Ein Paar Schuhe kaufen, ein anderes an Bedürftige spenden: Das ist die Idee von Toms, der Schuhmarke des Amerikaners Blake Mycoskie. Die offizielle Version der Firmengeschichte geht so: Der Unternehmer und Reality-TV-Star machte im Jahr 2006 Urlaub in Argentinien und sah in einem Vorort von Buenos Aires Kinder, die keine Schuhe besaßen.

Zurück in den USA gründete Blake Mycoskie sein Unternehmen Toms – und versprach, für jedes verkaufte Paar Schuhe ein anderes zu spenden.

Die Idee kam an: Im ersten Jahr verkaufte er 10.000 Schuhe. Mittlerweile sind es Millionen, die luftigen Schuhe gibt es in vielen Geschäften weltweit. Als Blake Mycoskie vor vier Jahren die Hälfte seines Unternehmens verkaufte, wurde der Wert auf 625 Millionen Dollar geschätzt.

Doch an die Schuhspenden stehen in der Kritik: Armut werde dadurch zementiert, nicht abgebaut.

Das "One for one"-Prinzip

Schuhe kaufen, Schuhe schenken: "One for one" heißt dieses Prinzip. Im Falle von Toms: Wenn du hier ein Paar Schuhe kaufst, bekommt irgendwo auf der Welt ein Kind ebenfalls ein paar Schuhe geschenkt.

Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen seit 2006 mehr als 60 Millionen Paar Schuhe gespendet. Mittlerweile haben sie das "One for one"-Prinzip auch auf Brillen ausgeweitet und engagieren sich unter anderem in der Geburtenhilfe und beim Aufbereiten von Wasser. Vor Ort arbeitet das Unternehmen mit lokalen Hilfsorganisationen zusammen.

Inzwischen arbeiten auch andere Unternehmen so: Sie verkaufen unter anderem Seifen, Babykleidung oder sogar Hundefutter, um damit Gutes zu tun.

Was ist an Schuhspenden auszusetzen?

Wir haben Anton Pieper gefragt. Er arbeitet beim Südwind-Institut, das sich weltweit für wirtschaftliche, soziale und ökologische Gerechtigkeit einsetzt. Pieper schaut vor allem auf gerechte Produktionsbedingungen in der Schuh-Industrie. Er sagt: "Ungleichheit wird mit ein paar verschenkten Schuhen nicht aufgehoben."

Bei Toms geht es vor allem darum, dem Konsumenten ein gutes Gewissen zu machen – wirklich nachhaltig ist es aber nicht.
Anton Pieper, Südwind

Zwei Dinge fallen ihm bei Toms auf:

  1. Es gibt Schuhe – ohne das klar ist, ob die Kinder überhaupt welche brauchen.
  2. Und es gibt Schuhe – obwohl andere Hilfe möglicherweise besser wäre.

Unsere Vorstellungen von Dritte-Welt-Ländern seien oft von oben herab: Natürlich hätten auch Kinder in Botswana oder Ecuador Schuhe. Und wenn nicht, dann ist ihr Fehlen nicht die größte Sorge. Entsprechend sei es fraglich, ob die gespendeten Schuhe überhaupt getragen werden, sagt Pieper.

Er findet die Idee von Toms daher schwierig: "Kinder bekommen irgendeinen Schuh vorgesetzt, die Produktionsbedingungen bleiben unklar." 

Toms gibt keine Auskunft darüber, woher seine Baumwolle stammt. Oder wie die angeblich faire Herstellung in den Schuhfabriken in Argentinien, China, Äthiopien, Haiti, Indien und Kenia konkret überwacht wird. Es gebe zwar einen Code, dem Zulieferer zustimmen müssen.

Das Unternehmen verspricht, dass keine Kinder die Schuhe produzieren und dass angemessene Löhne gezahlt würden – ein unabhängiges Siegel für faire oder ökologische Produktion trägt die Marke jedoch nicht.

Pieper rät, lieber die Produktionsbedingungen in ärmeren Ländern zu verbessern, lokale Händler zu stärken, Arbeitsrechte durchzusetzen – anstatt fertig produzierte Schuhe zu importieren und zu verschenken.

Das ist die Grundsatzfrage der Entwicklungshilfe: Welche Form der Hilfe ist wirklich nachhaltig?
Anton Pieper, Südwind

Pieper sagt, dass das Unternehmen nicht grundsätzlich schlechte Arbeit leistet: "Über einen Schuhkauf zu helfen, ist immer noch besser, als gar nichts zu machen." Sein Ansatz für gerechtere Produktionen wäre jedoch, Gewerkschaften in den Fabriken aufzubauen – damit Arbeiter ihre Löhne aushandeln können und für ihre Rechte kämpfen können. 

So reagiert Toms auf die Kritik

  • Die Firma steht zu ihrem Geschäftsmodell – und verweist auf Dutzende lokale Partner, die die Schuh-Geschenke loben. (The World)
  • Gleichzeitig räumt Gründer Mycoskie aber auch ein, dass es falsch sei, nur mit Sachspenden zu helfen. Seit einigen Jahren würde Toms daher verstärkt mit lokalen Händlern zusammenarbeiten und versuchen, Jobs in den Zielländern zu schaffen. (Huffington Post)

Fazit: Du kannst Toms kaufen, wenn sie dir gefallen. Aber damit allein verbesserst du die Welt noch nicht.

Hier ärgert sich Comedian Adam über Toms:


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