Bild: Twitter/unbekannt

Kinder zünden Autoreifen an, dicker, schwarzer Rauch verdunkelt den Himmel: Diese Fotos und Videos sollen aus dem syrischen Aleppo stammen – ein Hilfeschrei aus dem Bürgerkrieg. Aktivisten verbreiten die Aufnahmen mit dem Hashtag #AngerForAleppo, Zorn für Aleppo. Auch der schon länger genutzte Hashtag #AleppoUnderSiege, Aleppo unter Belagerung, zeigt die katastrophale Lage vor Ort.

Das posten Aktivisten bei #AngerForAleppo:
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Was will die Aktion erreichen?

Mit den Bildern wollen Rebellen, aber auch Aktivisten von außerhalb, auf die Lage in Aleppo aufmerksam machen. Im Osten der Stadt sind zwischen 250.000 und 300.000 Zivilisten eingeschlossen und von Hilfsmitteln abgeschnitten (The Independent). Mehrere Kriegsparteien belagern die Stadt, von Beginn des Bürgerkrieges an ist sie hart umkämpft (bento).

Die Aktivisten setzen vor allem Kinder in Szene, um mehr Aufmerksamkeit zu erlangen. Ob alle Fotos aus der Stadt stammen, lässt sich nicht zweifelsfrei sagen. Viele arabische Medien greifen die Aktion allerdings auf, die meisten Bilder wirken authentisch. In einem ironischen Video entschuldigen sich demnach Rebellen vor Ort für die Umweltverschmutzung, die sie mit dem Verbrennen begehen:

Ein anderes Video zeigt mehrere brennende Reifen entlang einer Straße:

Auch wenn der Rauch dicht ist, wirklich stören dürfte er Kampfflieger nicht: Assads Luftwaffe bombardierte Aleppo in der Vergangenheit nicht gezielt, sondern großflächig und ohne Rücksicht auf Zivilisten.

Wie ist die Lage im syrischen Bürgerkrieg?

In Syrien herrscht seit mehr als fünf Jahren Bürgerkrieg (bento). Zu den wichtigsten Kriegsparteien gehören die Armee des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und die Rebellenmilizen, die sich gegen ihn erheben. Assad wird von Russland unterstützt, die Rebellen von einem von den USA angeführten Bündnis. Neben den Rebellen kämpfen dort auch islamistische Gruppen, zum Beispiel die Terrormiliz "Islamischer Staat".

Ende Februar hatten die Kriegsparteien einer Waffenpause zugestimmt. Vermittelt wurde sie von internationalen Mächten, darunter die USA und Russland. Tatsächlich hörten die Gefechte allerdings nie auf: Ein Schlupfloch in der Vereinbarung erlaubte weiterhin Angriffe auf Islamisten. Daher warfen Assad und Russland in ihrem "Antiterrorkampf" weiter Bomben über den Wohngebieten von Zivilisten ab. Und auch die USA flog weiter Angriffe gegen den IS – und tötete dabei ebenfalls Zivilisten (New York Times).

Warum verbrennen die Aktivisten ausgerechnet Autoreifen?

Der aufsteigende Rauch soll die Sicht der Kampfflugzeuge behindern. Der syrische Journalist Rami Jarrah behauptet, alle Bewohner würden das machen, nicht nur Kinder. Für sie sei es die einzige Möglichkeit, sich am Kampf zu beteiligen (BBC).

Aleppo wird fast täglich von der Luftwaffe des syrischen Regimes und von russischen Fliegern bombardiert. Assads Einheiten werfen unter anderem Fassbomben auf bewohnte Stadtteile ab – die Bomben zersplittern in alle Richtungen, auch Zivilisten werden so getroffen.

In Bildern: So sieht es in Aleppo aus
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Was in Aleppo passiert
  • Vergangene Woche richtete das syrische Regime Korridoren ein, durch die die letzten Zivilisten aus der Stadt fliehen sollten. Viele vertrauten den Schutzwegen allerdings nicht – sie fürchteten, bei Verlassen ihrer Häuser angegriffen oder festgenommen zu werden (SPIEGEL ONLINE). In der Vergangenheit hatte die syrische Regierung keinen Unterschied mehr zwischen Zivilisten und islamistischen Kämpfern gemacht. Russland sagt, knapp 400 Menschen hätten die Korridore genutzt (Wirtschaftswoche).
  • Tatsächlich schließen sich vor Ort immer mehr Menschen islamistischen Gruppen an. Sie fühlen sich vom Westen allein gelassen, die gemäßigten Rebellen erhalten kaum noch Unterstützung. Den größten Zulauf hat die neugegründete Fatah al-Scham, die sich als Befreier Aleppos aufspielt. Sie hieß bis vor kurzem noch "Al-Nusra-Front" – und war der offizielle Ableger des Terrornetzwerkes Al-Qaida (CNN).
  • Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtet, dass in den vergangenen zwei Wochen knapp 60 Zivilisten bei Luftschlägen durch das Regime getötet wurden, darunter 14 Kinder (Beobachtungsstelle). Mindestens 30 Menschen seien zudem in den vergangenen Tagen durch Angriffe von Rebellen ums Leben gekommen (Beobachtungsstelle). Die Aktivisten versuchen, einen Überblick über den Krieg zu schaffen; unabhängig überprüfbare Zahlen können sie jedoch nicht liefern.

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