Bild: dpa/Silas Stein

Ein syrischer Flüchtling als Bademeister in Tübingen: Nach der Aufregung um tatsächliche oder vermeintliche sexuelle Übergriffe in Schwimmbädern ist das eine kleine Sensation. Aiham Shalghin, 24, ist vor einem Jahr aus Damaskus geflüchtet, jetzt lebt er in Deutschland – und gilt bereits als Musterbeispiel für gelungene Integration.

Die Medien stürzten sich auf die Geschichte. Für viele ist er nun der Flüchtling, der andere Flüchtlinge von Dummheiten abhält. Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer feiert ihn, in einem Facebook-Post bezeichnet der Grünen-Politiker Aiham als "Präventionsmaßnahme gegen sexuelle Übergriffe" und lobt: "gute Arbeit Aiham!" Überschrieben ist der Post mit den Worten: "Araber im Freibad".

Hier ist der ganze Post:

Araber im Freibad Die Berichte von sexuellen Übergriffen in öffentlichen Bädern gehören sicher zu den...

Posted by Boris Palmer on Monday, August 1, 2016

Irgendwie unangenehm, Palmer fällt sonst eher mit Provokationen zum Thema Flüchtlinge auf, er will zum Beispiel mehr Flüchtlinge abweisen.

Was sagt der Bademeister selbst zu dem ganzen Rummel? Wir haben Aiham Shalghin angerufen.
Aiham, wie läufts im Tübinger Freibad?

Gut. Ab und zu kommt mal ein Flüchtling in Jeans statt in Badeklamotten. Oder ein paar Jungs rutschen gleichzeitig. Vor allem denen, die nur Arabisch sprechen, erkläre ich dann hin und wieder die Regeln. Mittlerweile klappt das aber schon ganz gut.

In der Slideshow: Bademeister Aiham bei der Arbeit
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Magst du deinen Job?

Ja, klar. Ich lebe seit einem Jahr in Deutschland. Zu Beginn war ich immer zu Hause und hatte nur Deutschunterricht, das war einfach nur langweilig. In Damaskus habe ich neben meinem Studium auch als Bademeister gearbeitet. Mir war klar, dass ich auch hier einen Job brauche. Um Geld zu verdienen, aber auch um mit Menschen zu reden und so mein Deutsch zu verbessern. Meine Arbeit hat mir sehr geholfen.

(Bild: Aiham Shalghin)
Geht es in Damaskus anders zu als hier?

Nein, nicht wirklich. Auch in Damaskus schwimmen Männer und Frauen gemeinsam. In einigen anderen syrischen Städten gibt es allerdings getrennte Schwimmbäder für Männer und Frauen, dort ist die Gesellschaft viel verklemmter als in Damaskus.

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer scheint dich ja vor allem als "Präventionsmaßnahme" gegen sexuelle Übergriffe durch Flüchtlinge zu betrachten. Hast du das mitbekommen?
Ich bin nicht der einzige Grund, warum es bei uns im Schwimmbad kaum Probleme gibt.

Ja, ich habe seinen Post gesehen und mich gefreut. Andererseits weiß ich nicht, warum jetzt alle über mich berichten. Ich bin nicht der einzige Grund, warum es bei uns im Schwimmbad kaum Probleme gibt. Ich kann ja auch nicht mit allen reden.

Ich kann verstehen, dass Deutsche wütend sind, falls einige Flüchtlinge tatsächlich etwas falsch gemacht haben. Die Übergriffe in Köln waren furchtbar. Aber nicht alle Flüchtlinge sind gleich. Es bringt nichts, sie über einen Kamm zu scheren.

Vielleicht machen die Berichte über mich ja anderen Flüchtlinge Mut. Wir müssen alle so schnell wie möglich Deutsch lernen. Ich fühlte mich zu Beginn hier sehr fremd, erst als ich ein bisschen Deutsch konnte, habe ich Anschluss gefunden.

(Bild: Aiham Shalgin)
Wie stellst du dir deine Zukunft vor?

In Damaskus habe ich fünf Jahre lang Jura studiert. Dann musste ich fliehen. In Deutschland würde ich gerne weiter zur Uni gehen und einen Master machen. Vielleicht kann ich ja nebenbei weiter als Bademeister arbeiten.



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