"Das Volk will den Sturz des Regimes"

Alles begann harmlos: Am 15. März 2011 sprühten Mouawiya Syasneh und seine Kumpel den Satz "Ash-Shab yurid isqat an-Nizam" an eine Hauswand im südsyrischen Daraa. Der Satz war der Slogan des Arabischen Frühlings:

"Das Volk will den Sturz des Regimes"

Mouawiya war damals 14 Jahre alt, die Aktion nicht mehr als ein Dummer-Jungen-Streich. Syriens Präsident Baschar al-Assad ließ ihn und seine Freunde verhaften und wochenlang foltern.

Heute sagen viele, mit dieser Reaktion begann der Syrienkrieg. Während in Libyen und Ägypten im Zuge des Arabischen Frühlings Dikatoren gestürzt wurden, blieb Syrien relativ friedlich. Die Menschen demonstrierten für mehr Rechte, waren aber mit dem System insgesamt zufrieden.

"Sie haben die Dusche aufgedreht und als wir nass waren, haben sie uns Elektroschocks verpasst. Sie haben uns an den Armen aufgehängt, der Schmerz in den Schultern war nicht auszuhalten."
Mouawiya über seine Foltererlebnisse

Dann diese Graffiti und die harte Reaktion des syrischen Regimes. Die Eltern von Mouawiya gingen mit anderen Familien auf die Straße – sie wollten ihre Kinder wiederhaben. Assad schickte Soldaten und ließ die Demonstranten niederschießen: Die friedlichen Aufstände wuchsen sich zu einem Krieg aus.

Aus Demonstranten wurden Rebellen, aus Rebellen wurden vielerorts Islamisten. Auf der anderen Seite verwandelte sich die syrische Armee bald in eine zersplitterte Bande von Warlords, Söldnern und Schlägern. Ausländische Kräfte, darunter Russland und die USA, mischten in dem Krieg mit.

Auf Twitter erinnert der Hashtag #syria6years an den Beginn der Aufstände. Vergangenes Jahr hatte es bereits einen Vorgänger-Hashtag gegeben (bento).

Die Lage ist seitdem noch schlimmer geworden – das sind die Fakten:
Der Syrienkrieg begann im März 2011 – nach wenigen Wochen friedlichen Protests.
Knapp eine halbe Millionen Menschen sind ums Leben gekommen – jeder zehnte Syrer.
Nachweislich wurden Giftgas und geächtete Splitterbomben eingesetzt.
Die Hälfte der Bevölkerung ist laut der Uno auf der Flucht. Mehr als sechs Millionen davon im eigenen Land, etwa fünf Millionen haben Syrien verlassen.
Die Lage wird zudem immer schlimmer: 2016 sind zehn Mal mehr Menschen geflohen als noch 2012.
13,5 Millionen Syrer leben in Armut und brauchen dringend Lebensmittel und Medizin.
Besonders schlimm trifft es knapp 5 Millionen Syrer – sie sind in umkämpften und abgelegenen Gebieten eingeschlossen.
Jeder Fünfte verdient sein Geld nun mit dem Krieg: als Kämpfer, Kidnapper, Plünderer oder Schleuser.
Die Hälfte der Kinder im schulpflichtigen Alter geht nicht mehr zur Schule.
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In der Öffentlichkeit spielt der Krieg keine große Rolle mehr. Seit im Dezember der Kampf um die Millionenstadt Aleppo endete, scheint sich der Konflikt beruhigt zu haben (bento). Tatsächlich gehen die Kämpfe und Anschläge weiter: Am Mittwoch starben allein bei einem Selbstmordanschlag in der Hauptstadt Damaskus mindestens 25 Menschen (Al-Jazeera).

Am Mittwoch sprach der Uno-Hochkommissar für Menschenrechte Zeid Ra'ad al-Hussein vor den Vereinten Nationen. Den Krieg in Syrien nannte er:

"...das schlimmste von Menschen verursachte Desaster seit dem 2. Weltkrieg."
Zeid Ra'ad al-Hussein, Al-Jazeera

Das syrische Regime hatte Mouawiya und die anderen Jungs nach einem Monat wieder freigelassen. Doch die Geste, die die Menschen in Daraa beruhigen sollte, kam zu spät – auch in anderen Städten hatten sich wütende Massendemos gegen Assad gebildet.

Mouawiya ist immer noch in Syrien, sein Vater kam im Konflikt ums Leben.

Zu "Al-Jazeera" sagte er:

"Erst spät haben wir gemerkt, dass wir einen großen Fehler gemacht haben. Wenn wir gewusst hätten, was passiert, hätten wir das Graffiti nie geschrieben."

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