Bild: dpa/Thibault Camus
Der Spiderman von Paris musste sich erst als würdig erweisen.

Man kriegt Gänsehaut, wenn man das verwackelte Video des 22-jährigen Mamoudou Gassama sieht, der über mehrere Balkone bis in den vierten Stock eines Hochhauses klettert, um einen vierjährigen Jungen zu retten. (bento)

Die Rettung glückte – und Mamoudou wird dafür jetzt als Held gefeiert. "Spiderman" wird der Mann aus Mali in den Medien genannt, der erst vor einigen Monaten nach Frankreich kam. Er soll nun französischer Staatsbürger werden. Innenminister Gérard Collomb will persönlich dafür sorgen, dass seine Einbürgerung so schnell wie möglich durchgeführt wird. 

Außerdem unterschrieb Mamoudou nach der Rettungsaktion einen Zehn-Monats-Vertrag bei der Feuerwehr in Paris und wurde von Präsident Emmanuel Macron im Élysée-Palast empfangen. Das alles trug sich seit Samstagabend zu. Davor war Mamoudou ein "Sans-Papier", ein Migrant ohne geregelten Aufenthaltsstatus. 

Sogar Marine Le Pen, Parteichefin der rechtspopulistischen Partei "Front National", ist der Meinung, Mamoudou habe sich mit seinem "heroischen Akt" die französische Staatsbürgerschaft "verdient". Eine Staatsbürgerschaft, so Le Pen, könne man entweder erben, oder sich eben verdienen

Warum jetzt? Warum braucht es erst ein Kind in Lebensgefahr und eine spektakuläre Rettungsaktion, damit Mamoudou Teil der Gesellschaft sein darf?

Weil – in Marine Le Pens Worten – Einwanderer und Flüchtlinge ihre guten Absichten in Europa erst unter Beweis stellen müssen. Sie müssen sich Akzeptanz erst verdienen. Weil sie vorher nicht als Menschen gesehen werden, die potenziell Kinder von Balkonen retten könnten. Sondern als Menschen, die die Sicherheit gefährden, Arbeitsplätze wegnehmen und Steuergelder verschlingen. 

Sie müssen sich Akzeptanz erst verdienen.
Jetzt, wo der Mann aus Mali sich als würdig erwiesen hat, jetzt soll er dazugehören. Aber eben erst jetzt. 

Ähnlich wie Marine Le Pen argumentiert auch Macrons Regierungssprecher, Benjamin Griveaux, auf Twitter: Mamoudous "heldenhaftes Verhalten" entspreche den "Werten der Solidarität unserer Republik" – aus diesem Grund müsse man ihm die Türen zur französischen Gemeinschaft öffnen. 

Es geht nicht darum, dass Mamoudou Gassama nicht eingebürgert werden sollte. Mamoudou wollte die französische Staatsbürgerschaft (Welt.de). Es ist gut, dass er sie bekommen hat. Es geht darum, dass seine Einbürgerung nicht davon abhängen sollte, ob er sich als "guter Migrant" beweist oder nicht. 

Man kann Mamoudou als einen Menschen feiern, der einem Kind das Leben rettete und darum Anerkennung verdient – als einen Menschen, nicht einen Flüchtling. Akzeptanz und Zutritt zur Gesellschaft sollten nicht von einer solchen Leistung abhängig gemacht werden. Sonst argumentiert man mit den Worten von Marine Le Pen. Und das kann wirklich niemand wollen. 


Food

Ist Bio-Limonade wirklich gesünder als Cola & Co.?

Die nächsten Tage werden heiß. Dass sich Fahrten in stickigen U-Bahnen und die Stunden im Büro oder Hörsaal besser überstehen lassen, wenn man viel trinkt – eh klar. Nur: Irgendwann hat man einfach genug vom geschmacklosen Wasser. Gut, dass die Kühltheken in Kiosken und Supermärkten gefüllt sind mit Bio-Limonaden und -Eistees: Lemonaid, ChariTea, Bionade, Vio Bio Limo, Fritz... 

Gefühlt hat jede Softdrink-Marke in den vergangenen Jahren ein vermeintlich gesundes Erfrischungsgetränk herausgebracht, das auch noch nachhaltig – weil bio – sein soll. 

Aber sind diese Produkte wirklich gesünder als Cola & Co.? Tu ich mir etwas Gutes, wenn ich zu ChariTea greife anstatt zur Fanta?