Bild: dpa

Die Türkei und die Europäische Union (EU) haben derzeit Beziehungsprobleme. Weil sich das Land unter Präsident Recep Tayyip Erdogan mehr und mehr in eine Autokratie verwandelt, droht die EU die Beitrittsverhandlungen zu stoppen (bento).

Was ist der Flüchtlingsdeal?

Ein Abkommen zwischen der EU und der Türkei: Die Türkei nimmt syrische Flüchtlinge auf, die EU unterstützt mit 6 Milliarden Euro. So soll eine illegale Einreise nach Europa verhindert werden. Aber der Deal sorgt für Probleme.

Am Freitag drohte Erdogan zurück: Wenn ihr so weitermacht, kündige ich den Flüchtlingsdeal. Dann würden angeblich Millionen Schutzsuchende gen Europa strömen.

Was genau hat Erdogan gesagt?

In einer Rede griff Erdogan die EU an und machte deutlich, wie abhängig der Staatenverbund von seinem Land sei.

  • "Es sind wir, die die drei bis 3,5 Millionen Flüchtlinge ernähren.”
  • "Ihr in der EU, habt eure Versprechen gebrochen." (Vermutlich spielt er hier auf die Beitrittsverhandlungen an.)
  • "Weder ich, noch die türkische Bevölkerung werden eure Bluffs akzeptieren."
  • "Die Grenzen werden geöffnet, wenn ihr (die EU) zu weit geht."
Und wie reagierte Deutschland auf Erdogans Aussagen?
  • "Drohungen auf beiden Seiten helfen da jetzt nicht weiter", sagte eine Regierungssprecherin.
Wie realistisch ist diese Drohung?

Nicht sehr realistisch – Erdogan droht oft und ohne Auswirkung. Bereits im vergangenen Mai wollte er den Flüchtlingsdeal platzen lassen. Erdogan hatte Visa-Freiheit für sein Land gefordert – Menschen mit türkischem Pass sollen ohne Kontrolle in die EU reisen können. Damals nannte Erdogan eine Deadline für Mitte Oktober.

Der Oktober ist bereits Geschichte und die Grenzen sind immer noch geschlossen. Insofern kann man Zweifel daran haben, ob Erdogan seine Drohungen dieses Mal wirklich in die Tat umsetzt ("Süddeutsche Zeitung").

Wie viele Flüchtlinge beherbergt die Türkei?

Aktuell sind offiziell 2,7 Millionen Flüchtlinge im Land untergebracht die meisten aus Syrien und dem Irak (UNHCR). Die Türkei trägt damit die größte Last im Nahen Osten: Der Libanon beherbergt etwas mehr als eine Million Flüchtlinge, Jordanien 655.000. Die meisten Flüchtlinge sind in Lagern organisiert, nicht alle wollen nach Europa weiter.

Was würde passieren, wenn der Flüchtlingsdeal endet?

Erst mal nicht viel. "Dann kommen zwar mehr als jetzt, aber bestimmt nicht die Massen wie damals", sagte ein Sicherheitsexperte dem "Tagesspiegel".

Seit Inkrafttreten des Abkommens haben sich die Flüchtlingsrouten stark verändert (bento). Es kommen kaum noch Schutzsuchende über die östliche Route – also über die Türkei – sondern vor allem über die zentrale Mittelmeerroute via Ägypten und Libyen oder über die westliche Route via Marokko.

(Bild: Mapbox / bento)

Diese Routen sind länger und gefährlicher – sehr viel mehr Boote kentern. In diesem Jahr sind nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) bereits mehr als 4600 Flüchtlinge ertrunken, 1000 mehr als im Vorjahr.

Wenn die Türkei ihre Küsten nicht mehr kontrolliert, müssten Schleuser dort neue Netzwerke einrichten – nach einigen Monaten könnten dann wieder mehr Flüchtlinge über die Ostroute kommen.

Ob sie von dort weiterkommen, ist eine zweite Frage: Die Balkanroute ist seit Anfang des Jahres geschlossen. Flüchtlinge, die von der Türkei übersetzen, würden also in Griechenland festsitzen. Die, die über die Landesgrenze kommen, kämen nur bis nach Bulgarien.

Beide Länder wären dann dringend auf EU-Hilfe angewiesen, alleine könnten sie nicht allen Flüchtlingen helfen.

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