Bild: EPA/Zouhir Al-Shimale

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat elf Luftschläge untersucht, die die USA in Syrien in den vergangenen Jahren koordiniert haben.

Amnesty sagt: Dabei sind mindestens 300 Unschuldige getötet worden.
Die USA bestätigten davon bislang: Einen.

Das geht aus einem neuen Bericht der Menschenrechtsorganisation hervor. Die Schlussfolgerung von Amnesty: Die USA tun zu wenig, um Zivilisten bei Angriffe zu schützen. Und erst recht zu wenig, um Fälle aufzuklären, bei denen Unschuldige ums Leben kamen.

Das sind die im Bericht genannten Orte:
Was hat es noch mal mit dem Syrienkrieg auf sich?
Der Syrienkrieg begann im März 2011 – nach wenigen Wochen friedlichen Protests.
Knapp eine halbe Millionen Menschen sind ums Leben gekommen – jeder zehnte Syrer.
Nachweislich wurden Giftgas und geächtete Splitterbomben eingesetzt.
Die durchschnittliche Lebenserwartung ist von 70,5 Jahre auf 55,4 Jahre gesunken.
Die Hälfte der Bevölkerung ist auf der Flucht. Mehr als sechs Millionen davon im eigenen Land.
Drei Millionen Menschen haben Syrien verlassen, die meisten leben in Flüchtlingslagern in den Nachbarländern.
85 Prozent der Menschen in Syrien lebten 2015 in Armut. Zwei Drittel aller Syrer haben ihre Jobs verloren.
Jeder Fünfte verdient sein Geld nun mit dem Krieg: als Kämpfer, Kidnapper, Plünderer oder Schleuser.
Die Hälfte der Kinder im schulpflichtigen Alter geht nicht mehr zur Schule.
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Welche Rolle spielen die USA in diesem Krieg?

Seit Ende September 2014 – also etwas mehr als zwei Jahre – fliegt eine von den USA geführte internationale Koalition Luftschläge in Syrien. Das Ziel ist, die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) zu verdrängen. Die Dschihadisten haben sich im Chaos des syrischen Bürgerkrieges ausgebreitet und große Teile des Landes erobert.

An der Anti-IS-Koalition beteiligen sich mehrere arabische Nachbarstaaten, aber unter anderem auch Frankreich, Großbritannien und Deutschland (SPIEGEL ONLINE). Geheimdienste versuchen, Stellungen des IS zu definieren – mit Drohnen oder Kampfjets werden diese dann aus der Luft bombardiert. Deutschland hilft mit Aufklärungsflugzeugen, die Ziele zu finden.

Was wirft Amnesty den USA nun vor?

“Wir glauben, dass die US-geführte Koalition den Schaden, den sie Zivilisten in Syrien zufügt, sehr stark unterschätzt", sagt Lynn Maalouf, die Leiterin der Amnesty-Untersuchung. Allein bei einem Angriff auf die nordsyrische Stadt Manbidsch sollen diesen Juli 73 Unschuldige ums Leben gekommen sein, die meisten waren laut des "Guardians" Frauen und Kinder.

Insgesamt könnten bis zu 300 Zivilisten bei US-geführten Luftschlägen getötet worden sein. Das Militär würde die Vorfälle nur schleppend aufklären. Amnesty stützt sich in seinem Bericht auf die Beobachtungen von lokalen Menschenrechtsgruppen, Medienberichten sowie eigene Augenzeugenberichte. Mit der Zahl 300 bleibt die Organisation dabei sehr vorsichtig.

Andere Menschenrechtler gehen von bis zu 1000 Opfern aus.

Andere Gruppen gehen von deutlich mehr Opfern aus: Die "Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte" listet in einer Zwei-Jahres-Bilanz der US-Luftschläge knapp 6300 Tote auf. Fast alle davon seien islamistische Kämpfer, aber in 642 Fällen handele es sich um Unschuldige. Jedes zehnte Opfer wäre somit ein Zivilist. Andere Gruppen sprechen gar von bis zu 1000 Opfern.

Wieso sterben so viele Unschuldige?

Islamistische Gruppen nutzen oft Wohnhäuser in unmittelbarer Nachbarschaft zu unbeteiligten Bürgern. Wird ein Angriff nicht zielgenau platziert, werden Unschuldige verletzt oder getötet. Beim Militär spricht man dann nüchtern von "Kollateralschaden".

Hier zum Beispiel wurden Häuser nahe Aleppo bombardiert. Im rot gefärbten soll sich eine Waffenfabrik von Extremisten befunden haben. Ebenfalls zerstört wurden die beiden grünen Häuser, acht Menschen starben:

Wie reagieren die USA?

Zu den aktuellen Anschuldigungen hat sich das Militärkommando noch nicht geäußert. Grundsätzlich heißt es aus dem Pentagon bei Berichten über zivilen Opfern, Unschuldige "könnten" bei Luftschlägen umgekommen sein – die Fälle werden dann untersucht. Die Untersuchungen dauern oft mehrere Monate.

Für Syrien listet das US-Zentralkommando unter anderem in drei einzelnen Berichten (hier, hier und hier) insgesamt zwölf getötete Zivilisten auf. In zwei der Stellungnahmen heißt es jedoch, der Tod sei "wahrscheinlich" – nur in einem werden die "unglücklichen Resultate" bestätigt. Insgesamt bestätigt das US-Militär bislang 19 getötete Unschuldige ("The Guardian").

Nicht nur die USA bombardieren Syrien. Auch Russland fliegt Luftschläge – im vergangenen Jahr sind dabei knapp 10.000 Menschen ums Leben gekommen. Darunter waren 3800 Zivilisten:​

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