Bild: dpa/Mohammed Badra
Die Dschihadisten sind nur ein Teil des Problems

In einer Woche herrscht in Syrien Waffenruhe – nach beinahe fünf Jahren Bürgerkrieg. Das ist zumindest der Wunsch der internationalen Syrien-Kontaktgruppe (ISSG), die sich in der Nacht zum Freitag vor Beginn der Münchner Sicherheitskonferenz trafen. (SPIEGEL ONLINE)

Vier Gründe, warum das Vorhaben unrealistisch ist:
1. An der Verhandlung waren keine syrischen Vertreter beteiligt

Die ISSG besteht aus insgesamt 17 Staaten und vier Organisationen – keine davon stammt aus Syrien. Weder die syrische Regierung unter Präsident Baschar al-Assad war bei dem Treffen anwesend, noch Vertreter der Freien Syrischen Armee oder der politischen Opposition.

2. Der Waffenstillstand ist nicht absolut

Denn die Luftschläge gegen Dschihadistengruppen wie den "Islamischen Staat" (IS) oder die Al-Kaida nahestehende "Dschabhat an-Nusra" sollen weitergehen. Derzeit fliegen sowohl die USA im Zusammenschluss mit anderen Staaten Einsätze in Syrien als auch Russland, wobei Russland unabhängig von der US-geführten Koalition handelt. Die Bombardements der Russen zielen jedoch kaum auf den IS, sondern vor allem auf Gegner Assads und Zivilisten. Auch bei den Luftschlägen von US-Seite werden Zivilisten getroffen.

3. Der Zeitpunkt ist nur eine Fassade

Erst vor einer Woche waren (die bereits dritten) Uno-Friedensverhandlungen in Genf nach wenigen Tagen ergebnislos abgebrochen worden. Nun soll es plötzlich schnell gehen: Russland wollte einen Waffenstillstand bis März, die USA haben den Termin um eine Woche nach vorn geschoben. Das Termingeschacher dürfte also vor allem der Frage geschuldet sein, ob und wie schnell Russland und Assads Milizen Aleppo erobern.

4. Die Islamisten sind immer noch da

Selbst wenn sich die Rebellen und Assads Kräfte auf einen Waffenstillstand einigen sollten: Zwischen ihren Fronten operieren dschihadistische Gruppen, der IS kontrolliert sogar ganze Landstriche im Osten Syriens. Deren einzige Sprache ist rohe Gewalt.

Noch mal die Ziele der ISSG im Überblick:
  • Waffenstillstand binnen einer Woche, außer im Kampf gegen Islamisten
  • Hilfsgüter ins Land bringen, in umkämpften Gebieten via Luftabwurf
  • Umsetzung der Uno-Resolution 2254, die langfristige Friedensverhandlungen vorsieht
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