Bild: Getty Images/Alex Edelman
Präsidenten beim Fummeln.

Schon als US-Präsident Donald Trump und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron das erste Mal bei einem Nato-Treffen in Brüssel aufeinander getroffen sind, machten die beiden Schlagzeilen. Beim Handschlag wollte Trump seine Hand schon zurückziehen, da drückte Macron weiter zu. 

Die Fotos zeigten einen verwirrten Trump, der sonst immer den Handschlag dominiert, und einen entschlossen aussehenden Macron. Damals erklärte der französische Präsident, der Handschlag sei ein Statement der Stärke gewesen: 

Nun sind die beiden Staatschefs wieder aufeinander getroffen – und haben ihren Machtkampf fortgeführt. 

Trump hat Macron ins Weiße Haus geladen. Zwei Tage verbrachten Macron und seine Frau Brigitte in Washington, die Armee ehrte die französischen Gäste mit Salutschüssen, es gab ein edles Staatsbankett. (mehr dazu bei bento)

Inzwischen sind die beiden Präsidenten vom kräftigen Händedruck zu sanfteren Gesten übergegangen. Ihr Machtkampf ist damit aber noch lange nicht beendet. 

Nicht nur bei der Empfangszeremonie möchte Trump Macron genau zeigen, wo sein Platz ist. 
(Bild: Getty Images/Alex Wong)

Er schob Macron genau vor die für ihn vorgesehene Markierung. Wie eine kleine Spielfigur stellte er ihn vor seine Linie. Noch ein Stückchen nach rechts, mein Lieber, hier muss ja alles seine Ordnung haben.

Die betont offene Zuneigung mutet schon fast ein bisschen absurd an: Küsschen links, Küsschen rechts, noch eine Umarmung, nochmal die Hand schütteln.

(Bild: Giphy)

Was Trump und Macron da machen, hat natürlich System. Beide demonstrieren diplomatische Nähe, zeigen ihre Einigkeit. 

  • Trump braucht dringend Partner in Europa, mit Bundeskanzlerin Angela Merkel versteht er sich nicht so gut.
  • Macron hingegen will gerne der neue starke Mann in Europa werden und Merkel ablösen. Ein Bündnis mit den USA hilft ihm.

Den ersten Höhepunkt findet das Zusammentreffen, als Trump Maron an der Hand ins Oval Office führt. 

(Bild: Getty Images/Mark Wilson)

Wie ein kleines Kind – oder ein Hündchen an der Leine – zieht er Macron hinter sich her in sein Büro. Und dann, im Oval Office, vor laufenden Kameras eine Machtdemonstration. 

Der US-Präsident erklärt, was für ein toller Kerl Macron sei, perfekt eigentlich. Nur die Schuppe da muss noch von seinem Hemdkragen gewischt werden:

Die Szene wirkt nebensächlich. Tatsächlich ist sie wohl eine Retourkutsche: Trump stutzt Macron von oben zurecht, zeigt einen angeblichen Makel auf. Es ist der Dank für das verlorene Händeringen vom ersten Treffen.

Und so sahen Macrons Versuche aus, wieder die Oberhand zu bekommen. Er schiebt Trump vor sich her:
(Bild: Getty Images/Alex Wong)

Schiebt ihn nach draußen und ins Auto, will ihm zeigen, wo es lang geht:

(Bild: Getty Images/Thierry Chesnot)

Am Ende entscheiden sich beide für eine Diplomatie der Zärtlichkeit.

(Bild: Getty Images/Mark Wilson)

In Frankreich wird Macron dafür belächelt – er wirke wie das "Schoßhündchen" oder der "Kasper" Trumps. Manche nennen ihn auch gleich "faux cul": Heuchler.

Aber die Bilder dürften für ihn wichtig sein: Macron will den US-Präsidenten wieder vom Pariser Klimaschutzabkommen überzeugen, will ihn davon abhalten, den wichtigen Iran-Deal aufzukündigen und hofft auf neue Wirtschaftsbeziehungen mit den USA. 

Soll heißen: Trump bekommt liebevolle Machtbilder, dafür wird Macron mit Entspannungspolitik belohnt. 

Ob die Strategie aufgeht, wird sich zeigen. 

Zumindest eines hat Macron schon geschafft: Trump adelte ihn auf Twitter als "Freund".


Gerechtigkeit

Wir haben die CSU gefragt, ob sie auch Davidsterne in Bayern aufhängen will
Sie betont ja so gerne "christlich-jüdischen" Wurzeln.

Bayern will mehr Religion wagen: Vom 1. Juni an soll in jeder staatlichen Behörde ein Kreuz hängen. Das hat das von der CSU geführte Landeskabinett in Bayern am Dienstag beschlossen. (bento)

Das Kreuz soll "deutlich wahrnehmbar" als Ausdruck der "geschichtlichen und kulturellen Prägung Bayern" in den Amtsstuben hängen. Also ein Bekenntnis zu den Wurzeln, quasi. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat selbst das erste aufgehängt: