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Die Männer boten Lebensmittel gegen sexuelle Dienste.

In Syrien sollen mehrere Entwicklungshelfer schutzsuchende Frauen ausgenutzt haben. Die Männer sollen Lebensmittel und Hilfsgüter gegen sexuelle Gefälligkeiten verteilt haben. Das berichten nun andere Flüchtlingshelfer aus Syrien. (BBC)

Demnach handelt es sich um Männer, die im Auftrag der Uno und anderer Hilfsorganisationen in Syrien gearbeitet haben. 

Die Fälle sollen so umfangreich sein, dass einige Syrerinnen aus Angst gar nicht mehr zu Ausgabestellen von Lebensmitteln kamen.

Was weiß die Uno über die Missbrauchsfälle?

Entwicklungshelfer berichteten, dass die Fälle lange Zeit unbekannt waren – weil die Uno und andere Hilfsorganisationen in Syrien mit anderen, lokalen Gruppen zusammenarbeiten. Diese verteilen für die Organisationen die Lebensmittel vor Ort. 

  • Das heißt: Maßstäbe, die Hilfsorganisationen eigentlich setzen, können sie vor Ort gar nicht überprüfen.

Der Bevölkerungsfond der Uno (UNFPA) hat nun einen Untersuchungsbericht veröffentlicht, in dem Betroffene zu Wort kommen. In "Voices from Syria 2018" heißt es:

"Es gibt Beispiele von Frauen oder Mädchen, die kurzzeitig mit Offiziellen verheiratet wurden, um ihnen 'sexuelle Dienste' gegen Lebensmittel anzubieten; Verteiler fragten nach Telefonnummern von Frauen und Mädchen; fuhren sie in ihre Häuser, um 'etwas als Gegenleistung zu nehmen' oder Hilfsgüter anzubieten 'im Austausch von Leistungen, wie eine gemeinsame Nacht'."

Laut UNFPA soll es in mehreren Bezirken in Syrien zu solchen Vorfällen gekommen sein.

Besonders oft waren Frauen betroffen, die alleine leben und keinen "männlichen Beschützer" mehr haben. Das trifft auf Witwen und Geschiedene zu, aber auch auf Frauen, die alleine flohen. Insgesamt sind etwa 6,5 Millionen Syrer in ihrem eigenen Land auf der Flucht – die meisten wurden aus ihren Heimatorten vertrieben. (Uno)

Die Vorfälle liegen zum Teil Jahre zurück. Und schon früher habe es immer wieder Berichte und Untersuchungen gegeben, die Übergriffe belegen.

Nur passiert ist lange Zeit nichts. Danielle Spencer, die die Arbeit von Hilfsorganisationen untersucht, kritisiert die Praxis deutlich: 

Sie haben Hilfe zurückgehalten, um Frauen sexuell auszunutzen.
Danielle Spencer (BBC)

Andere Helfer hätten über Jahre weggeschaut – damit die Hilfslieferungen wenigstens weiterhin ankommen. "Die Uno hat sich bewusst dafür entschieden, diese Frauen zu opfern, damit das System aufrecht bleibt", sagt Spencer. 

In der Vergangenheit kamen auch Missbrauchsfälle bei Oxfam, Ärzte ohne Grenzen und dem International Rescue Committee (IRC) ans Licht. Flüchtlingshelfer sollen Frauen sexuell belästigt und missbraucht haben. Ärzte ohne Grenzen hat nach eigenen Angaben bereits mehrere Mitarbeiter entlassen. Die Uno-Flüchtlingshilfe will nun die Vorwürfe weiter untersuchen.

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