Bild: dpa/Kay Nietfeld
Und wir uns schon um 11 Uhr das erste Bier aufmachen können – obwohl es eigentlich um etwas ganz anderes geht.

Feiern gehen, entspannt ausschlafen oder gleich über das verlängerte Wochenende wegfahren: Am 1. Mai, dem "Tag der Arbeit", machen wir vieles, nur nicht arbeiten. Der 1. Mai ist in Deutschland und in ganz vielen anderen Ländern der Welt ein Feiertag, der der Arbeit gewidmet wird. Was dahinter steckt, erklären wir hier.

1.

Woher kommt der "Tag der Arbeit"?

Anders als die meisten gesetzlichen Feiertage hat der 1. Mai keinen religiösen Hintergrund, sondern einen politischen. 

  • Der Ursprung des Feiertags liegt im Jahr 1884.
  • Am 1. Mai 1884 fand in Nordamerika ein Generalstreik zur Durchsetzung der 8-Stunden-Woche statt.
  • Vorher waren Arbeitstage von bis zu 14 Stunden üblich.

Fünf Jahre später, 1889 trafen sich Menschen zu einem internationalen Arbeiterkongress. Hier wurde offiziell beschlossen, dass Arbeiter auf der ganzen Welt am 1. Mai 1890 streiken sollen. In den USA hatte sich der Maitag derweil schon als "Kampftag der Arbeiterschaft" eingebürgert. In Deutschland nahmen an diesem Streik im Jahr 1890 rund 100.000 Arbeiter teil und legten die Arbeit nieder.

2.

Wie ging es weiter?

1919, kurz nach dem Ende des ersten Weltkriegs, wurde in der Weimarer Republik offiziell der 8-Stunden-Tag eingeführt – und zusätzlich der 1. Mai zum Feiertag erklärt. Die Sozialdemokraten waren zu dem Zeitpunkt an der Macht – und setzten sich besonders für die Interessen der Arbeiter ein. 

Der 1. Mai war und ist also ein Feiertag zu Ehren der Arbeiterbewegung und zur Erinnerung daran, dass ein geregelter Arbeitstag mit acht Stunden nicht immer selbstverständlich war. Zur Zeit der Nationalsozialisten zwischen 1933 und 1945 änderte sich das jedoch wieder:

  • In dieser Zeit waren Gewerkschaften verboten, niemand vertrat die Interessen der Arbeiterinnen.
  • Frei war der 1. Mai weiterhin, jedoch wurde er "Feiertag der nationalen Arbeit" genannt.
  • Der Maifeiertag wurde für Paraden der NSDAP genutzt und hatte nichts mehr mit dem ursprünglichen Gedanken zu tun.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges blieb der 1. Mai Feiertag und wurde wieder in "Tag der Arbeit" umbenannt.

3.

Wie politisch ist er heute?

Am "Tag der Arbeit" demonstrieren immer noch viele Menschen in Deutschland für bessere Arbeitsverhältnisse. Der Deutscher Gewerkschaftsbund ruft dazu auf, für "Solidarität, Vielfalt und Gerechtigkeit" auf die Straße zu gehen (DGB), SPD, Grüne und Linke beteiligen sich ebenfalls an Demonstrationen.

  • Vor allem in Berlin sind viele Kundgebungen und Straßenfeste angemeldet. Manche davon sollen vor allem Spaß machen, wie das "Myfest" in Kreuzberg, bei anderen kann es zu Krawallen kommen, zum Beispiel bei der "Revolutionären 1.-Mai-Demo" in Berlin. (Die taz hat einen Überblick der Veranstaltungen)
  • Auch für Hamburg ist eine große "Revolutionäre-Demo" angekündigt, die Veranstalter hoffen auf etwa 3000 Besucherinnen und Besucherin. Nach dem G20-Gipfel und der Gewalt im Schanzenviertel könnte es in diesem Jahr allerdings eher friedlich zugehen. Die Polizei geht nicht davon aus, dass es zu Gewalt kommen wird. (NDR)

In früheren Jahren war es in beiden Städten am 1. Mai zu Krawallen und Ausschreitungen gekommen, Aktivisten der Antifa und Linksextreme hatten sich Straßenschlachten mit der Polizei geliefert. In den vergangenen Jahren ging die Gewaltbereitschaft zurück – und der Feiertag wurde mehr und mehr zur Folklore.


Musik

Neonazis demonstrieren in Chemnitz – und Kraftklub will ihnen die Show kaputt machen
"Vom guten alten Lkw aus."

Die rechtsextreme Partei "Der III. Weg" will am 1. Mai in Chemnitz auf die Straße gehen. Rund 1500 Neonazis aus ganz Deutschland werden zu der Demonstration erwartet. Der Deutsche Gewerkschaftsbund und mehr als 25 Parteien und Initiativen haben zu Gegenprotesten aufgerufen (Leipziger Volkszeitung) – dabei sind auch Kraftklub, die von einem Lkw aus Musik machen wollen.