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Eine Studie zeigt: Die Ermittler haben es nicht so mit Recht und Ordnung

Im "Tatort" muss es immer schnell gehen – jeder Fall muss schließlich in 90 Minuten abgeschlossen werden. Gar nicht so einfach. Da kann es schon mal zu unüblichen Methoden kommen.

Die Ermittler wollen für Recht und Ordnung sorgen – aber halten sie sich eigentlich selbst daran?

Diese Frage hat sich Tobias Gostomzyk gestellt. Der Professor unterrichtet Medienrecht an der TU Dortmund. Gemeinsam mit seinen Studenten – aus den Fächern Journalismus und Jura – startete Gostomzyk daher ein Forschungsprojekt. Sie wollten herausfinden, wie realistisch das im Tatort vermittelte Bild von Justiz und Recht ist. 

Sie untersuchten dafür 34 Tatort-Folgen aus den Jahren 2013 bis einschließlich 2015, analysierten Szenen und schlüsselten sie nach Rechtsbrüchen auf.

Das Ergebnis: In jeder Folge verstoßen die Kommissare im Schnitt zwei bis drei Mal gegen das Gesetz.

Insgesamt fanden Gostomzyk und 96 Rechtsverstöße.

Die Motive sind dabei meist eindeutig: 

  • Die Ermittler wollen schneller den Fall lösen.
  • Manchmal haben sie auch private Motive oder lassen sich von ihrem eigenen Gerechtigkeitsempfinden leiten.
Aber was machen die Ermittler falsch? Hier kommen die fünf häufigsten Gesetzesbrüche der Tatort-Kommissare:
1. Die Beschuldigten werden gar nicht oder unzureichend belehrt

Beispiel: In der Stuttgart-Folge "Der Inder" werden dem Verdächtigen Michael Günther Handschellen angelegt, weil er offenbar Farbbeutel auf einen anderen Mann geworfen hat. 

Kommissar Sebastian Bootz fragt ihn aus: Warum hat er das getan? Was macht ihn das so wütend? Dann lässt er ihn in Gewahrsam nehmen.

Was ist hier falsch gelaufen?

Bevor ein Verdächtiger befragt werden kann, muss er eigentlich über seine Rechte aufgeklärt werden. Statt einfach zu fragen, hätte der Kommissar folgende Schritte beachten müssen:

  • Er muss dem Verdächtigen sagen, welche Tat ihm vorgeworfen wird.
  • Er muss ihm mitteilen, dass er das Recht hat zu Schweigen und einen Anwalt hinzuziehen.
  • Er muss ihn darüber informieren, weshalb er verdächtigt wird.
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2. Die Kommissare drohen, täuschen und verletzen Verdächtige

Beispiel: In der Frankfurt-Folge "Das Haus am Ende der Straße" befragt Kommissar Erik Seidel einen angeketteten Mann und bricht ihm den Finger.

Was lief da schief?

Hier handelt es sich offensichtlich um Körperverletzung und damit eine verbotene Vernehmungsmethode. Darunter fällt neben Misshandlung auch:

  • jemanden zu ermüden,
  • einer Person Mittel zu verabreichen,
  • oder sie zu täuschen.

Verstoßen die Kommissare dagegen, dürfen sie die Beweise im Verfahren nicht mehr verwenden.

3. Häuser und Dokumente werden ohne Erlaubnis durchsucht

Beispiel: Im Franken-Tatort "Der Himmel ist ein Platz auf Erden" ermitteln die Kommissare in einem Labor, in dem das Opfer arbeitete. Sie durchsuchen dabei Schreibtische und Computer. Auf den Hinweis einer Mitarbeiterin, dass die Kommissare eine Extravollmacht dafür brauchten, zieht Voss einen beliebigen Brief aus der Tasche und täuscht so die Vollmacht vor.

Was hätten die Kommissare eigentlich machen müssen?

  • Sie hätten natürlich eine echte Vollmacht dafür einholen müssen. Durchsuchungen dürfen nur durch den Richter, bei Gefahr im Verzug auch durch die Staatsanwaltschaft und ihre Ermittlungspersonen angeordnet werden. Wer dagegen verstößt, darf auch hier die Beweise im Prozess nicht verwenden.
  • Besonders bei Durchsuchungen von oder bei unverdächtigen Personen müssen konkrete Gründe vorliegen, warum ausgerechnet hier die Beschuldigten, Beweise oder Spuren zu finden sind.
4. Die Ermittler begehen immer wieder Hausfriedensbruch

Beispiel: Im Kieler-Tatort "Borowski und der Himmel über Kiel" betritt Kommissar Klaus Borowski auf der Suche nach weiteren Hinweisen einen Bauernhof. Dabei entdeckt er ein Crystal-Meth-Labor. Ein Polizist beichtet Borowski daraufhin, dass er in das Crystal-Meth-Geschäft involviert ist und bedroht ihn mit einer Waffe.

Wo liegt der Fehler?

Auch hier gilt: Der Kommissar hätte gar nicht erst auf den Bauernhof gehen dürfen. Wenn er keine richterliche Erlaubnis hat, das Privatgrundstück zu betreten, muss ein Bewohner oder Besitzer ihn hineinbitten.

5. Kommissare sind Straßenraudis

Beispiel: Im Weimarer-Tatort "Der irre Iwan" rasen Kommissare Lessing und Dorn mit Absicht in eine Radarfalle. Sie wollen testen, ob der Verdächtige innerhalb von drei Minuten an einem bestimmten Ort hätte sein können.

Das ist natürlich trotzdem strafbar: Auch Kommissare müssen sich an die Verkehrsverordnung halten – sofern sie nicht gerade in eine Verfolgungsjagd involviert sind.

Die Forscher der TU Dortmund kommen übrigens zu der Erkenntnis:

Knapp jeder zweite Rechtsverstoß hilft den fiktiven Kommissaren dabei, ihren Fall zu lösen. 

Im echten Leben hingegen wären sie wohl eher vom Dienst suspendiert.

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Umweltschutz macht sich nicht mit einem Like allein
Warum Millennials in Sachen Nachhaltigkeit ziemlich scheinheilig sind.

Ich bin ein schlechter Mensch. Ich verreise wahnsinnig gern, am liebsten drei bis vier Mal im Jahr. Und fast immer muss ich dafür ins Flugzeug steigen – denn ferne Länder begeistern mich. 

Dass mit jeder Flugbuchung mein CO2-Fußabdruck leidet, ist mir bewusst. Im Flieger habe ich zwar eine Nachfüllflasche mit Wasser dabei. Aber wenn mich die Stewardess nach einem Kaffee fragt, sage ich trotzdem nicht nein. Und habe dann einen Plastikbecher vor mir. Nebst Plastikkännchen für die Milch und Plastiklöffel zum Umrühren.

Wir Millennials sorgen uns sehr um die Umwelt – und tun gleichzeitig doch so wenig für den Umweltschutz.