bankautomaten. Von der Bushaltestelle aus sah ich, wie sich ein Typ neben sie stellte und auf sie einredete. Er war einen Kopf größer als sie und kam ihr ziemlich nahe.

(Bild: Flickr/vtdainfo/CC BY)

Ich stand an der Haltestelle und wusste: Ich muss da hin. Und trotzdem sträubte sich etwas in mir; es sträubte sich dagegen, zu ihr zu gehen und mich vielleicht auch blöd anmachen zu lassen.

Ich ging trotzdem hin, stellte mich neben sie an den Automaten und wartete, bis sie das Geld abgehoben hatte. Dann liefen wir zusammen in Richtung Bushaltestelle.

Auf dem Heimweg fragte ich mich: Was hätte ich getan, wenn ich die Frau am Automaten nicht gekannt hätte?

Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie viel leichter man einen dummen Spruch oder eine zu offensive Kontaktaufnahme ertragen kann, wenn man nicht alleine ist, sondern jemanden neben sich weiß.

Aber das reicht noch nicht. Eingreifen bedeutet auch, den angetrunkenen Kumpel in der Bar darauf hinzuweisen, wenn sein Verhalten fehl am Platz ist.

Genau das zeigt die Webserie "That’s What He Said", in der Männer untereinander Klartext reden:

In der Serie kommen die Männer zu dem Schluss, dass sie einander sagen müssen, wenn etwas nicht geht: "Check your boys and be like: Hey man, you can’t talk to a woman like that." Die Episode wanderte unter dem Hashtag #checkyourboys durch die sozialen Netzwerke. (Upworthy)

Wir sollten viel mehr darauf achten, was um uns herum passiert.

Und wir sollten eingreifen, anderen Menschen zu Hilfe kommen – Freunden und Fremden, Frauen und Männern.
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