Neuste Aktion: An Schulen soll die Evolutionstheorie verboten werden.

Vor elf Monaten erlebte die Türkei einen fragwürdigen Neubeginn. Hochrangige Militärs hatten versucht, gegen die Regierung von Staatschef Recep Tayyip Erdogan zu putschen. Der Aufstand schlug fehl, Erdogan konnte die türkische Bevölkerung hinter sich vereinen (bento). 

In den Wochen danach wurde die Türkei im Eilverfahren zur Autokratie umgebaut – vor allem im Schulwesen griff Erdogan hart durch.

Tausende Lehrer wurden entlassen, Schulbücher umgeschrieben, Lehrpläne geändert. Um sich gegen weitere Angriffe zu schützen, heißt es offiziell aus der türkischen Regierung. Sie sieht den islamistischen Prediger Fethullah Gülen als Drahtzieher des damaligen Putsches. Seine Bewegung gilt in der Türkei mittlerweile als Terrororganisation.

Doch was an Schulen gelehrt wird, zeigt auch immer, in welche Richtung eine Gesellschaft erzogen werden soll. In der Türkei heißt das im Moment: Besinnung auf die türkisch-nationale Vergangenheit statt Orientierung an Europa, weniger Raum für säkulares Gedankengut und dafür mehr für Religion.

Vier Beispiele, wie das türkische Bildungsministerium an einer Umerziehung seiner Schüler arbeitet: 
1. Die Evolutionstheorie wird aus dem Lehrplan gestrichen

Der Grund: Die umstrittenen Inhalte seien zu komplex für das allgemeine Schulniveau. Das Bildungsministerium hält also seine eigenen Schüler für zu dumm, erst an der Uni sollen sie mit dem Stoff konfrontiert werden.

Das gab der Vorsitzende des türkischen Bildungsausschusses Alpaslan Durmus am Freitag bekannt. Außerdem wird für Fächer wie Geschichte, Musik oder Philosophie eine Abkehr der "europäisch-zentrierten Perspektive" angestrebt. So soll etwa die türkische Volksmusik wieder in den Mittelpunkt rücken.

2. Die Lehrer werden ausgetauscht

Unter anderem wurden bislang 39.000 Lehrer entlassen (Deutsche Welle). Bei den entlassenen Lehrern habe es sich um Anhänger des islamistischen Predigers Fethullah Gülen oder der Kurdenpartei PKK gehandelt. Ministerpräsident Binali Yildirim warnte in einer landesweit übertragenen Rede zum Schulanfang vor beiden Seiten (Turkish Minute).

Neue Lehrer werden nun nicht mehr nur nach ihrer fachlichen Kompetenz, sondern auch nach ihrer politischer Gesinnung ausgesucht. Im Einstellungsgespräch müssen sie Fragen beantworten wie: "Welche Zeitungen lesen Sie?" oder "Was kommt Ihnen in den Sinn, wenn sie das Wort "Reis" – "Führer" – hören?". Mit diesem Namen betiteln Erdogan-Anhänger ihren Präsidenten. (T24)

3. Die Putschnacht wird zum Triumph erklärt

Offizielle Lesart: Das Volk hat sich gegen Terroristen erhoben, die Erdogan stürzen wollten. Zum Schulbeginn im vergangenen September wurden Pamphlete an alle Schüler verteilt. Der Titel: "Der Triumph der Demokratie am 15. Juli und das Gedenken an die Märtyrer".

Die Verherrlichung geht sogar so weit, dass Schulkinder nun selbst "Märtyrer" spielen sollen: Am 23. April dieses Jahres, dem landesweiten Feiertag zu Ehren der Kinder, führten Grundschulkinder in Kayseri ein Theaterstück auf. In Uniform gekleidet und mit Spielwaffen ausgestattet mimten sie Erdogan-treue Soldaten, die ihre gefallenen Kameraden mit der türkischen Flagge zudeckten.

Die türkische Zeitung "Evrensel Gazetesi" veröffentlichte die Bilder:

Die Aktion erregte großen Protest. "Kinder bekommen jetzt Waffen um den nationalen Kindertag zu feiern?", fragt ein Kritiker auf Twitter. "Was wird wohl mit euren Kindern morgen passieren, wenn sie ihre Feiertage bewaffnet verbringen?" 

Nach Angaben des Bildungsministeriums sollten den Schülern außerdem zwei Filme aus der Putschnacht gezeigt werden. 

Was nicht Teil des Lehrplans wurde: Wie das Bildungsministerium selbst Jagd auf Schüler macht. Seit Schulbeginn kam es zu mehreren Vorfällen:

4. Schulen werden in Ausbildungsorte für Prediger verwandelt

Im September musste eine Berufsschule in Düzce den Betrieb einstellen: Schüler und Eltern hatten sich beschwert, dass ihre Schule in ein Zentrum zur Imamausbildung umgewandelt wurde. So erging es in den vergangenen Jahren schon vielen Schulen:

Bereits 2012 wurde die Zahl der religiösen Imam-Hatip-Schulen ausgeweitet. In einer umstrittenen Reform teilte die AKP die verpflichtenden Schuljahre neu auf: vier Jahre Grund-, vier Jahre Mittel- und vier Jahre Oberschule. In Zuge dessen eröffneten 694 Mittelschulen als neue Imam-Hatip-Schulen. Diese stehen immer wieder in der Kritik der religiösen Indoktrination. (radikal.com)


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