Bild: EPA/Yahya Arhab
Und es gibt eine Gruppe, die sich darüber freut.

Donald Trump hatte im Wahlkampf versprochen, das Chaos in Syrien zu beseitigen. Vor allem für die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hatte Trump konkrete Vorstellungen. Nämlich:

"Ich bombe die Scheiße aus ihnen raus. [...] Ich jage jeden Zentimeter in die Luft, bis nichts mehr übrig bleibt."
Donald Trump im Wahlkampf.

Genau dieses Versprechen scheint Trump nun einzulösen. Mit aller Härte – und mit schlimmen Folgen für die syrische Zivilbevölkerung.

Seit Anfang Januar sind bei US-Angriffen in Syrien mehr als 250 Zivilisten ums Leben gekommen.

Das geht auf Beobachtungen des Dienstes "Airwars" zurück, der zivile Opfer im Syrienkrieg zählt. Der Anstieg sei "beispiellos", sagen die Beobachter – und erstmals wurden auch mehr Zivilisten durch amerikanische als durch russische Luftschläge getötet.

Die Angriffe in der Übersicht:

Das folgende Bild zeigt alle von den USA angeführten Luftschläge in Irak und Syrien seit August 2014:
Und hier sind die zivilen Opfer dieser Angriffe – die bestätigten in Blau, die widerlegten in Gelb. Grün zeigt Fälle, in denen die Schuld noch umstritten ist:
1/12

Was die Bilder zeigen: Seit Donald Trump im Amt ist, kommen deutlich mehr Zivilisten ums Leben.

Wie engagierten sich die USA bislang in Syrien?
  • Seit Mitte 2014 hatte der ehemalige US-Präsident Barack Obama Luftangriffe auf Stellungen von Islamisten in Syrien und im Irak genehmigt. Die Angriffe passieren in Absprache mit mehreren europäischen und arabischen Staaten.
  • Gleichzeitig unterstützen die USA verbündete Rebellen mit Waffen und Militärberatung.
  • In Syrien wird aktuell die kurdisch-arabische Miliz SDF ("Syrische Demokratische Kräfte") unterstützt. Sie ist in den vergangenen Wochen auf die IS-Hochburg Rakka vorgerückt (Al-Jazeera).

Der syrische Bürgerkrieg

Der Bürgerkrieg in Syrien begann im März 2011 mit friedlichen Protesten gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad. Dieser schlug die Aufstände brutal nieder, Tausende wurden in Foltergefängnisse gesperrt. 

Die "Freie Syrische Armee" (FSA) rief zum bewaffneten Kampf gegen Assad auf. Im Chaos etablierten sich bald islamistische Milizen, darunter der "Islamische Staat" (IS), der große Teile Syriens eroberte. Von der FSA blieb fast nichts übrig.

Daraufhin flog ein internationales Bündnis der USA Luftschläge gegen den IS; Russland, der Iran und die libanesische Hisbollah-Miliz unterstützen Assads Armee. Menschenrechtler schätzen, dass bislang Hunderttausende Menschen ums Leben kamen. Knapp die Hälfte der Bevölkerung ist auf der Flucht. Mehr zu Syrien auf bento.

Seit Herbst 2015 fliegt Russland unabhängig von der US-Koalition ebenfalls Luftangriffe in Syrien. Allerdings nicht nur gegen Islamisten, sondern auch gegen Rebellen, die gegen die syrische Regierung kämpfen. Allein innerhalb eines Jahres kamen dabei fast 10.000 Zivilisten ums Leben (bento).

Wie viele zivile Tote haben die USA insgesamt zu verantworten?

Mittlerweile etwa 1000, in diesem Jahr starben fast so viele Zivilisten wie im gesamten Jahr 2014:

(Bild: Airwars )

Vor allem auf die IS-Hochburg Rakka wurden die Angriffe erhöht. Das sagen die Aktivisten von "Raqqa is Being Slaughtered Silently", die Kriegsverbrechen des IS dokumentieren:

Noch im vergangenen Juli hatte Obama ein Dekret unterzeichnet, das die Zahl der getöteten Zivilisten minimieren sollte. Darin stand: Die USA müsse Standards anwendeten, die über denen liegen, die das Völkerrecht vorschreibt.

Warum ist unter Trump nun die Opferzahl so stark angestiegen?

Trump hatte Ende Januar ein Dekret unterzeichnet, das das US-Militär unter Druck setzt. Binnen 30 Tagen sollten sie eine Lösung für den Krieg gegen den IS erarbeiten. Seither scheint die Luftwaffe loszubomben.

Einige ranghohe Militärs berichteten der "New York Times", dass das Militär unter Trump nun größere Freiheiten habe. Sprich: Vor Luftangriffen werden die Ziele nicht mehr so genau geprüft. Häufiger kommt es zu Verwechslungen. Mitte März starben zum Beispiel 42 Personen bei einem Angriff auf eine Moschee, obwohl die USA eigentlich ein Gebäude nebenan treffen wollten:

Ehemalige US-Regierungsbeamte haben bereits einen offenen Brief an den Verteidigungsminister geschrieben, um gegen die Hau-Ruck-Aktionen zu protestieren.

Wie reagiert der IS auf Trumps Strategie?

Sie nutzen die zivilen Opfer für ihre Zwecke. Im Netz kursieren Fotos der Leichen, daneben stehen Sätze wie "So befreit Trump die Stadt Mossul – indem er ihre Bürger tötet." Die Terroristen wollen sich so als die einzigen Beschützer der Menschen vor Ort darstellen.

Das ist besonders perfide: Eine Strategie des IS ist es nämlich, Zivilisten an wichtigen Orten zu versammeln – und sie so als lebende Schutzschilde gegen die Luftangriffe zu benutzen.

Mehr zum Drohnenkrieg der USA:


Grün

Gute Nachrichten: Seekühe sind nicht mehr vom Aussterben bedroht

Seekühe können auftauchen aufatmen: Sie wurden nun von der Liste der gefährdeten Tierarten genommen. Besonders in Gefahr war das Karabik-Manati, eine Art, die im Golf von Mexiko und der südamerikanischen Atlantikküste verbreitet ist.

Behörden und internationale Verbände hatten sich für die Tiere eingesetzt, Zuchtprogramme gestartet und ihre Lebensräume durch besondere Auflagen geschützt. Mit Erfolg: Im Lebensraum rund um den US-Bundesstaat Florida lebten beispielsweise nur noch einige Hundert der schwebenden Riesen, inzwischen sind es über 6.000 (FWS).