Bild: dpa/Syrische Kinderzeichnungen; Montage: bento
Das Land soll endlich eine Waffenruhe bekommen.

Die USA und Russland haben sich auf eine Waffenruhe in Syrien geeinigt – wieder einmal. Dieses Mal soll sie aber Wirklichkeit werden. Daran arbeiten der US-Außenminister John Kerry und sein russischer Partner Sergej Lawrow. Beide wollen nun eine politische Lösung für den Syrienkrieg erreichen, gaben sie am frühen Samstag in Genf nach mehr als zwölfstündigen Verhandlungen bekannt (Die gemeinsame Erklärung beim US-Außenministerium).

Sollte der Deal funktionieren, wäre das ein Wendepunkt in dem seit mehr als fünf Jahren andauernden Bürgerkrieg. Es könnte das Leid von Millionen von Menschen verringern. Dem Willen müssten aber Taten folgen. Russland wie die USA haben dabei je ganz unterschiedliche Hausaufgaben zu erledigen.

Wie ist die Lage in Syrien?

Der Krieg begann als Bürgeraufstand im März 2011. Die syrische Regierung schlug die Demonstrationen nieder – daraufhin bewaffneten sich viele Bürger. Die Rebellen wurden bald von islamistischen Milizen unterwandert, die syrische Armee erhielt Unterstützung von Söldnertruppen aus dem Libanon und dem Iran.

Mittlerweile ist Syrien vom Bürgerkrieg zu einem internationalen Konflikt mit Dutzenden Ländern geworden:

Worauf haben sich Russland und die USA jetzt genau geeinigt?
  1. Eine Feuerpause: Sie soll am kommenden Montag zum Sonnenuntergang beginnen.
  2. Neue Friedensgespräche zwischen den syrischen Parteien.
  3. Endlich Hilfslieferungen. Die UN soll Medizin und Lebensmittel in die umkämpften Gebiete liefern.
  4. Auf einen gemeinsamen Kampf gegen den IS. Russland und die USA wollen nun kooperieren.

Beide Seiten hätten nun "ihre Verpflichtungen" zu erfüllen, sagte Kerry bei der Vorstellung der Pläne (BBC).

Welche Hausaufgaben hat nun Russland?

Moskau unterstützt die syrische Regierung rund um Präsident Baschar al-Assad. Seit knapp einem Jahr fliegt die russische Luftwaffe selbst Angriffe in Syrien. Offiziell bombardieren beide Seiten Stellungen der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) und der Al-Qaida nahestehenden Dschabhat Fatah asch-Scham ("Front zur Eroberung Syriens") – tatsächlich fliegen sie auch Angriffe auf andere Rebellen und von Zivilisten bewohnte Gebiete. (bento, Gurdian)

Mit dem neuen Vertrag soll das ein Ende haben: Russland muss nun Assad überzeugen, tatsächlich nirgends Angriffe zu fliegen, wo sich die Opposition aufhält. Kerry sagt: "Dieser Schritt ist absolut essenziell. Er ist eine Basis dieser Vereinbarung." Vor allem Menschen im eingekesselten Aleppo würde dieser Schritt enorm helfen.

Eine zweite Aufgabe ist die Bildung eines gemeinsamen Operationszentrums, das sieben Tage nach Beginn der Waffenruhe aufgebaut werden soll. Bisher fliegen die USA und Russland ihre Luftschläge ohne Absprache. Nun wollen sie Angriffe gegen IS und die Dschabhat koordinieren – und "die Terroristen von der moderaten Opposition unterscheiden". Für Russland bedeutet das, auf militärische Alleingänge zu verzichten.

Und welche Hausaufgaben haben die USA?

Gerade in Aleppo verlassen sich mittlerweile viele Bürger auf die Hilfe islamistischer Milizen – vor allem der Dschabhat. Gemäßigte Rebellen gibt es nur noch wenige, vielen fehlt die Kraft zum Widerstand. Den USA muss es gelingen, die syrische Opposition von den Extremisten zu lösen.

Nur so können auf der einen Seite die Islamisten bekämpft werden und auf der anderen Seite die Rebellen an den Verhandlungstisch mit der syrischen Regierung geholt werden. Denn die hat bisher pauschal die gesamte Opposition zu "Terroristen" erklärt.

Auch zwei andere Partner müssen die USA beruhigen: Die Türkei und die Kurden. Seit zwei Wochen engagiert sich das türkische Militär in Nordsyrien – offiziell im Kampf gegen den IS. Viele Gebiete im Norden sind aber bereits von den kurdischen Milizen erobert, die die Türkei als Terrorgruppe bezeichnet. Die USA muss beide Partner einspannen, um einen neuen Konflikt in Nordsyrien zu verhindern.

So leidet die Bevölkerung – Fakten zum Syrienkrieg im News-Slider:
Der Syrienkrieg begann im März 2011 – nach wenigen Wochen friedlichen Protests.
Knapp eine halbe Millionen Menschen sind ums Leben gekommen – jeder zehnte Syrer.
Nachweislich wurden Giftgas und geächtete Splitterbomben eingesetzt.
Die durchschnittliche Lebenserwartung ist von 70,5 Jahre auf 55,4 Jahre gesunken.
Die Hälfte der Bevölkerung ist auf der Flucht. Mehr als sechs Millionen davon im eigenen Land.
Drei Millionen Menschen haben Syrien verlassen, die meisten leben in Flüchtlingslagern in den Nachbarländern.
85 Prozent der Menschen in Syrien lebten 2015 in Armut. Zwei Drittel aller Syrer haben ihre Jobs verloren.
Jeder Fünfte verdient sein Geld nun mit dem Krieg: als Kämpfer, Kidnapper, Plünderer oder Schleuser.
Die Hälfte der Kinder im schulpflichtigen Alter geht nicht mehr zur Schule.
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Die Fakten im Slider wurden entstammen der Analyse des Syrian Center for Policy Research. Die Vereinten Nationen unterstützten die Recherchen. Hier mehr bei bento.

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