Bild: Syria Tourism Ministry
Wir haben mal angerufen.

Im Holiday Beach Resort in Syrien scheint die Welt noch in Ordnung. Jetzt, zum Ramadan, gibt es abends Mandelhühnchen und Waffeln im Festtagsmenü für umgerechnet 24 Euro. Das "VIP Cinema" bietet Live-Übertragungen der Fußball-EM in Frankreich an. Und wenn zum Ende der Fastentage DJ Joe wieder auflegt, wird's so toll wie im vergangenen Jahr:

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Posted by Holiday Beach Syria on Sonntag, 27. September 2015

Das Holiday Beach Resort gehört zu den größten Hotels in Tartus, dem syrischen Ferienort an der Mittelmeerküste. Tartus und das nördliche Latakia sind das, was Antalya für die Türkei und Palma für Mallorca ist: Urlaubshochburgen mit All-in-Hotels und Sandstrand. Mit einem Unterschied: Rund um Tartus tobt seit fünf Jahren ein schrecklicher Bürgerkrieg. Und die Welt ist dort alles andere als in Ordnung:

Im Land kämpfen Truppen des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad gegen verschiedene rebellische Milizen, darunter auch islamistische Terrorgruppen. Die größte, der "Islamische Staat" (IS), hat weite Teile des Landes unter seine Kontrolle gebracht. Nur langsam wird er wieder zurückgedrängt. Vor allem im Norden des Landes erobern sich auch kurdische Truppen Gebiete.

Alle Seiten streuen im Netz Bilder aus dem Krieg: Der IS schockiert mit Gräueltaten, die Kurden stilisieren sich als Freiheitskämpfer und Assad gibt sich als demokratisch gewählter Staatsmann. Er hat großes Interesse daran, den Bürgerkrieg als Kampf gegen "Terroristen" anstatt gegen die Zivilbevölkerung darzustellen. Staatsmedien berichten daher auch immer wieder von der Normalität in einigen Teilen des Landes. Erst vor kurzem hat die staatliche Nachrichtenagentur Sana ein neues Projekt vorgestellt, das schon bald Touristen anlocken soll:

Arwad Island liegt vor der Mittelmeerstadt Tartus, auf der Insel gibt es alte Ruinen und laut syrischem Regime soll dort nun ein neuer Naherholungstraum entstehen (al-bawaba.com). Luxushotels, Clubs und ein Yachthafen sollen entstehen. Syrische Jugendliche kommen angeblich schon jetzt zu Wochenendtrips vorbei:

Tatsächlich dürften die Investmentpläne für Tartus und Arwad Island syrische Propaganda sein. Die Stadt ist vor allem als letzter russischer Marinestützpunkt im Mittelmeer bekannt, Gäste dürften Anhänger des Assad-Regimes sein. Bereits im vergangenen Sommer sollten Urlauber unter dem Hashtag #SummerInSyria ihre schönsten Ferienerlebnisse teilen.

Unter Assad-Anhängern sah das so aus:
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Und die Staatsagentur bewarb die DJs für den Sommer:
Gegner des Assad-Regimes kaperten jedoch den Hashtag:
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Wer hören will, wie es in dem Badeort zugeht, kann einfach mal in Syrien anrufen.

Im Holiday Beach Resort zum Beispiel. Das Hotel steht am Strand von Tartus, Assads künftiger Tourismusmagnet Arwad Island liegt ein paar Kilometer südlich. Die Telefonleitung knarzt ein bisschen, mehrmals bricht sie ab. Irgendwann meldet sich Fuad, er stellt sich als Manager der Rezeption vor.

Sein Hotel habe 54 Doppelzimmer, "aber die Mehrheit ist derzeit nicht belegt". Fuad nennt dafür zwei Gründe. Erstens ist Ramadan, der gilt zwar in islamischen Ländern als Hauptreisezeit, aber die Syrer würden "lieber unter sich bleiben". Und das mag an am zweiten Grund liegen:

„"Wir haben derzeit ein kleines Problem mit Terroristen."“

Wenn Fuad vom Terrorproblem spricht, dann bedient er sich der durch das Assad-Regime vorgegeben Sprache: Alle Gegner sind "Terroristen", egal ob sie für den islamistischen IS kämpfen oder Zivilisten sind, die das Pech haben, in Rebellengebieten zu leben.

Tartus aber sei von Kämpfen verschont: "Hier ist es so, wie es noch vor dem Krieg war", sagt Fuad, die verschiedenen Ethnien und Religionen des Landes würden hier friedlich beieinander leben. "Deswegen kommen auch Syrer aus dem ganzen Land gerne zur Erholung hierher." Zur Erholung vom Krieg? Eine Woche Strandurlaub, dann wieder Front? Fuad rudert zurück: Es würden dann doch vor allem Besucher aus Damaskus kommen. Die Hauptstadt ist noch zu großen Teilen in Händen des Regimes, ebenso wie die Straßen hoch zur die Mittelmeerküste.

Das rote Gebiet gehört zum Assad-Regime:
Kommen auch Ausländer nach Syrien?

Wenige, sagt Fuad. Vor zwei Monaten seien ein paar Amerikaner zu Besuch im Hotel gewesen, sonst kämen vor allem Russen und Chinesen. Auf TripAdvisor schwärmte zuletzt im März ein irischer Besucher von den engen Gassen auf der Insel Arwad.

Also bringen die neuen Hotel-Pläne für Arwad Island – die Insel liegt nur wenige Bootsminuten von der Küste entfernt – tatsächlich was? "Welche Pläne", fragt Fuad, "da wird nichts gebaut."

So viel zur Wirklichkeit im syrischen Ferienparadies.

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