Der Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte hat erstmals einen Angriff auf die syrische Armee angeordnet. Mehr als 50 Raketen wurden auf genau den Luftwaffenstützpunkt abgefeuert, von dem aus vor wenigen Tagen der verheerende Giftgasangriff auf Zivilisten stattgefunden haben soll (bento).

Die erste Reaktion, so hart sie klingt: Gut so! 

Endlich zeigen die USA dem syrischen Diktator Baschar al-Assad jene rote Linie auf, von der seit Jahren nur gesprochen wird.

Doch die zweite Reaktion, leider: Fuck, der aktuelle US-Oberbefehlshaber ist Donald Trump. 

Und das könnte noch zum Problem werden. Warum? Im obigen Videokommentar erfährst du mehr.

Und hier findest du weitere Hintergründe zum Thema:

Warum hat Trump einen Angriff auf Assads Truppen befohlen?

Die USA gehen davon aus, dass das syrische Regime hinter einem Giftgasangriff steckt, bei dem am Dienstag Dutzende Menschen starben. Augenzeugen berichten, Flugzeuge hätten Bomben abgeworfen, kurz danach zeigten die ersten Opfer Symptome einer Vergiftung. Der Angriff der USA ist eine Vergeltung dafür – Trump will Assad ein Signal geben: Mit solchen Attacken gehst du zu weit!

Steckt Assad hinter dem Anschlag?

Das bleibt bislang unklar. Die syrische Regierung selbst stritt den Angriff ab. Russland, das mit Assad verbündet ist, behauptete später, es habe einen Angriff gegeben – allerdings zu einem späteren Zeitpunkt und auf Waffenlager von Rebellen. Dadurch seien Giftstoffe freigesetzt worden. 

Der britische "Guardian" hat den Ort besucht und Augenzeugen befragt. Die Deutungen Russlands klingen demnach eher unwahrscheinlich. Mehr Hintergründe findet ihr auch hier:

Wie könnte es jetzt in Syrien weitergehen?

Das kann keiner genau wissen. Trump selbst nannte den Raketenstart in seiner Rede eine "gezielte Attacke" als Reaktion auf den Giftgasangriff. Hier ist das Statement von Trump:

Das bedeutet: Es soll erst mal keine weiteren Angriffe gegen Syrien geben. 

Trotzdem verändert die Aktion vieles:

  • Wenn es gut läuft, lässt sich Assad beeindrucken und an den Verhandlungstisch zwingen. Das müsste dann aber auch für Russland und Iran, die Syrien unterstützen, gelten.
  • Wenn es schlecht läuft, wird Assad so weiterbomben wie bisher – und damit testen, wie weit die USA gehen. Reagiert Trump, könnte es zum offenen Konflikt zwischen ihm und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin kommen. 

Der syrische Bürgerkrieg

Der Bürgerkrieg in Syrien begann im März 2011 mit friedlichen Protesten gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad. Dieser schlug die Aufstände brutal nieder, Tausende wurden in Foltergefängnisse gesperrt. 

Die "Freie Syrische Armee" (FSA) rief zum bewaffneten Kampf gegen Assad auf. Im Chaos etablierten sich bald islamistische Milizen, darunter der "Islamische Staat" (IS), der große Teile Syriens eroberte. Von der FSA blieb fast nichts übrig.

Daraufhin flog ein internationales Bündnis der USA Luftschläge gegen den IS; Russland, der Iran und die libanesische Hisbollah-Miliz unterstützen Assads Armee. Menschenrechtler schätzen, dass bislang Hunderttausende Menschen ums Leben kamen. Knapp die Hälfte der Bevölkerung ist auf der Flucht. Mehr zu Syrien auf bento.

Ich verstehe die Aufregung gar nicht. Die USA kämpfen doch schon lange in Syrien?

Ja und nein. Die USA fliegen seit September 2014 Luftschläge gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat", die in Syrien Gebiete erobert hat. Das geschieht ohne Absprache mit der syrischen Regierung. 

Deren brutales Vorgehen im eigenen Land haben die USA zwar immer verurteilt – aber bisher nie geahndet. Der Luftschlag jetzt ist also die erste Reaktion direkt auf Assad. 

Was wäre so schlimm an einem dauerhaften US-Einsatz gegen Assad?

Dass keiner weiß, was danach kommt. Soll die Opposition – die fast nur noch aus Islamisten besteht – die neue Regierung bilden? Soll Assad selbst an der Macht bleiben? Oder soll jemand aus seinem Clan den Übergang bereiten?

Zu diesen Fragen hat Trump bislang keinen Plan vorgelegt. Die USA haben allein im 21. Jahrhundert bereits zwei Mal gezeigt, dass sie nach einem Militäreinsatz in einem fremden Land keine Idee für dessen Zukunft haben: 2001 in Afghanistan und 2003 im Irak. 

Für den Überblick – die Fakten zum Syrienkrieg:
Der Syrienkrieg begann im März 2011 – nach wenigen Wochen friedlichen Protests.
Knapp eine halbe Millionen Menschen sind ums Leben gekommen – jeder zehnte Syrer.
Nachweislich wurden Giftgas und geächtete Splitterbomben eingesetzt.
Die Hälfte der Bevölkerung ist laut der Uno auf der Flucht. Mehr als sechs Millionen davon im eigenen Land, etwa fünf Millionen haben Syrien verlassen.
Die Lage wird zudem immer schlimmer: 2016 sind zehn Mal mehr Menschen geflohen als noch 2012.
13,5 Millionen Syrer leben in Armut und brauchen dringend Lebensmittel und Medizin.
Besonders schlimm trifft es knapp 5 Millionen Syrer – sie sind in umkämpften und abgelegenen Gebieten eingeschlossen.
Jeder Fünfte verdient sein Geld nun mit dem Krieg: als Kämpfer, Kidnapper, Plünderer oder Schleuser.
Die Hälfte der Kinder im schulpflichtigen Alter geht nicht mehr zur Schule.
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Today

In Stockholm hat jemand einen Lkw in ein Kaufhaus gelenkt und Menschen getötet

Ein Mann hat am Freitagnachmittag einen Bierlaster in eine Menschenmenge vor einem Kaufhaus in Stockholm gesteuert. Vier Menschen sind dabei gestorben, 15 Menschen wurden verletzt. Der Täter konnte später offenbar festgenommen werden. (New York Times)

  • Der Vorfall ereignete sich in der Einkaufsstraße Drottninggatan in der schwedischen Hauptstadt. Die Straße ist eine der beliebtesten Einkaufsmeilen der Stadt, vergleichbar mit der Mönckebergstraße in Hamburg oder dem Kudamm in Berlin.
  • Der Täter fuhr den Lkw kurz vor 15 Uhr am Freitagnachmittag durch die Fußgängerzone, lenkte ihn in eine Menschenmenge und krachte in die Fassade des Kaufhauses Åhléns.
  • Am Freitag nahm die Polizei einen leicht verletzten Verdächtigen fest, die Fahndung ging aber zunächst weiter. Am Samstag erklärte die Polizei dann, der Verdächtige sei wahrscheinlich der gesuchte Täter.
  • Ministerpräsident Stefan Löfven sagte noch am Freitag: "Schweden ist angegriffen worden." (The Local)