Vor einem Jahr wurde die Stadt von syrischen Truppen zurückerobert.

Seit einem Jahr schweigen in Aleppo die Gewehre, die Bomben fallen nicht mehr. Am 22. Dezember 2016 hatte die Armee des syrischen Diktators Baschar al-Assad nach fast fünf Jahren Kampf die Stadt wieder komplett erobert. Islamisten, die Teile von Aleppo erobert hatten, wurden besiegt, Rebellen, die sich gegen Assad stellten, zwangsevakuiert (bento). 

Aleppo galt als am härtesten umkämpfter Ort in Syrien. Fast täglich gab es Berichte aus "der Hölle von Aleppo", wie der Kampf bald genannt wurde. Seit der Rückeroberung ist es um Syrien ruhig geworden. Obwohl sich das Land noch im Krieg befindet, gilt Assad bereits als Gewinner.

Zur Erinnerung – so war die Situation in Aleppo im Dezember 2016:
Von einst zwei Millionen Einwohnern sind viele geflohen oder umgekommen.
Der Osten war hart umkämpft, dort verschanzten sich die Rebellen. Fast täglich bombardieren daher syrische und die russische Flieger die Viertel.
Es gibt islamistische Milizen in Aleppo – aber auch Rebellen und Zivilisten, die ebenfalls pauschal als Terroristen bezeichnet werden.
Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle kamen in knapp sechs Jahren fast 21.500 Zivilisten ums Leben.
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Wie hat sich Aleppo in diesem einen Jahr entwickelt? 
Diese 3 Momentaufnahmen zeigen: Es gibt verschiedene Wahrheiten.

1.

Das Hochzeitspaar

Maher und Amira sind Freunde seit ihrer Kindheit. Als in Aleppo die Kämpfe losgingen, floh Amira in den Libanon – Maher harrte in der Stadt aus. Über WhatsApp blieben beide in Verbindung, "wir haben jeden Tag über unsere Gefühle geredet", sagt Maher heute der Caritas.

Als die syrische Armee ihre Heimat zurückeroberte, kam Amira zurück. Noch bevor sie da war, machte ihr Maher einen Heiratsantrag via WhatsApp – ihre Antwort kam nur eine Sekunde später. In Aleppo haben beide geheiratet, in Sneakern und zu "For Whom the Bell Tolls" von Metallica. 

Jetzt wollen sie sich eine gemeinsame Zukunft aufbauen. "Als der Konflikt beendet war, konntest du dir erstmals wieder Gedanken über die Zukunft machen", sagt Maher. Beide mussten lernen, dass sie nun Überlebende sind. Hier erzählen sie von ihrer Hochzeit im Video:

2.

Die Jubelsoldaten

Bereits am Donnerstag hat das syrische Regime eine Militärparade und eine große Feier im Zentrum der Stadt organisiert. In den syrischen Staatsmedien wird der 22. Dezember als "Befreiungstag" bezeichnet – offiziell gelten alle Rebellen als "Terroristen". 

Zur Parade kamen nach Angaben syrischer Medien Tausende Menschen, sie schwenkten Flaggen und Bilder von Assad. Der syrische Präsident selbst hat ein Foto der "Befreiungsfeier" auf seinem Instagram-Kanal geteilt.

"In Aleppo hat sich die Zeit in Geschichte gewandelt, die Menschen sind standhaft geblieben", schreibt Assad zum Bild. Andere Aufnahmen der Feier finden sich auf Instagram kaum. Auch sonst spiegelt sich der Alltag der Aleppiner nur selten in Social-Media-Kanälen wider. Facebook und YouTube werden in Syrien stark überwacht, vieles wird zensiert.

3.

Die Einäugigen

Etwa 35.000 Menschen mussten Aleppo Ende vergangenen Jahres verlassen. Viele leben heute in Idlib, einer kleinen Stadt südwestlich von Aleppo. Dort werden sie in Zonen eingekesselt, das syrische Regime hält sie für Verräter, weil sie Assad nicht als Präsident haben wollen.

Die Situation in den umkämpften Gebieten

Die Assad-Regierung hat alle Menschen, die nicht auf ihrer Seite stehen, in spezielle Zonen im Land umgesiedelt. Dort werden sie belagert, Hilfslieferungen und Lebensmittel kommen kaum an.

Der Uno-Berater für Syrien, Jan Egeland, schätzt, dass 2016 nur 10-20 Prozent der Hilfsgüter in die belagerten Gebiete kamen. Immer noch würden 14 Millionen in Syrien dringend Hilfe benötigen – und von der Regierung allein gelassen. (Uno)

Diese Zonen werden immer noch vom syrischen Regime und von der russischen Armee bombardiert. Rebellenverbände berichten regelmäßig von neuen Toten – und versuchen, mit Social-Media-Kampagnen auf sich aufmerksam zu machen.

Eine aktuelle Kampagne heißt #SolidarityWithKarim. Karim ist ein Baby aus einer belagerten Stadt nahe Damaskus. Bei einem Luftangriff soll es ein Auge verloren haben, sein Foto ging durch die Netzwerke. Um daran zu erinnern, dass durch Assads Bomben immer noch Unschuldige getroffen werden, halten sich Menschen auf Twitter und Instagram ein Auge zu, darunter auch Franck Ribery:

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Wie geht es weiter?

Syrien selbst hat nach eigenen Angaben bereits im Sommer umgerechnet knapp 100 Millionen Euro für den Wiederaufbau von Aleppo bereitgestellt (Syrian Observer). Ob die Summe tatsächlich so hoch ist, kann nicht unabhängig überprüft werden.

Was die syrische Regierung jedoch bereits in Gang gesetzt hat, ist ein großes Umsiedlungsprogramm für die zurückeroberten Gebiete. Viele Geflohene oder Vertriebene kommen nicht in ihre alten Häuser oder Stadtviertel zurück, stattdessen vergibt die Assad-Regierung Bauaufträge und Wohnungen an neue Familien. Sie erhofft sich so neue Investitionen, die den Wiederaufbau ankurbeln. (Hier erfährst du mehr zu der Städteplanung)

  • Was aber auch geschieht: Viertel, die von Regimekritikern bewohnt wurden, werden so Stück für Stück in Viertel von Regimelieblingen verwandelt. 


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