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Hinter der Geschiche steckt kein Hack

Morgens halb acht in Deutschland: Joko und Klaas twittern ein Hakenkreuz, die "Welt" schreibt ihren 1,2 Millionen Followern "Wir sehen uns am 16. April" – und von Minute zu Minute kommen ähnliche Nachrichten von Amnesty International, Boris Becker oder dem BVB hinzu.

Was alle eint: Sie sind auf türkisch geschrieben und mit den beiden Hashtags #NaziAlmanya und #NaziHollanda versehen.

Was ist passiert?

Offensichtlich ist es am Morgen Unbekannten gelungen, Zugang zu tausenden Twitter-Accounts zu gelangen. Doch viele der Betroffenen bestehen darauf, nicht gehackt worden zu sein und nach wie vor die Kontrolle über ihr Profil zu haben. Weshalb sie auch die meisten der Propaganda-Nachrichten wieder umgehend entfernen konnten. Wie konnten die Propaganda-Tweets aber dann abgesetzt werden?

Eine erste Vermutung: Möglicherweise wurden gar nicht die Nutzer gehackt, sondern ein Programm, mit dem sie ihre Tweets absetzen. Der New Yorker Journalist Rob Lopez hat bereits um 8.24 Uhr eine Spur – offensichtlich wurden die Propaganda-Nachrichten über die beliebte Twitter-Analyseseite "The Counter" abgesetzt.

Kurze Zeit später reagiert "The Counter" erstmals und bestätigt, dass der Analyse-Service tatsächlich attackiert wurde. In einem kurzen Statement heißt es: "Wir wissen, dass unser Service gehackt wurde und untersuchen den Vorfall derzeit. Es wurden bereits Maßnahmen eingeleitet, um den Missbrauch [unserer Seite] zu stoppen."

Wie konnte das passieren?

Viele Internetseiten bieten ihren Nutzern an, sich über ihr Facebook- oder Twitter-Profil zu registrieren. So lässt sich Zeit sparen. Doch dafür erhalten die Seiten oft auch einen umfangreichen Zugriff auf die Social-Media-Profile ihrer Nutzer. Manche Seiten lassen sich sogar das Recht geben, dort eigene Nachrichten im Namen des Users zu teilen. Eine Funktion, die spätestens seit "Farmville" viele Nutzer kennen und hassen dürften.

Bei "The Counter" war die Anmeldung mit Twitter sogar Pflicht – nur so kann die Seite individuelle Twitter-Statistiken erstellen. Doch das Recht, auch eigene Nachrichten für den Nutzer zu schreiben, ist dafür eigentlich nicht nötig. Vermutlich hat es die Seite nur eingefordert, um Werbung in eigener Sache machen zu können. Eine nicht nur lästige, sondern auch potentiell gefährliche Idee, wie sich jetzt zeigt.

Die offene Frage: Wer steckt hinter dem Angriff?

Das ist bislang unklar. Doch der Inhalt der Tweets legt nahe, dass es sich um Unterstützer des türkischen Präsidenten Erdogan handeln könnte. Dieser wirft Deutschland und den Niederlanden schon seit Tagen "Nazi-Methoden" vor. Seine Minister werben zudem europaweit für die Änderung der türkischen Verfassung – zufälligerweise wird genau am 16. April darüber abgestimmt.

Es könnte gut sein, dass die Angriffe von ultranationalistischen Unterstützern kommt. Diese hatten in der Vergangenheit bereits Angriffe auf den Bundestag (Motherboard), den Wiener Flughafen (Die Presse) und auch das Internet-Kollektiv Anonymus (DTN) für sich in Anspruch genommen. Ob diese Unterstützung Erdogan am Ende allerdings wirklich hilft, ist eher fraglich.

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Gerechtigkeit

Saudi-Arabien hat jetzt einen Mädchenrat. Warum zeigt das Foto dazu nur bärtige Männer?

Saudi-Arabien ist nun wirklich kein allzu frauenfreundliches Land. Frauen müssen sich komplett bedecken, dürfen nicht Auto fahren und nicht ohne Erlaubnis eines Mannes verreisen (bento). Die Regierung gründet all diese Gesetze auf islamischen Regeln – auch wenn sich im Koran solch explizite Verbote gar nicht finden lassen.

Nun hat Saudi-Arabien erstmals einen regionalen Mädchenrat ins Leben gerufen. Das Gremium soll dabei helfen, dass "die Stimme" der Mädchen im Land gehört wird – allerdings "im Einklang mit islamischem Recht". Das gab die saudische Nachrichtenagentur SPA bereits am Sonntag bekannt. Dazu gab es ein offizielles Foto der feierlichen Eröffnung, das nun im Netz heftig diskutiert wird.

Denn im Mädchenrat sitzen 13 bärtige Männer – und 0 Mädchen: