Vergangenen Juli versuchten Soldaten in einem Putsch den türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan zu stürzen. Seither arbeitet die türkische Regierung mit Hochdruck daran, die Drahtzieher des Putschversuchs vom vergangenen Juli zu überführen. Und macht auf Jagd auf Unbeteiligte. Verdächtige werden massenweise verhaftet – aus teils absurden Gründen.

Mittlerweile genügt es schon, das falsche T-Shirt zu tragen. 

Seit Ende Juli wurden landesweit mehr als 30 Menschen verhaftet, weil sie ein Shirt mit dem Aufdruck "Hero" trugen. 

Was steckt dahinter?

Das Politikum um das T-Shirt begann, als der als Putschunterstützer beschuldigte Soldat Gökhan Güçlü Mitte Juli mit diesem Shirt zu seinem Gerichtsprozess erschien. Weil er sich damit scheinbar als "Held" inszeniere, sorgte das Shirt des türkischen Herstellers Defacto für große Aufruhr. 

Der Prozess musste unterbrochen werden, vor dem Gerichtsgebäudes protestierten Menschen mit T-Shirts, die statt "Hero" den Aufdruck "Hain" trugen – Türkisch für "Verräter"

Erdogan forderte daraufhin, die Soldaten sollten sich nicht mehr kleiden dürfen wie sie möchten, sondern braune Uniformen im Stile der Guantanamo-Häftlinge tragen. (CNN Türk)

Die regierungsnahe Zeitung Sabah will in dem Wort sogar eine Geheimbotschaft an Fethullah Gülen erkennen: "Hero" soll für "Hoca Efendi Razı Olsun", übersetzt etwa "Möge der große Lehrer euch segnen" stehen – wobei mit dem Lehrer nur der in den USA lebende Gülen gemeint sein könnte. 

Das Tragen der beliebten "Hero"-Shirts gilt seitdem für Regierung und den ihr nahestehenden Medien als Erkennungszeichen seiner Anhängern. 

Als wäre diese Schlussfolgerung nicht schon absurd genug, ist sie nun auch ein Grund, Menschen ohne rechtliche Grundlage festzunehmen.

Die Gülen-Bewegung

Die Gülen- oder Hizmet-Bewegung ist eine international aktive religiöse Bewegung, die vom islamistischen Prediger Fethullah Gülen geführt wird. Die Bewegung hat mehr als 4 Millionen Mitgliedern und ein weit verzweigtes Netzwerk aus Erziehungseinrichtungen, Medienorganisationen und Sozialeinrichtungen.

Erdogan sieht seinen ehemaligen Parteikollegen Fethullah Gülen, der in den USA im Exil lebt, als Drahtzieher des Putschversuchs am 15. Juli 2016. Seine Bewegung gilt in der Türkei mittlerweile als Terrororganisation.

  • Ende Juli traf es einen 29-jährigen Hotelmitarbeiter in Antalya. Laut der halbstaatlichen Nachrichtenagentur Anadolu wurde er während seiner Arbeit im "Hero"-Shirt abgeführt – unter dem Vorwurf "terroristische Propaganda" zu betreiben. Der Beschuldigte gab an, den Soldaten im Fernsehen zwar gesehen zu haben, das T-Shirt aber nur zu tragen, weil er weiße T-Shirts möge.
  • Ein paar Tage später wurde ein Pärchen verhaftet, das beim Motorradfahren mit den Kleidungsstücken erwischt wurden. Die Studenten sagten der Polizei an, sie hätten die Nachrichten nicht verfolgt und das Shirt nur gekauft, weil sie gleich aussehen wollten. (CNN)

Doch es geht nicht nur um das Defacto-Shirt, dessen Verkauf mittlerweile eingestellt wurde. Auch ein Student mit einem grauen Shirt und dem Aufdruck "part-time-hero" wurde vorläufig festgenommen. (NTV)

Am vergangenen Samstag traf es dann sogar ein Mädchen im Mickey-Maus-Shirt mit dem Spruch "My dad is my hero". 

Gemeinsam mit ihrer Mutter wurde sie beim Besuch ihres Vaters im Gefängnis von den dortigen Polizisten verhaftet. Wie die Cumhurriyet berichtete, teilte der Anwalt der Mutter ein Foto des T-Shirts sowie eine Vernehmungsdokument auf Twitter. 

Der Grund für die Festnahme sei das "Loben von Verbrechern". Die Mutter gab an, dass sich ihre Tochter ihr Shirt selbst ausgesucht habe und über die Bedeutung des Politikums nichts gewusst zu haben.

Die Verhaftungswelle zeigt, wie willkürlich Menschen in der Türkei mittlerweile als Putschisten gebranntmarkt werden – und wie ideologisch die Schulddebatte geführt wird. 

In den sozialen Medien sorgen die Verhaftungen für Unverständnis. "Die Paranoia kennt keine Grenzen", kommentiert etwa ein Twitternutzer die Maßnahmen. 

Eine ander Nutzer schlägt vor, strategisch gegen die Maßnahmen vorzugehen: Um die Einsatzkräfte zu verwirren, solle man nunmehr T-Shirts mit dem Aufdruck "Erdogan is my hero" tragen. 

Ob die Polizei auch dann gegen "terroristische Propaganda" ermitteln wird? Interessant wäre es.

Streaming

16 Sätze, die du nicht mehr hören kannst, wenn du kein "Game of Thrones" guckst

Deine Freunde sind totale "Game of Thrones"-Jünger, du nicht. Solange es neue Folgen gibt, dominiert das Thema aber jedes Gespräch – egal ob persönlich, über WhatsApp, Facebook oder per Rabe. 

16 Sätze, die du garantiert schon gehört hast, wenn du NICHT dem Hype verfallen bist: