Sechs Fragen und sechs Antworten zu dem Prozess

Patrick K. ist 29 Jahre alt, im März machte er Urlaub in der Türkei, ging wandern. So erzählen es seine Eltern. Jetzt soll Patrick fast sieben Jahre hinter Gittern bleiben. Der Vorwurf der Türkei: Er soll Mitglied einer Terrororganisation sein. 

Was wird ihm genau vorgeworfen?

  • Das türkische Gericht wirft K. die Mitgliedschaft in einer Terrororganisation vor. Demnach soll er sich der Kurdenmiliz YPG angeschlossen haben, die der PKK nahesteht.
  • Ein Zeuge habe ihn im Januar in einem syrischen Krankenhaus gesehen, wo er eine YPG-Uniform getragen und als Arzt gearbeitet haben soll. 
  • Die Staatsanwaltschaft verwies außerdem auf eine angebliche Mail, in der Patrick K. Kontakt mit der YPG aufgenommen haben soll. "Ich werde für Euch kämpfen", soll er darin in gebrochenem Englisch geschrieben haben. "Ich bin auch Tourist in Kilis und werde gehen, um euch zu helfen."
  • Er habe laut Anklageschrift ausgesagt, er wäre in Deutschland von zwei Personen dazu verleitet worden, sich der YPG anzuschließen. Erst nach seiner Festnahme habe er erfahren, dass es sich bei der YPG um eine Terrororganisation handelt.

K. sitzt bereits seit mehr als acht Monaten in einem Gefängnis in der osttürkischen Provinz Elazig.

Was sagt Patricks Familie dazu?

Die Anschuldigungen seien "Unsinn", sagte seine Familie. Zu dem Zeitpunkt, zu dem er angeblich im Krankenhaus gesehen worden seien soll, habe sich ihr Sohn in Deutschland aufgehalten, sagte seine Mutter. Außerdem sei er gelernter Schreiner und Tischler und habe später als Kurierfahrer gearbeitet, als Arzt habe er in der Türkei nicht gearbeitet. Er sei dort lediglich zum Wandern gewesen.

Wie sieht das Urteil genau aus?

  • Wegen Mitgliedschaft in einer Terrororganisation hat ihn das türkische Gericht zu sechs Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt. 
  • Weil Patrick K. das Sperrgebiet betreten habe soll, soll er außerdem für ein Jahr und acht Monate ins Gefängnis. Dieser Teil ist aber laut seins Anwalts zur Bewährung ausgesetzt.

Wie geht es Patrick?

Vor dem Gerichtstermin hatte K.s Mutter Claudia S. der Deutschen Presse-Agentur gesagt, ihr Sohn habe große Angst auch gesundheitlich gehe es ihm nicht gut. Er kämpfe seit Wochen mit einer Mittelohrentzündung und habe drei Zähne verloren. 

Wie sind die Reaktionen auf das Urteil?

Patricks Familie sei geschockt, sagte eine Freundin. "Patrick wurde verurteilt für nichts, das war eine üble Überraschung". Seine Mutter könne derzeit nicht reden.

Patrick selbst sei "sehr traurig", sagte sein Anwalt Hüseyin Bilgi. Der Richter habe das Urteil nicht begründet, in der Türkei sei es aber üblich, detaillierte Urteilsbegründungen nachzureichen. 

Der Deutsche Kurden-Verband zeigt sich entsetzt und nennt das Urteil "erschütternd und demütigend". "Der einzige Beweis für diesen Vorwurf ist, dass K. während seines Wanderurlaubs im kurdischen Grenzgebiet aufgegriffen wurde", sagte der stellvertretende Bundesvorsitzende Mehmet Tanriverdi.

Patrick K. ist nicht der erste Deutsche in türkischer Haft.

Das Verhältnis zwischen Berlin und Ankara ist nach einer Serie von Festnahmen deutscher Staatsbürgerinnen und Staatsbürger mehr als angespannt. Aus "politischen Gründen" sind derzeit fünf Deutsche in Haft. 

Wie geht es jetzt weiter?

Anwalt Bilgi will das Urteil anfechten. Wie es mit Patrick K. weitergeht, wird wohl vor allem von den diplomatischen Bemühungen abhängen.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) besucht derzeit die Türkei. Er wollte auch die schwierige Menschenrechtslage in der Türkei ansprechen, sagte Altmaier am Donnerstag. Die Deutschen in türkischer Haft dürfte er dabei nicht aussparen.

Mit Material von dpa


Gerechtigkeit

Frauen in der EU arbeiten ab dem 3. November umsonst – theoretisch
Lohngerechtigkeit ist in Europa weiterhin ein Fremdwort

Arbeit? Klar! Aber nur gegen gerechte Bezahlung. Diese Mindestanforderung sollte eigentlich für jeden Job gelten – und für jede Arbeitnehmerin und jeden Arbeitnehmer. Doch Frauen in der EU arbeiten theoretisch ab dem 3. November umsonst. Das geht aus dem aktuellen Europabarometer hervor.

Was sind die Ergebnisse der Umfrage?

Besonders deutlich wird, dass Männer und Frauen in der Europäischen Union noch immer nicht gleich bezahlt werden. Frauen verdienen im Durchschnitt 16,2 Prozent weniger Geld als Männer. Das würde bedeuten, dass sie bei gleicher Bezahlung, ab dem 3. November umsonst arbeiten würden – insgesamt also fast zwei ganze Monate

In Deutschland ist der Unterschied sogar noch größer: Laut des Barometers verdienen Frauen hier sogar 21,5 Prozent weniger als Männer. Das ist der dritthöchste Wert in ganz Europa. 

Zudem gaben bei der Umfrage 43 Prozent der Befragten Männer an, sie hätten keinen Vaterschaftsurlaub gemacht und würden dies auch nicht planen. In Deutschland waren es sogar 47 Prozent. Als Hauptgrund gaben die Befragten an, es sich finanziell nicht leisten zu können. 

Wie reagierte die EU-Kommission auf die Ergebnisse?

"Frauen und Männer sind gleichberechtigt, das ist einer der Grundwerte der EU, aber im Vergleich mit ihren männlichen Kollegen arbeiten Frauen noch immer zwei Monate umsonst", sagte die EU-Kommissare Frans Timmermans, Vera Jourova und Marianne Thyssen, "Diese Situation können wir nicht länger akzeptieren". 

Um sie zu ändern, drängen die Kommissare nun darauf, dass die EU-Staaten und das Europaparlament möglichst schnell Gesetzen zustimmen, die das Lohngefälle bekämpfen sollen. Eine Maßnahme hierfür wäre die bessere Unterstützung von arbeitenden Eltern. 

Wie genau solche Gesetze aussehen sollten, teilten die EU-Kommissare aber nicht mit.

Mit Material von dpa

Aber Frauen müssen keine Männer werden, um im Job Erfolg zu haben: