Bild: dpa/Asmaa Waguih
Was jetzt in Syrien passiert – und was daran gefährlich wird.

Vor wenigen Tagen hat US-Präsident Donald Trump überraschend ein Ende der US-Beteiligung in Syrien verkündet. Luftangriffe von US-Fliegern soll es keine mehr geben, die etwa 2000 Soldatinnen und Soldaten sollen rasch abgezogen werden. Den Abzug rechtfertigte Trump voller Stolz mit der Einschätzung, die Terrormiliz "Islamische Staat" (IS) sei nun besiegt. (bento)

Viele Experten, andere Bündnispartner und auch die Menschen in Syrien widersprachen direkt: Die Islamisten gibt es immer noch. Und wenn die USA nun gehen, könnten sie wieder erstarken.

Nun hat Donald Trump das mit dem Ende des IS wieder zurückgenommen – und einen neuen Verantwortlichen für den Job ausgemacht: Recep Tayyip Erdogan.

Der türkische Präsident solle "ausrotten, was auch immer von IS in Syrien übriggeblieben ist". Das schrieb Trump in der Nacht auf Heiligabend auf Twitter. Erdogan sei "ein Mann, der das kann", außerdem grenze die Türkei an Syrien an – sei also sowieso besser geeignet als die USA.

Ist es so simpel? Was droht nun in Syrien? Die wichtigsten Antworten im Überblick:

1 Was haben Trump und Erdogan besprochen?

Beide Präsidenten hatten zuvor telefoniert und sich über den US-Truppenabzug ausgetauscht. Trump glaubt, der IS ist mehr oder weniger besiegt. 

Damit trotzdem keine Extremisten in die Lücke stoßen, die die USA in Syrien hinterlassen, sollen dort nun türkische Truppen stationiert werden – so solle ein "Machtvakuum" verhindert werden.

2 Worum geht es eigentlich?

  • Für Trump: Soldaten heimzuholen, gerade zu Weihnachten, sichert in den USA die Gunst der Wählerinnen und Wähler. Auch Ex-Präsident Obama hatte seinerzeit Truppen aus Afghanistan abgezogen. Trump handelt nun genauso, was in Syrien passiert, dürfte ihm dabei herzlich egal sein.
  • Für Erdogan: Der türkische Präsident will in der Region mehr Macht. In den Anfangsjahren des Syrienkrieges hat die Türkei den IS heimlich ausgerüstet und stark gemacht, um Syrien zu destabilisieren (bento). Nun will sich Erdogan aus zwei Gründen in Nordsyrien breitmachen: Um weiter Einfluss zu nehmen – und um zu verhindern, dass sich dort kurdische Kämpfer weiter ausbreiten.

3 Wie geht es weiter?

Die Türkei hat ihre Truppen an der Grenze zum Bürgerkriegsland bereits verstärkt, ein Konvoi mit Panzern und Granatwerfern habe in der Nacht zu Montag den türkischen Grenzort Kilis erreicht, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. 

In Nordsyrien war lange die kurdische Miliz YPG unterwegs, sie sind als Teil der "Syrischen Demokratischen Kräfte" vor allem dafür verantwortlich, dass Islamisten zurückgedrängt werden konnten. Die Türkei sagt aber, die YPG gehöre zu der in der Türkei verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK – und betrachtet sie als Terroristen. Daher geht die Türkei entlang der Grenze – und auch auf syrischem Boden – gegen die Kurden vor. 

Für Syriens Bevökerung bedeutet das neues Unglück. Die Türkei erobert Land im Norden, die überlebenden Kurden könnten sich mit dem syrischen Diktator Baschar al-Assad verbünden. 

In jedem Fall heißt es: Der Syrienkrieg geht weiter.

Mit Material von dpa


Today

Dein Bundespräsident will, dass du dich 2019 wieder mehr streitest
Die wichtigsten Sätze der Weihnachtsansprache von Frank-Walter Steinmeier

In Deutschland hält traditionell der Bundespräsident oder die Bundespräsidentin an Weihnachten eine Ansprache, Kanzlerin oder Kanzler folgen dann eine Woche später mit der Neujahrsrede.

In den Reden geht es oft darum, was Deutschland im vergangenen Jahr geschafft hat und was der Nation im kommenden Jahr bevorsteht – vor allem aber sind die Ansprachen Appelle ans Zusammenhalten. Und für eine starke Demokratie.

Genau das ist auch das Thema der neuen Weihnachtsansprache von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Er fordert: Mehr Streit wagen!

Die Rede von Frank-Walter Steinmeier wird auf der Homepage des Bundespräsidenten am 25. Dezember veröffentlicht, Medien können sie aber vorab einsehen. 

Das sind die wichtigsten Aussagen von Steinmeiers Weihnachtsansprache 2018:

  • Demokratie braucht Streit, damit sie lebendig bleibt. Die Deutschen sprächen aber immer seltener miteinander – und hörten sich noch seltener zu. Vor allem im Netz:

"Wo immer man hinschaut, erst recht in den Sozialen Medien: Da wird gegiftet, da ist Lärm und tägliche Empörung. Mehr noch als der Lärm von manchen besorgt mich das Schweigen von vielen anderen."

  • Tatsächlich habe aber jeder eine Meinung. Und ein Recht, vom anderen akzeptiert zu werden:

"So sehr wir uns über andere ärgern oder sie uns gleich ganz wegwünschen, eines gilt auch morgen noch: Wir alle gehören zu diesem Land - unabhängig von Herkunft oder Hautfarbe, von Lebensanschauung oder Lieblingsmannschaft."

  • Steinmeiers Mittel gegen den Hass im Netz? Lernen, die andere Seite zu verstehen:

"Wir müssen wieder lernen, zu streiten, ohne Schaum vorm Mund, und lernen, unsere Unterschiede auszuhalten."

  • Wichtig sei der Streit aber weiterhin. Wenn sich keiner mehr etwas zu sagen habe, dann sei die Demokratie wirklich verloren: