Bild: Stimmt das

Fakten und Wahrheit? Braucht man nicht, um erfolgreich zu sein. Das wissen wir spätestens seit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten. Damit in Deutschland nichts Ähnliches passiert, wollen sich einige junge Menschen die Aussagen der deutschen Politiker ganz genau ansehen.

Mit dem Projekt stimmtdas.org recherchieren sie fragwürdige Sätze akribisch nach und zeigen, wer es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt.

Christian Lindner hat übertrieben, bei Frauke Petry stimmt so einiges nicht: Auf der Website stimmtdas.org wird seit Mitte Juli geprüft, wer im Wahlkampf die Fakten verdreht. An die skizzierten Köpfe bekannter Politiker kommt dann ein Stempel mit dem entsprechenden Urteil – von "Stimmt" bis "Scharlatanerie", also Unsinn. 

Bisher wurde beispielsweise eine Aussage von Gregor Gysi zur Rüstungsindustrie gecheckt, genau wie Frauke Petrys Überzeugung, mehr als sechs Millionen Afrikaner säßen auf gepackten Koffern. 

Brainstorming bei einem "Stimmt das"-Workshop in Potsdam.(Bild: Stimmt das)

Hinter dem Projekt stecken ein gutes Dutzend junger Leute. Manche Studenten, manche berufstätig. Alle irgendwie genervt vom Zustand der Welt, aber ohne Bock auf Melancholie – sie wollen lieber etwas tun. 

Alles begann vergangenen Dezember in einer Berliner Kneipe. Zwei der Gründer, Alexander Wuttke und Hauke Pfau, saßen dort zusammen und waren von der Welt enttäuscht: "Donald Trump war gerade gewählt worden, die Menschen vertrauen weder Politik noch Medien", erzählt eine der Mitgründerinnen, Anika Reker. Da muss man doch etwas tun, dachten sie sich.

Etliche Stunden der Gespräche und Planung später kam die Idee zum Faktencheck. Angelehnt ist dieser an die Webseite Politifact, dessen "Truth-o-meter" in den USA seit zehn Jahren ein Watchdog der Politik ist.

In letzter Zeit ist Politifact sehr monothematisch. Donald Trump bietet einfach sehr viel Faktenheck-Material.(Bild: Politifact )

"Viele Medien begleiten zwar die Wahl, aber im Alltag der Redaktionen ist meist keine Zeit, jedes einzelne Zitat der Politiker auf die Goldwaage zu legen", sagt Anika Reker, "das machen wir dann halt". Noch zahlen sie das aus eigener Tasche, auch, um unabhängig zu sein. Künftig hoffen sie auf Spenden oder Unterstützung einer Stiftung, die keiner Partei nahesteht.

Okay, natürlich nicht jedes Zitat, sondern ausgewählte Sätze. Sie müssen einen "Gesprächswert" haben, schreibt das Team auf der Website. Und sie müssen überprüfbar sein – also durch Statistiken, historische Recherche oder Experteninterviews. Der Rechercheweg wird transparent gezeigt. 

Am Schluss kriegt der bewertete Politiker noch die Chance, Stellung zu dem Urteil zu nehmen.

Die Politik hat von dieser Option bisher zwar wenig Gebrauch gemacht, dafür gab es viele Rückmeldungen der Leser. Die schlagen nun schon selber Themen zum Überprüfen vor. Die Politiker werden also von immer mehr wachsame Augen beobachtet.


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