Bild: Twitter/Jenan Moussa

Im Sommer 2013 machten sich Kämpfer des sogenannten "Islamischen Staates" in der nordsyrischen Stadt Manbidsch breit. Der Syrische Bürgerkrieg war da bereits zwei Jahre alt, Rebellen hatten die Stadt von Regierungstruppen übernommen ("Washington Post"). Nun kamen also die IS-Dschihadisten – und mit ihnen der Terror.

Dort, wo die IS-Kämpfer auftauchen, ermorden sie Gegner und pfählen sie auf zentralen Marktplätzen, Frauen müssen sich komplett verhüllen, Alkohol und Zigaretten werden verboten. Das öffentliche Leben, Freiheiten, jede Form von Kritik an den neuen Herrschern, versiegte in Manbidsch (SPIEGEL ONLINE I). Nun wird die Stadt zurückerobert und der IS verdrängt.

Und die Bewohner von Manbidsch so:
Frauen reißen sich die im IS vorgeschriebenen Schleier vom Kopf:
In der Öffentlichkeit zu rauchen, ist jetzt auch wieder okay:
Was genau ist in Manbidsch passiert?

Die Stadt liegt im Norden von Syrien nahe der südtürkischen Grenze und ziemlich genau zwischen Aleppo und Rakka. Das macht sie sehr wichtig:

  • Aleppo ist die größte Handelsmetropole in Syrien und im Bürgerkrieg hart umkämpft. Die Dschihadisten des IS kontrollieren einige Gebiete nahe Aleppo und entlang der türkischen Grenze.
  • Rakka in Ostsyrien gehörte zu den ersten von den Dschihadisten eroberten Städten und gilt als inoffizielle Hauptstadt des "Islamischen Staates".

Über Manbidsch konnte sich der IS weitgehend ungestört zwischen Aleppo und Rakka bewegen – und nach Meinung von Experten Waffen über die türkische Grenze schmuggeln (SPIEGEL ONLINE II).

Vor einer Woche aber kam Bewegung in die Frontverläufe der Region: Truppen des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad rückten gen Rakka vor, Kämpfer der sogenannten "Syrischen Demokratischen Kräfte" (SDF) befreiten bei Manbidsch Dutzende Dörfer. Die Route des IS wurde gekappt. Die SDF sind ein neues Bündnis kurdischer und syrischer Kämpfer, die USA unterstützen sie mit Luftschlägen.

Mittlerweile ist Manbidsch umzingelt:
Und wird von den Kurden weiter unter Beschuss genommen:

Unabhängig überprüfen lassen sich die Aufnahmen nicht. Fast das gesamte Material, das von den Kriegsfronten geschickt wird, stammt entweder aus den Kameras der IS-Kämpfer oder der kurdischen Truppen – und jede Seite hat ein Interesse daran, die eigene Geschichte zu verbreiten. Unabhängige Journalisten können sich im syrischen Bürgerkrieg kaum noch bewegen.

Aktivisten wie die "Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte" und "Raqqa is being slaughtered silently" berichten allerdings übereinstimmend von den Kampfhandlungen.

Was bedeuten die Kämpfe für den Syrischen Bürgerkrieg?

Ein schnelles Ende des Krieges bringt der Kampf um Manbidsch noch nicht. Allerdings geschieht an den Fronten so viel wie seit langem nicht mehr. Die Kämpfe hatten sich auf Aleppo konzentriert, während die internationale Gemeinschaft einen (wenig erfolgreichen) Waffenstillstand anstrebte.

Nun wird der IS in Syrien erstmals ernsthaft in Bedrängnis gebracht: Die Belagerung von Manbidsch kostet die Dschihadisten Ressourcen, die bereits eroberten Schnellstraßen zerstückeln das IS-Gebiet und beschränken deren Bewegungsfreiheit. Auch im benachbarten Irak wird der IS zurückgedrängt (SPIEGEL ONLINE III).

Also ein positives Signal?

Ja und Nein. Dort wo der IS verdrängt wird, kämpfen neue Kriegsparteien um die Herrschaft. Die Kurden wollen in Nordsyrien einen eigenen Staat errichten, genannt "Rojava". Präsident Assad will sein komplettes Land zurückerobern. Assad wird derzeit von Russland unterstützt, die Kurden von den USA. Beide Seiten kämpfen gemeinsam gegen den IS – könnten aber schon bald zu Gegnern werden.

Wie schwierig die Lage in Syrien ist, zeigt sich aktuell in einer anderen Stadt: im südsyrischen Daraja. Daraja und andere Orte werden seit Jahren von Assad-Truppen belagert, die Einwohner sind von Lebensmitteln und Medikamenten weitgehend abgeschnitten. Die syrische Armee vermutet Rebellen in den Ortschaften und bedroht daher auch die Zivilbevölkerung. Kinder hungerten zu Tode.

Am Donnerstag durften nun Hilfswerke der Vereinten Nationen erstmals nach vier Jahren wieder Essen nach Daraja liefern – mit Erlaubnis des Assad-Regimes (Syria Deeply).

Die Freude währte nur kurz. Einen Tag später warfen Hubschrauber nach Angaben von Einwohnern und arabischen Medien knapp 70 Fassbomben über der Stadt ab (Al-Arabija).

Fassbomben gelten als besonders heimtückische Waffe: Die mit Sprengstoff, Nägeln und Metallteilen gefüllten Fässer zersplittern beim Aufprall in tausend Stücke. Kaum ein Mensch in der Nähe kann sich vor den Geschossen in Sicherheit bringen.

Lass uns Freunde werden!


Gerechtigkeit

Gina-Lisa Lohfink im Interview: "Muss ich erst umgebracht werden?"

Es ist Samstag, der 2. Juni 2012, ein Club in Berlin. Der Abend bricht an, und Gina-Lisa Lohfink will Spaß haben, feiern, trinken, flirten. Das TV-Sternchen von "Germany's Next Topmodel" hat im Tross zwei junge Männer: Pardis F. und Sebastian C.

Mit Pardis F. hat Lohfink am Abend zuvor geschlafen, kurz nachdem man sich kennenlernte. Nun fließt reichlich Alkohol, Champagner, Wodka-Redbull, das gibt Lohfink später zu Protokoll.

Irgendwann, sagt die 29-Jährige heute, setzen ihre Erinnerungen aus. Filmriss. Was bleibt von den folgenden Stunden, sind mehrere Videos. Die beiden Männer drehen sie mit dem Handy und veröffentlichen einige rasch im Internet. Zu sehen sind alle drei beim Sex. Lohfink wirkt dabei phasenweise teilnahmslos und apathisch. Mehrfach sagt sie: "Hör auf" und "Nein, Nein, Nein".