Bild: dpa/Samer Bouidani
"Wissen andere, dass wir überhaupt existieren?"

Die Ghuta war einmal "die grüne Lunge von Damaskus", so haben es die Leute von dort immer beschrieben. Ghuta, so wird eine riesige Oase im Süden und Osten der syrischen Hauptstadt Damaskus genannt.

Heute ist die Ghuta eine Hölle auf Erden – denn das syrische Regime überzieht die Region mit einer der blutigsten Angriffswellen seit Beginn des Krieges.

Ein Teil der Oase, die Ost-Ghuta, ist eines der letzten Rebellengebiete in Syrien. Das Regime von Baschar al-Assad hat seine Gegner im vergangenen Jahr stark zurückgedrängt, nur in Idlib im Norden und eben in Ost-Ghuta gibt es noch Widerstand. 

Was es dort aber auch gibt: unschuldige Zivilisten. Knapp 400.000 Menschen sind in Ost-Ghuta eingeschlossen. Das Regime hat die gesamte Region seit mehr als vier Jahren abgeriegelt, die Menschen darin leiden Hunger, bekommen keine Medizin.

Nun hat das syrische Regime bei Luftangriffen in nur zwei Tagen mehr als 250 Menschen getötet.

Seit 2013 soll es nicht mehr so viele Tote in so kurzer Zeit gegeben haben, berichtet die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Weitere 1200 Menschen seien verletzt worden, viele davon schwer. 

Die Syrische Beobachtungsstelle

Die Organisation steht der Opposition nahe, berichtet aber über Gräueltaten aller Seiten. 

Die Lage in Syrien erfasst die Beobachtungsstelle durch ein Netzwerk von Informanten vor Ort, die Zentrale sitzt aber in London.

So sah es einst in Ghuta aus:

Und diese Bilder zeigen das Elend in Ghuta heute:

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Der britische "Guardian" hat mit einem Arzt gesprochen, der in Ost-Ghuta arbeitet. Er sagt: 

Es ist kein Krieg. Es ist ein Massaker.

In den Augen des syrischen Regimes sind alle Menschen in Ost-Ghuta der Feind – die syrischen Medien bezeichnen sowohl echte Islamisten, als auch andere Rebellen und Zivilisten, die Assad nicht die Treue schwören, pauschal als "Terroristen".

Der Arzt fragt hingegen: "Was ist denn schlimmerer Terrorismus, als mit allen möglichen Waffen Zivilisten zu töten?"

Eine Frau, die im eingekesselten Gebiet als Krankenschwester arbeitet, sieht das ähnlich. Über mehrere Tage hinweg habe das Regime Bomben über ihrem Ort abgeworfen, sagt Bereen Hasoun (Global Voices). Hoffnung hat sie kaum noch. Sie sagt:

Sind wir noch am Leben? Wissen andere, dass wir überhaupt existieren?
Bereen Hasoun, Krankenschester in Ghuta
(Bild: Lokaler; bento)

Längst verurteilen andere Länder die Gewalt durch das Assad-Regime: 

  • Uno-Generalsekretär António Guterres zeigte sich "zutiefst beunruhigt". 
  • Steffen Seibert, Sprecher der Bundesregierung, sieht die Angriffe des Assad-Regimes als "Feldzug gegen die eigene Bevölkerung".

Allein: Die Eingeschlossenen in Ost-Ghuta rettet das nicht.


Gerechtigkeit

Dutzende Polizisten umstellen Gasthof – um ein prokurdisches Transparent abzuhängen
Angeblich geht es um die Verbreitung von Terrorbotschaften.

Drei Buchstaben reichen, um der Polizei Angst einzujagen. Es sind die gleichen drei Buchstaben, die im Auftrag des Westens in Syrien Islamisten jagen. Und die gleichen drei Buchstaben, hinter denen der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan Terroristen vermutet.

Es geht um die "YPG". 

Am Dienstag rückte die Polizei mit mehreren Dutzend Beamten und Bereitschaftspolizisten – nur um ein Transparent abzuhängen, auf dem "YPG" stand. Das Plakat hing öffentlich sichtbar am autonomen Gasthof Meuchefitz im Lüneburger Land. Darauf stand: "Türkische Truppen & Deutsche Waffen morden in Rojava! Es lebe die YPJ/YPG!"