Bild: dpa/AP/Emrah Gurel
Wir haben mit Erdogan-Gegnern über die Protestnacht und die Manipulationsvorwürfe gesprochen.

Es ist spät am Sonntagabend, als der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sich selbst zum Sieger des Referendums erklärt – wenig später gehen Tausende Türken auf die Straße. Sie protestieren gegen den Ausgang des Referendums und werfen den Behörden Wahlmanipulation vor.

Es ist ein Albtraum. Wir sind fix und fertig. Und es ist schwer zu ertragen, wieder für dumm verkauft zu werden.

Das sagt Emre zu bento. Der 25-jährige Istanbuler glaubt wie viele Andere, dass die Wahl nicht fair verlaufen ist.

Was steckt hinter den Manipulationsvorwürfen?

Sie beziehen sich auf einen ungewöhnlichen Beschluss der obersten Landeswahlbehörde YSK:

  • Normalerweise müssen Stimmzettel mit den Feldern "Evet", "Ja", und "Hayir", "Nein", in einem versiegelten Umschlag abgegeben werden.
  • Nur wenige Stunden bevor die Wahllokale am Sonntagabend schlossen, hatte die Behörde diese Regelung aufgehoben
  • Sofern kein Beweis vorliege, dass die Wahlzettel unrechtmäßig von außerhalb eingebracht würden, sollen auch die unversiegelten Briefe zählen, heißt es.

Ein gespaltenes Volk: die Wahlnacht in Bildern

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Die Oppositionsparteien protestieren.

Bis zu 1,5 Millionen unversiegelte und damit vor dem Beschluss noch ungültige Stimmzettel seien nun mitgezählt worden, bemängeln sie. Bülent Tezcan, Chef der Oppositionspartei CHP, forderte die Behörde auf, "diesen Fehler umgehend zu korrigieren". Die Partei fordert eine Neuauszählung. ("Hürriyet")

Zu den Unstimmigkeiten am Wahltag kommt hinzu, dass die YSK-Webseite, die über den Stand der Auszählungen informierte, andere Zwischenstände veröffentlichte als die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu.

Am Nachmittag ging die Seite gar für einige Stunden offline. Erst spät am Abend veröffentlichte die YSK den Ausgang der Wahl – demnach lag das "Ja"-Lager mit nur 1,25 Millionen Stimmen vorne. (bento)

Eine weitere Unstimmigkeit: In den sozialen Netzwerken machten Videos von Männern die Runde, die mehrere Stimmzettel im "Ja"-Bereich abstempeln – unter Hashtags wie #YSKSuçİşliyor ("YSK begeht Verbrechen") und #HayirDahaBitmedi ("Nein ist noch nicht vorüber"). Ob sie echt sind, vermag derzeit niemand zu sagen.

In einem Video, angeblich aus einem Wahllokal in Ankara, weist die Filmende die Männer darauf hin, dass das Stempeln mehrerer Wahlzettel illegal sei.

Es gibt Videos, die Beweise sind da.

Das glaubt die 25-jährige Deniz, die im Istanbuler Stadtteil Kadiköy lebt. Vor allem dort und im Stadtteil Besiktas, beides Hochburgen der Oppositionellen und Linken, versammelten sich Menschen zum Protest. "Wir werden dich nicht zum allmächtigen Präsidenten machen" riefen sie an Erdogan gerichtet. Von Tausenden Demonstranten ist die Rede. (sendika.org)

Sie trommelten mit Löffeln auf Töpfe und Pfannen – auf der Straße oder auf ihren Balkonen stehend. Schon während der Gezi-Proteste 2013 nutzten Demonstranten diese Form des Protests und machten das Geräusch zum Symbol des Widerstands gegen Erdogan. 

Auch in anderen Städten trauten sich Menschen auf die Straße – wie hier in Izmir.

Eine Massenbewegungen à la Gezi formte sich am Sonntagabend jedoch nicht.

"Zwischendurch waren es schon richtig viele Leute", sagt die Studentin Ipek zu bento. Sie lebt seit Anfang des Jahres in Istanbul und marschierte in der Nacht in Kadiköy mit. Die Stimmung habe jedoch nicht lange angehalten. Die Demonstranten hätten sich schnell wieder verstreut, die Märsche sich aufgelöst.

Deniz ist gar nicht erst mitmarschiert.
Es würde keinen Unterschied machen.
Deniz zu bento

Früher beteiligte sich die Filmemacherin rege an Protestmärchen. Aber auch ihr Engagement hat abgenommen – nach Monaten des Ausnahmezustands und wegen der ständigen Angst, bei Demonstrationen festgenommen zu werden.

Unsere Moral ist gebrochen. Viele von uns sind einfach so frustriert, dass wir gar nichts mehr unternehmen.
Deniz

Der gestärkte Präsident Erdogan hat noch in der Nacht angekündigt, den Ausnahmezustand um weitere drei Monate zu verlängern.


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