"Tot sind die Tiere mehr wert als lebend"

Die Polizei in Tschechien hat offenbar einen weitreichenden Tierschmuggler-Ring ausgehoben. Wie "The Guardian" berichtet, wurden in Prag Überreste von getöteten Tigern und Löwen entdeckt. Der Fund zeige, wie grausam Kriminelle Tiere quälen und töten, um an ihnen zu verdienen, so eine Polizistin.

1 Was genau hat die Polizei gefunden?

Die Behörden fanden in einem Haus in Prag Einzelteile von verschiedenen Wildkatzen in einer nicht angeschlossenen Kühltruhe. Die Überreste waren bereits teilweise verwest. In einem Schuppen direkt neben dem Haus fanden die Fahnder zudem einen kürzlich erschossenen Tiger und einen Topf auf einer Gasflamme mit nicht identifizierbarem Fleisch und Knochen.

2 Was haben die Tierschmuggler mit den toten Tieren vor?

Der Zugriff sei das Ergebnis von Ermittlungen über fünf Jahre, an denen die Polizei, das Veterinärsamt und der Zoll beteiligt gewesen seien. Der organisierte Ring bestünde aus tschechischen und vietnamesischen Kriminellen, die geschützte Großkatzen illegal töten und weiterverarbeiten, um sie an die traditionell-chinesischen Medikamenten-Industrie zu verkaufen. 

3 Wie konnte sich ein solches Netzwerk in Europa aufbauen?

Eigentlich werden Transporte von Tigern in der EU sehr genau überwacht. Die tschechische Gesetzeslage geht sogar noch einen Schritt weiter. Dort muss jede Geburt, jeder Verkauf und jeder Tod eines Tigers genauestens protokolliert werden.

Doch dieses Gesetz wurde offenbar reihenweise gebrochen. Die Spur führte die Ermittler zu Tschechiens größtem Zuchtbetrieb für Raubkatzen, der die Tiere eigentlich an Zirkusse und Zoos verkauft. Doch es sei offensichtlich, dass der Betrieb Tiger und Löwen auch heimlich an einen vietnamesischen Händler verkauft habe, so die Behörden. Zusammen mit einem tschechischen "Jagd-Enthusiasten" habe dieser Händler begonnen, die Tiere zu töten, kochen und die Produkte nach Asien zu verkaufen

4 Warum verkauften die Kriminellen nicht einfach die lebenden Tiere nach Asien?

Zum einen, weil so der Transport deutlich einfacher ist. Lebende Tiere werden deutlich strenger kontrolliert. Zum anderen war es für die Kriminellen wesentlich lukrativer. 

In der traditionell-chinesische Medizin gilt Tiger- und Löwenbrühe als gut für die Knochen und soll Athritis heilen. Würfel für eine Brühe seien für 60 Euro pro Gramm verkauft worden. Die Felle seien auf dem Schwarzmarkt 2000 bis 4000 Euro wert, die Klauen der Raubkatzen pro Stück 100 Euro. "Tot sind die Tiere einfach mehr wert als lebend", erklärte Pavla Rihova, Leiter des tschechischen Veterinärsamtes.

5 Wie geht es jetzt weiter?

Tierschutzverbände wandten sich an die Europäische Union: "Wir rufen die Europäische Kommission dazu auf, die gefährdeten Tiger besser zu schützen und den kommerziellen Verkauf von Tigern zu verbieten", kommentierte Kieran Harkin von der Tierschutzorganisation "Vier Pfoten". 

Die EU muss härter durchgreifen
Kieran Harkin, Tierschutzorganisation "Vier Pfoten"

Die Erde habe bereits 90 Prozent ihrer Tiger verloren. "Tiger-Händler und ihre grausamen Machenschaften dürfen keinen Platz mehr in der EU haben", so Harkin weiter.


Gerechtigkeit

Deutschland braucht endlich ein neues Sex-Gesetz!

Man sollte meinen: Wenn jemand mit einer anderen Person Sex hat, obwohl diese das nicht möchte, dann ist das eine Straftat – egal, ob der Täter dabei auch noch Gewalt anwendet oder nicht; und egal, ob sich das Opfer in dem Moment dagegen wehren kann oder nicht. 

In den meisten europäischen Ländern ist das allerdings nicht der Fall, wie die Menschenrechtsorganisation Amnesty International gerade mal wieder gezeigt hat. Deren Fazit: Frauen werden in Europa nicht genug geschützt. Das stimmt. Und Deutschland sollte sich gar nicht erst damit rühmen, als eines der Positivbeispiele angeführt zu werden. 

Am "Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen" gab Amnesty International einen Bericht heraus, der zeigt: 

  1. Die grobe Definition von Vergewaltigung als "Sex ohne Zustimmung" gilt rechtlich nur in acht von 31 untersuchten europäischen Ländern
  2. In allen anderen Ländern ist es erst dann eine Vergewaltigung, wenn der Täter Gewalt anwendet oder diese androht und so das Opfer zum Sex zwingt. 

Wie heftig ist das bitte?

Denn Vergewaltigungen passieren nicht immer unter Einsatz von Gewalt. Wenn das Opfer betrunken ist, beispielsweise, oder wenn es zu viel Angst vor dem Täter hat, um sich zu widersetzen. Damit sind wir direkt beim nächsten wichtigen Punkt: Abwehr

Die acht Länder, die von Amnesty International positiv hervorgehoben werden, sind Deutschland, Irland, Großbritannien, Belgien, Zypern, Island, Luxemburg und Schweden. Ihre Gesetze zu Vergewaltigung werden als "zustimmungsbasiert" beschrieben. Nimmt man dies wörtlich, trifft es allerdings nur auf ein einziges Land zu.

In Schweden gilt seit diesem Sommer nicht mehr "Nein heißt Nein", sondern "Ja heißt Ja" – Sex ohne explizite Zustimmung ist Vergewaltigung.