Sie protestieren gegen Populismus, Hass und Hetze – seit Kurzem.

Über die Autorin dieses Textes

Marie wurde mit 14 von einer großen Agentur entdeckt – seither arbeitet sie als Model und Designerin. Unter dem Namen Regendelfin zeigt sie das Leben und Arbeiten in der Branche mit allen Vor- und Nachteilen. Auf Twitter und Instagram folgen ihr insgesamt 200.000 Menschen. Ihre Themen: Mode, Feminismus, Politik.

Models sind oft extrem jung, viele leben in einer Fashion-Blase, in der sich alles nur um Mode dreht. Die meisten haben viel zu tun, vor allem mit sich selbst. Der tägliche Druck, für Kunden buchbar und für die Agentur attraktiv zu bleiben, lähmt oft die Gedanken – den Willen, Dinge verändern zu wollen, politisch zu sein.

Doch ein trüber Freitagnachmittag, der 20. Januar 2017, soll das ändern. Es ist der Tag, an dem Models – oft nur als Kleiderständer ohne Meinung wahrgenommen – virtuell zusammenrücken. Sich gegen den immer stärker werdenden Rechtspopulismus in unserem Land und in unserer Welt stellen.

Was ist passiert?

In Amerika wird an diesem Vormittag Donald Trump Präsident (bento). Schon bei seiner ersten Rede wird klar: Er macht Ernst. All seine absurden Wahlkampf-Versprechen will er offenbar wahr machen. Eine Mauer zu Mexiko will er bauen, ständig brüllt er "America First!"

Uns wird bewusst: Wir müssen was tun. Wir können was tun.

Die Tendenzen in Deutschland hatten wir schon eine Weile wahrgenommen. Wie sich AfD und andere Rechtspopulisten mit Hetzparolen Raum verschaffen. Wie sie ein Klima der Angst aufbauen vor Fremden, vor Flüchtlingen, vor dem Islam, vor Terror.

Hinter den Kulissen war das bei uns Thema: Woher kommt dieser Rechtspopulismus? Warum fühlen sich Menschen bei der AfD gut aufgehoben und sehen Fremdes als Gefahr?

Marie von den Benken

Die Diskussionen kamen immer öfter auf – und das, obwohl sich viele Models eher selten mit Politik auseinandersetzen. Einige dürfen noch gar nicht wählen.

Doch durch die vielen Reisen haben viele auch ein gutes Gefühl entwickelt für gesellschaftliche Strömungen. Der wachsende Populismus, wohin man auch schaut, macht auch ihnen Sorgen – und im Januar soll das erstmals sichtbar werden.

Wo zuvor vor allem Gigi Hadids und Kendal Jenners Aufstieg, die Mädchen von GNTM und die Männergeschichten von Taylor Swift ein Thema waren, schien Politik unendich weit weg. Backstage vor den Shows, in Reihe eins, in den In-Cafés und Restaurants, abends auf den Partys.

Doch mit Trumps Einführung änderte sich das. Thema jetzt: ob sowas auch hier in Deutschland passieren kann.

Julia Wulf, Ex-GNTM-Kandidatin und feste Modelgröße in Deutschland, treffe ich in Berlin auf einem Runway-Event. Trotz Partylaune wird es zwischendurch ernst.

Im Hinblick auf die gesellschaftliche Entwicklung in Deutschland und die Vereidigung von Donald Trump sagt sie: "Ich hätte mir niemals vorstellen können, dass eine rechtspopulistische Partei wie die AfD in Deutschland wieder so mächtig werden kann. Ich bin zutiefst geschockt und angewidert."

Das klingt vielleicht erst mal sehr pauschal, aber in der Modelwelt ist so eine Aussage schon eine große Sache.

Eine politisches Statement von einem Model – und das, obwohl Frauen mit eigener Meinung in der Branche nicht gut ankommen. Agenturen haben Angst, Selbstbewusstsein könnte vom Kunden als kompliziert wahrgenommen werden.

Doch nicht nur Julia, auch anderen Models ist das seit einigen Monaten egal. Trumps Inauguration wirkte wie ein Weckruf, der den Blick auch auf die Frage lenkt, was politisch im eigenen Land passiert. Der Women's March wird weltweit zu einer Demonstration mit mehr als drei Millionen Teilnehmern, auch in Deutschland.

Überall positionieren sich die Menschen – auch Models. Sie laufen mit, posten Bilder auf Instagram oder senden über ihre Social Media-Kanäle Zuspruch für die Demonstranten.

Und sie hören nicht auf – zum Klicken:
Toni Garrn kommentiert die Reden von Trump in ihren Instagram-Storys kritisch – und lädt ein Bild hoch, das zeigt, was sie vom "Muslim Ban" hält:
Julia Stegner postet ein Bild von sich und ihrer Tochter beim Women's March. Nicht abseits der Demonstranten – sondern mittendrin:
Sara Nuru fordert: "Be social!" Und lässt sich in diesem Pulli ablichten:
Hana Nitsche postet ein Bild von einer Anti-Trump-Demo. "Wir alle müssen unser Konzept der Menschlichkeit überdenken", schreibt sie zu diesem Foto:
Anna-Christina Schwartz meldet sich unter #nofacism zu Wort:
Anja Leuenberger schreibt: "This hoodie gives me life." Dazu lädt sie dieses Bild hoch:
Anna Ewers postet das SPIEGEL-Cover mit einer Zeichnung, auf der Trump die Freiheitsstatue enthauptet – klares Statement:
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Und auch ich selbst habe schon einige Gelegenheiten genutzt, um deutlich zu machen, dass rechtes Gedankengut grundsätzlich unerwünscht ist:
Für alle, die jetzt sagen: "Ach, das sind doch nur irgendwelche Bilder, irgendwelche Tweets, die eh nichts ausrichten" – nein, stimmt nicht.

Mit Fotos, sinnvoll platzierten Statements in Interviews und auch mit Tweets zeigen wir, dass wir zu denen gehören, die Populismus und Hass ausgrenzen. Auch mit einem Foto kann man sich einer Gruppe oder Meinung anschließen, und vor allem kann man dadurch einfach einer mehr derer sein, die Hetzer mundtot machen wollen.

Als ich geboren wurde, war der Zweite Weltkrieg mitsamt seinen abscheulichen Gräueltaten keine 50 Jahre her. Ich möchte nicht zu einer Generation gehören, die zulässt, dass wieder der kalte Wind des Rechtspopulismus durch sie Straßen unseres schönen Landes, unserer schönen Welt weht und Menschlichkeit, Toleranz und Nächstenliebe mit sich reißt. Du etwa?


Queer

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