Bild: Abdulsattar Sharaf
Abdulsattar Sharaf, 32, koordiniert sechs Schulen in Irbin, einem Vorort von Damaskus, der von Rebellen kontrolliert wird:

"Wegen der Bombenangriffe konnte das Schuljahr erst einen Monat später als geplant starten. Wir unterrichten jetzt nur noch in Kellern, da sind wir sicher. Wenn wir Flugzeuge am Himmel sehen, dürfen die Schüler nicht raus. Viele sind traumatisiert. Ein Mädchen hat seine Hand verloren und spricht seither nur noch mit dem Lehrer. Andere verhalten sich aggressiv, ein paar haben Messer zum Unterricht mitgebracht. Die Lehrer kontrollieren deshalb jetzt alle Taschen.

Die meisten Kinder wollen aber unbedingt zur Schule gehen. Sie wollen lesen und schreiben lernen, um später Arzt, Maler oder Ingenieur zu werden. Aber nach der Grundschule sieht es schlecht aus. Es gibt nur wenige weiterführende Schulen, und manche Kinder müssen arbeiten, um ihre Familien zu ernähren.

Irbin war fast komplett abgeschnitten von der Außenwelt, aber jetzt gibt es wieder Strom, auch Stifte und Schulranzen kann man kriegen. Allerdings brauchen wir unbedingt mehr Bücher."

Das Protokoll wurde aufgezeichnet von Louisa Schmidt zuerst für SPIEGEL ONLINE aufgezeichnet.

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Schulunterricht ist in Syrien keine Alltäglichkeit mehr: Mehr als zwei Millionen Kinder nicht mehr zur Schule. Etwa 6000 Schulen sind zerstört, dienen als Herberge für Flüchtlinge oder sind von Bewaffneten besetzt, heißt es in einer Studie der Vereinten Nationen. Der syrische Bürgerkrieg begann vor fünf Jahren – Grundschulkinder kennen ihr Land kaum noch ohne Bombenanschläge und Luftangriffe.

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