Eine Gruppe türkischer Fischer hat im Mittelmeer einen 18 Monate alten Flüchtlingsjungen vor dem Ertrinken gerettet. Offenbar war das Boot mit rund 30 Flüchtlingen an Bord auf dem Weg von der Türkei nach Griechenland gekentert. Viele Flüchtlinge konnten die Fischer nach eigenen Angaben nur noch tot bergen, rund 15 Menschen zogen sie lebend an Bord. Die Rettung des kleinen Muhammed hielten die Fischer in einem Video fest.

Das Video seht ihr hier. (Achtung, es enthält drastische Szenen.)

Die Fischer wollten die Aktion schon abbrechen. Doch einige Flüchtlinge aus dem Boot hätten ständig das Wort „Baby, Baby“ gerufen, sagte Fischer Recep Evran zu bento. Einige hundert Meter entfernt habe er schließlich eine weitere Schwimmweste entdeckt. "Die Schwimmweste sah leer aus, und erst später habe ich gemerkt, dass da noch ein Kind darin war. Es bewegte sich nicht, und wir gingen davon aus, dass es bereits ertrunken war. Ich griff nach ihm, und da fing er an zu schreien."

Im Video ist zu sehen, wie Evran den 18 Monate alten Muhammed ins Boot hebt, um dann Erste Hilfe zu leisten. Als das Kind anfängt zu schreien, bemerken die Fischer, dass der Junge noch lebt.

"Ich kann gar nicht beschreiben, wie ich mich in diesem Moment gefühlt habe", erzählt Evran. "Ich habe mich wirklich sehr, sehr gefreut und sagte mir innerlich 'Halte durch, du musst überleben!'“

Die Küstenwache bringt die Geretteten schließlich an Land. Die Überlebenden erzählten nach Angaben der Fischer, dass rund 30 Menschen auf dem Boot gesessen hätten. "Aber ich habe kein einziges Stück von diesem Boot gesehen, es ist nichts davon übrig geblieben“, sagte Evran.

Auch die 23-jährige Mutter von Muhammed überlebte die gescheiterte Überfahrt.

Beide wurden ins nächste Krankenhaus in Izmir gebracht. Dem Jungen geht es inzwischen besser, berichtet der "Guardian". Er konnte das Krankenhaus bereits wieder verlassen. Im türkischen Fernsehen hatte der Arzt erklärt, dass Muhammed sehr viel Wasser geschluckt habe und unterkühlt eingeliefert worden sei.

Türkischen Reportern sagte die Mutter dem "Guardian" zufolge, dass Schmuggler der Gruppe ursprünglich ein größeres Boot versprochen hatten. Als die Flüchtlinge das kleine Boot gesehen hätten, sei es aber zu spät gewesen, um noch etwas zu tun.

2015 schon über 3000 Tote und Vermisste im Mittelmeer

Tausende Menschen versuchen auf ihrer Flucht nach Europa von der türkischen zur griechischen Küste überzusetzen – oft in kleinen, unsicheren Booten. Viele erleiden Schiffbruch. Allein 2015 sind nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration mindestens 3175 Menschen im Mittelmeer ertrunken oder werden noch vermisst. (Bericht als PDF)

Im September hatte der Tod eines dreijährigen Jungen aus Syrien weltweit Menschen bewegt (SPIEGEL ONLINE). Seine Leiche war an einem türkischen Strand angespült worden. Das Bild des toten Jungen ist seitdem zu einem Symbol geworden für die Menschen, die im Mittelmeer auf ihrer Flucht ertrinken.

Der türkische Fischer Evran ist sich der bedrückenden Zustände im Mittelmeer bewusst. Er freue sich, dass seine Gruppe einigen Menschen das Leben habe retten können, sagte er. "Aber 14 andere sind dennoch ertrunken."

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