Bild: dpa/Federico Gambarini

Einer der bekanntesten deutschen Islamisten kommt hinter Gitter: Der Prediger Sven Lau wurde am Mittwoch vor dem Oberlandesgericht in Düsseldorf zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt (Zeit).

Der 36-Jährige soll in Syrien die islamistische Miliz "Jamwa" unterstützt haben. Lau soll die Gruppe mit Ausrüstung und Geld unterstützt haben und Kämpfer nach Syrien geschleust haben – die Unterstützung habe er als humanitäre Hilfe getarnt, sagt die Staatsanwaltschaft.

Lau war im Dezember 2015 festgenommen worden, der Prozess gegen ihn begann im vergangenen September (bento). Hier findest du die wichtigsten Antworten rund um den Prozess.

Wer ist Sven Lau?

Sven Lau ist einer der bekanntesten Salafisten in Deutschland, Verfassungsschützer und Kriminalbeamte beobachten den Extremisten seit Jahren. Gemeinsam mit dem Salafisten Pierre Vogel tritt Lau häufig in YouTube-Videos und als Prediger auf Demonstrationen auf. In der deutschen Salafisten-Szene gelten beide als Stars, arabische Extremisten belächeln sie hingegen.

Der Öffentlichkeit wurde Lau vor allem als Initiator der sogenannten "Scharia-Polizei" bekannt. Die Gruppe von elf jungen Männern hatte vergangenes Jahr in Wuppertal patrouilliert und Passanten angesprochen. Dabei trugen die Männer orangefarbene Warnwesten mit der Aufschrift "Sharia Police". Als Scharia wird die islamische Rechtsschöpfung bezeichnet.

Was ist "Jamwa"?

Die Terrororganisation "Dschaisch al-Muhadschirin wal-Ansar" in Syrien, übersetzt: "Armee der Auswanderer und Unterstützer". Jamwa gehörten etwa 750 Kämpfer an, allem von Tschetschenen und Deutsche. Die Gruppe hat Verbindung sowohl zum Terrornetzwerk Al-Qaida als auch zum "Islamischen Staat" (IS), ihr wird Anschläge auf Zivilisten vorgeworfen. (GlobalSecurity.org)

Nach Auffassung der Bundesstaatsanwaltschaft soll Sven Lau die Anlaufstelle von "Jamwa" in Deutschland gewesen sein. Er habe demnach zwei Dschihadisten rekrutiert und nach Syrien geschleust. Zudem soll er der Terrorgruppe 250 Euro und drei Nachtsichtgeräte verschafft haben. Personen und Güter habe er verdeckt über seine Hilfsorganisation "Helfen in Not" nach Syrien gebracht. (Frankfurter Allgemeine Zeitung)

Die von Lau unterstützte Jamwa-Gruppe hat sich später dem IS angeschlossen.

Das sind die berüchtigsten deutschen Islamisten:
Ex-Profiboxer aus dem Rheinland, heute salafistischer Prediger mit populärem YouTube-Channel. Der 38-Jährige erklärt dort eine konservativ bis mittelalterliche Interpretation des Islam, distanziert sich aber von Gewalt.
Früher bei der Feuerwehr in Mönchengladbach, heute die ruhige Stimme der deutschen Salafi-Szene. Der Verfassungsschutz attestiert dem 35-Jährigen eine Radikalisierung, der Bundesstaatsanwalt sieht ihn als Terroristen.
Früher als Rapper "Deso Dogg" in den Charts, heute als Propagandamann für den IS in Syrien. Der 40-Jährige soll schon mehrfach umgekommen sein, taucht dann aber immer wieder in neuen IS-Videos auf.
Initiator der umstrittenen Aktion "Lies!", bei der Korane in Fußgängerzonen verteilt werden, soll mehrfach Juden und Christen beschimpft haben. Verurteilt wegen Betrug: Nagie hatte zu Unrecht 54 000 Euro Sozialleistungen kassiert.
Anführer einer fundamentalen Bewegung aus der Türkei. Wurde früher der "Kalif von Köln" genannt und zur Haft verurteilt, nachdem er den Mord eines anderen Geistlichen in Auftrag gab. Mittlerweile an die Türkei ausgeliefert.
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Wie lief der Prozess?

Einer der von Lau nach Syrien vermittelten Dschihadisten, Ismail I., war Kronzeuge im Prozess. Lau habe ihn auf einer Pilgerreise nach Mekka und Medina für den Kampf in Syrien rekrutiert und habe ihm versprochen, seine Ausreise zu organisieren.

Ismail L. war nach seiner Rückkehr aus Syrien selbst zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt wurden. Laus Anwalt nannte ihn einen "notorischen Lügner" – der durch die Aussagen seine eigene Haftzeit verkürzen wollte. Tatsächlich war Ismail L. nach zwei Dritteln seiner Haftstrafe entlassen worden.

Sven Lau selbst brach am Ende des Prozesses in Tränen aus – und bat vor Gericht nach einem Weinkrampf um ein faires Urteil (Welt).

Wie reagierte die deutsche Islamistenszene?

Sven Lau galt vielen lange Zeit in seinen Positionen nicht radikal genug – während des Prozesses solidarisierte sich die Szene mit ihm. In Facebook-Gruppenwird der Gerichtstermin aus "Schikane" der BRD und "Tyrannei" bezeichnet, Muslime werden aufgerufen, für "Bruder Abu Adam" (Laus gewählter islamischer Name) zu beten und vor dem Verhandlungssaal zu demonstrieren.

Auch der einstige Weggefährten Pierre Vogel sprach in Webvideos seine Solidarität für Sven Lau aus. Der Hassprediger war als Zeuge vor Gericht geladen und nahm Lau in Schutz: "Ich glaube, dass er ein sehr guter Mensch ist", sagte Vogel vor Gericht. Er habe in Syrien nur "humanitäre Hilfe" leisten wollen (SPIEGEL ONLINE). 

Viele deutsche Islamisten leben im Verborgenen. Wir haben einen aufgespürt:


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