Bild: Pixabay

Großbritannien will Tausende Homosexuelle rehabilitieren, die sich nach früheren Gesetzen strafbar gemacht hatten. Einen Gesetzentwurf hat jetzt die Regierung in London vorgelegt. Noch bis in die Achtziger Jahre war Homo- und Bisexualität verboten – um die 65.000 Männer wurden dafür verurteilt (BBC). Es drohten Gefängnis und Zwangsarbeit.

Diese Strafen sollen nun aufgehoben werden. Ein historischer Fehler werde korrigiert, sagt das britische Justizministerium. Die Begnadigung drücke das große Bedauern der Regierung über die falschen und ungerechten Gesetze aus. (tagesschau.de)

Von den damals 65.000 Geschädigten leben noch etwa 15.000.

Viele freuen sich über die Rehabilitation, anderen ist es nicht genug. Sie sagen: Die Begnadigung zu akzeptieren, würde heißen, schuldig gewesen zu sein. So argumentiert zum Beispiel der Betroffene George Montague, der bereits 1974 verurteilt wurde:

Stattdessen solle die britische Regierung Kompensation für die Schmerzen zahlen. Darauf will sich die britische Regierung bislang allerdings nicht festlegen – und auch nicht auf eine Entschuldigung bei den Opfern.

Der Gesetzesentwurf trägt den Namen "Turing Law" – benannt nach einem berühmten Betroffenen.

Alan Turing war ein Mathematikgenie und knackte im Zweiten Weltkrieg den Enigma-Code der Deutschen. Die Enigma war ein komplizierte Maschine, mit der man geheime Funksprüche schicken konnte – dank Turings Arbeit konnten die Kampfflieger abgehört werden.

Die Tat schützte ihn nicht vor dem Gesetz: Da Turing schwul war, wurde er 1952 verurteilt. Statt Gefängnis wählte er eine Hormonbehandlung, die ihn "männlicher" machen sollte. Zwei Jahre nach dem Urteilsspruch nahm er sich das Leben. Erst im Dezember 2013 wurde Alan Turing von der Queen rehabilitiert.

Sein Leben wurde mit Benedict Cumberbatch in "The Imitation Game" verfilmt:

Auch in Deutschland könnte es bald ein eigenes "Turing Law" geben.

Die deutsche Bundesregierung will noch im Oktober einen Gesetzentwurf vorlegen, mit dem Homosexuelle rehabilitiert werden sollen. In Deutschland wurden nach 1945 mehr als 50.000 Männer auf Grundlage des schwulenfeindlichen Paragrafen 175 verfolgt und zu teils mehrjährigen Freiheitsstrafen verurteilt (SPIEGEL ONLINE).

Lass uns Freunde werden!


Art

Diese Fotos sind erst lustig – und regen dann zum Denken an

Zack Seckler mag es, einfach laut zu lachen. Aber er liebt es, "wenn Humor einen tieferen Sinn hat", sagt der Fotograf aus den USA.

Es klingt kompliziert: Wie soll man sich über etwas lustig machen und gleichzeitig darüber nachdenken?

Zacks Fotos erklären, wie das funktioniert.