Wie die Wahl plötzlich spannend wird.

Die Bilder teilen sich gerade Tausendfach im Netz: Eine riesige Menge Türkinnen und Türken treffen sich in Istanbul und jubeln. Die Veranstalter sprechen von mehreren Millionen. Sie haben türkische Fahnen dabei, aus der Luft wirken sie wie ein rotes, wogendes Meer.

Am Sonntag wählt die Türkei einen neuen Präsidenten. Und die, die hier jubeln, jubeln nicht dem bisherigen zu – sondern wollen einen Wandel. 

So sieht das dann aus:

Bislang galt: Recep Tayyip Erdogan ist die Türkei und die Türkei ist Recep Tayyip Erdogan.

Doch nun ändert sich das. Im vergangenen Jahr hatte Erdogan in einem Referendum erst abstimmen lassen, ob die Türkei eine Präsidialrepublik wird – dann geht mehr Macht vom Parlament weg und zum Präsidenten hin. Erdogan hatte dafür ein knappes "Ja" bekommen (bento).

Nun will Erdogan diese Macht zementieren. Vor wenigen Wochen zog der türkische Staatschef überraschend die Wahlen vor, von November 2019 auf Juni 2018 (bento). Er erhoffte sich einen klaren Sieg und wollte der Opposition möglichst wenig Zeit für Wahlkampf geben. Doch nun muss er um seine Wiederwahl bangen. 

Der Grund: Muharrem Ince.

Muharrem Ince ist der Kandidat der sozialdemokratischen CHP – und jener, der nun plötzlich Millionen hinter sich vereint.

Hier zeigt Ince eine Kartoffel und eine Zwiebel hoch. Warum? Um zu kritisieren, wie stark deren Preise jüngst angestiegen sind.(Bild: dpa/Oliver Weiken)

Der 54-Jährige sitzt seit 2002 im türkischen Parlament und galt bislang als unscheinbar. Doch in nur wenigen Wochen hat er immer mehr Anhänger hinter sich versammelt und vor allem einen cleveren Online-Wahlkampf geführt. (SPIEGEL ONLINE)

Das war auch nötig: Die meisten unabhängigen Medien sind in der Türkei mittlerweile verboten, die übrigen berichten vor allem über Erdogan.

Durch seine Reden hat Ince Oppositionelle aus vielen Lagern ein bisschen miteinander vereinen können. Wer Erdogan nicht will, wählt nun ihn. "Eine andere Zukunft ist möglich", verspricht Ince. (Hürriyet)

Bereits am Donnerstag kamen zwei bis zweieinhalb Millionen Anhänger zu seiner Kundgebung in Izmir (Zeit), am Samstag sollen es nun fünf Millionen in Istanbul gewesen sein. Sagt Ince selbst:

Hier stehen fünf Millionen Menschen in Maltepe, aber kein einziger TV-Sender darf darüber berichten.
Muharrem Ince, Reuters

Die Behörden sprechen offiziell hingegen von einer Million Anhängern. 

Aber die Nummern sind nicht so wichtig – wichtig sind die Bilder. Und die teilen sich jetzt im Netz. 

Maltepe ist ein Stadtviertel auf der asiatischen Seite von Istanbul. Hier wohnt die untere Mittelschicht, die sich weniger für Erdogans Nationalismus interessiert, sondern eher für eine stabile Wirtschaft. Erdogan selbst weiß das, und hat im Wahlkampf eilig neue Infrastrukturprojekte versprochen.

Muharrem Ince twittert nun hingegen einfach: "Danke, Istanbul"

Wie realistisch ist ein Sieg von Muharrem Ince am Sonntag?

Eher unrealistisch – Erdogan vereint mehr Anhänger hinter sich. Aber: Seit Inces Erfolgen schrumpft Erdogans Vorsprung auf unter 50 Prozent (Cumhuriyet). Dann müsste er am 8. Juli in einer Stichwahl antreten – höchstwahrscheinlich gegen Ince, der in den Umfragen hinter ihm liegt.

Mehrere andere Oppositionsparteien haben angekündigt, dann Ince zu unterstützen. Er hätte dann eine realistische Chance, Erdogan im direkten Rennen zu schlagen.


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