Bild: Getty Images/Alexander Hassenstein
"Aber da muss man als Spieler dann durch."

Rassismus? Nicht beim DFB. Auch nicht in der deutschen Nationalmannschaft. Özils Erklärung? Die habe mehr "Quatsch" enthalten als richtige Beobachtungen. "Die Art und Weise seines Rücktritts war nicht in Ordnung."

Das hat der deutsche Nationalspieler Toni Kroos der "Bild"-Zeitung in einem Interview gesagt. Wie zuvor Manuel Neuer und Thomas Müller hat Kroos damit durchblicken lassen, was er von der Rassismus- und #Metwo-Debatte hält, die seit Wochen vor allem wegen Mesut Özil geführt wird.

Die Worte sind ignorant. Als Nationalspieler setzt Kroos mit ihnen leider Maßstäbe dafür, wie in diesem Land über Rassismus gesprochen werden kann.

In dem Interview verkündet Kroos, dass es in der Mannschaft keinen Rassismus gebe. Das haben auch Neuer und Müller zuvor bereits betont. Diese Obsession der drei deutschen Nationalspieler aus Greifswald, Gelsenkirchen und Oberbayern ist bemerkenswert. Denn nicht einmal Özil hat jemals behauptet, von seinen Mannschaftskollegen diskriminiert worden zu sein.

Die Aussage zeigt aber, wie stark sich die Nationalspieler von Özils Erklärung offenbar angegriffen gefühlt haben. Und sie steht stellvertretend für die Art und Weise, wie einige Deutsche derzeit die #MeTwo-Debatte führen. So erklärte die "Bild" ihren Lesern, dass Rassismus häufig ohne Grund empfunden werde.

Folgenreicher dürften allerdings Kroos’ weitere Äußerungen sein. Özil sei zurecht für das Erdogan-Foto kritisiert worden, später dann für die Leistung bei der WM, sagt Kroos.

Die Art der Kritik war sicher nicht immer auf gutem Niveau – aber da muss man als Spieler dann durch.
Toni Kroos über die Kritik an Özil

Natürlich hat Kroos Recht damit, dass Özil für Foto und Leistung zurecht kritisiert worden ist. Und dass ein Nationalspieler das aushalten muss. Umso mehr, weil ihn niemand zum Wahlkampf-Foto mit dem autokratisch regierenden Erdogan gezwungen hat.

Aber das war nicht die einzige Form von Kritik:

  • In der Kampagne gegen Özil nach seinem Erdogan-Foto mischten sich schnell rassistische Untertöne. Özils Eignung als deutscher Nationalspieler wurde in Frage gestellt, weil er die Hymne nicht mitsinge oder nicht stolz genug sei, für sein Vaterland spielen zu dürfen.
  • Ein SPD-Lokalpolitiker bezeichnete Mesut Özil als “Ziegenficker”, ein Theaterchef empfahl ihm, nach “Anatolien” zu gehen.
  • Und glaubt man Özil, hat ihn ein Fan nach dem Südkorea-Spiel als “Türkensau” und “Türkenschwein” bezeichnet.

Diese Form des Rassismus lässt sich nicht wegdiskutieren, Toni Kroos schmeißt sie aber mit berechtigter Kritik an Özils Handlungen oder Leistungen zusammen. Er macht sie so unsichtbar.

Özil müsse da durch, sagt Kroos pauschal. Damit normalisiert Kroos den Rassismus, den Özil erfahren hat.

(Bild: Getty Images/Alex Grimm)

Rassismus muss man nicht aushalten, man muss ihn bekämpfen. Wenn sie Vorbilder sein wollen, müssen auch Nationalspieler und DFB-Funktionäre das immer wieder deutlich machen. Wer so viele Fans hat und sich so sehr für die eigene Integrationsarbeit feiert, hat diese Verantwortung. Von ihr wird man auch nicht entbunden, wenn man Özils Erdogan-Foto falsch oder seine Rücktrittserklärung übertrieben findet.


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