Sag mir, was soll das bedeuten?

Bald ist Europawahl. Und es geht um wichtige Fragen: Wie gehen wir mit Geflüchteten um? Wollen wir Uploadfilter? Wollen wir überhaupt noch gemeinsame Sache machen – und was machen wir mit denen, die aussteigen? (SPON)

Und: Wie gehen wir mit der erstarkenden Rechten um?

Laut Umfragen will jeder zehnte Deutsche AfD wählen (ARD und ZDF). Auch in anderen EU-Staaten werden rechte Parteien stärker. (Politico)

Das ist gefährlich für die Demokratie – und eine Challenge für die anderen Parteien. Oder eine Chance: Im aktuellen politischen Klima könnten sie klar Stellung beziehen.

Oder auch nicht. Wie die SPD.

Die hat gerade einen kitschig-kryptischen Wahlwerbespot vorgelegt. 

Der Hashtag dazu: #europaistdieantwort. Okay, aber: Auf welche Frage?

Wir haben den Spot angesehen und versucht, das herauszufinden.

Los geht's:

Eine Frau in Springerstiefeln steht am Straßenrand. Ihr war vielleicht kalt, daher hat sie eine Europa-Flagge um die Schultern gelegt, die jetzt um ihre Beine flattert. Dramatische Musik.

"Europa", sagt eine Stimme aus dem Off.

Wer zufällig auf den Spot geklickt hat, weiß jetzt also, worum es geht und kann noch fix abschalten. Sehr serviceorientiert. Nun zum Inhaltlichen.

Auftritt: Katarina Barley.

"Alle reden über Europa", sagt sie.

Okay, das ist vielleicht etwas übertrieben. Zur letzten Wahl konnte sich nicht mal jeder Zweite aufraffen (Europaparlament). Studien zeigen, dass in Deutschland sehr wenig über Europa berichtet wird – gerade in Regionalzeitungen (bpb). Und wer hat nochmal den Parlamentspräsidenten-Job von Martin Schulz übernommen?

Andererseits ist das vielleicht eine Frage der Filterblase: Katarina Barley muss gerade tatsächlich sehr viel über Europa reden: Mit Gegenerinnen und Gegnern der Uploadfilter (SPON). Die sind ziemlich wütend, weil Barley das neue Urheberrechtsgesetz in der EU erst durchwinken ließ und jetzt doch dagegen ist. Meint sie das mit "Alle reden über Europa"?

Oh, okay. Sie ist schon weg.

Die Stimme aus dem Off fragt dafür jetzt: "Aber was ist eigentlich dieses Europa?"

Dazu sehen wir einen jungen Menschen, mit beeindruckendem Bart:

Ist er Europa? Aber wofür steht das Feuer – die Uploadfilter? Den griechischen Staatshaushalt? Für den Weltfrieden? Verbrennt er sich auch nicht die Finger? Wir erfahren es nicht. Stattdessen schlägt die körperlose Stimme ein paar Dinge vor, die Europa sein könnte:

"Ein Wirtschaftsraum? Eine Freihandelszone?"

Stimmt, klar, all das ist Europa. Schließlich ist die EU ja auch mal aus der "Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft" hervorgegangen. Dass die EU in ihrer heutigen Form zusammengekommen ist, ist noch gar nicht so lange her: 2009, mit dem Vertrag von Lissabon. Wie konnten wir das verg...

"Nein", beantwortet die Stimme ihre eigene Frage.

Wie jetzt: Nein?

"Europa ist viel mehr", behauptet die Stimme.

Nun Ja.

Drei Viertel der Jungen Menschen sehen Europa eher pragmatisch: Als Wirtschaftsprojekt. Ihr Anspruch ist, dass die EU für Wohlstand sorgt. Sie wollen nicht ärmer sein als ihre Eltern. Danach kommen Freizügigkeit und Frieden. Gemeinsame Werte finden zwei Drittel dagegen gar keine zentrale Aufgabe der EU. (Studie)

Die SPD ist da anderer Meinung. Zum Beweis reiht sie jetzt ein paar arg stereotype, aber sehr sympathische Menschen auf, die lächeln und sagen, dass sie Europa sind.

Außerdem "sind" Europa (oder "in" Europa?):

Drei Pärchen, die sich küssen, eine Künstlerin, die einen Klecks auf eine Leinwand malt und jubelnde Menschen auf einem Konzert. Ein Mann in Winterjacke, die Oma am Fenster, ein Jäger mit Hund, eine Sportlerin die Rad schlägt, ein Schauspieler in einer Kneipe, nochmal die Malerin, ein Handwerker, ein Holzfäller und fünf Kinder.

Es folgen ein paar vage politische Bilder: Das Brandenburger Tor, das nach den Anschlägen in den französischen Nationalfarben angestrahlt wird. Willy Brandt beim Kniefall. 

Damit möchte die SPD wohl andeuten, dass sie gegen Terrorismus und Nationalsozialismus ist.

Genug der Politik. Wir schalten wieder zu den sympathischen Menschen:

Ein Mann in einer Autowerkstatt. Eine Frau in einer Unibibliothek. Ein lächelnder Mann in einem Supermarkt. Nochmal die alte Dame die es mittlerweile in den Hauseingang geschafft hat.

Wir erfahren nicht: Möchte das schwule Pärchen im eher homo-feindlichen Polen heiraten? (SPON) Will der Mann mit dem Vorschlaghammer eigentlich schon lange in Rente gehen? Will der Jäger die Großwildjagd oder Vogeschutz? Braucht der Mann im Supermarkt eine Arbeitserlaubnis – oder einfach nur billigere Butter (Deutschlandradio)?

Die Bilder werden schneller. Es gibt etwas mehr Text. Zusammengefasst: Europa muss stark, sozial und "da" sein. Es wird bedroht von Populisten, Rechten und, aus irgendeinem Grund, "den Tweets mächtiger Männer". Bitte was?

Aha. Vielleicht kann Katarina Barley helfen. Sie kommt jetzt zum dritten Mal ins Bild und setzt sich an einen Tisch, wohl um zu erklären, wie sich Europa gegen Tweets wehren kann.

Willkommen zurück Frau Barley! Wir haben da noch ein paar Fragen! Wird es Uploadfilter für die Tweets wichtiger Männer geben?

„Für ein Europa, das zusammensteht.“
sagt Katarina Barley freundlich.

Das war offenbar alles, was sie noch loswerden wollte. Dann verschwindet sie hinter einer Milchglasschicht und dem Slogan: "Kommt Zusammen! Macht Europa stark!"

Klar: Ein Wahlspot ist keine politische Kampagne.

Natürlich hat die SPD auch ein Wahlprogramm: Sie will, dass Internetgiganten wie Amazon ihre Steuern zahlen. Sie will Agrarsubventionen nicht kürzen. Sie fordert europaweite Mindestlöhne und einen Fonds, der armen Ländern Kredite ermöglicht, um Sozialleistungen zu finanzieren. (Handelsblatt)

Aber nicht jeder steht hinter solchen Forderungen. Gerade finanzielle Solidarität ist umstritten. Ein Kernthema des letzten AfD-Europa-Wahlkampfs war es, gegen die Subvebtionen für das insolvente Griechenland zu mobilisieren. Tenor: Warum sollten wir für die Pleitegriechen zahlen?

Ja, warum? Wie weit die Solidarität in Europa gehen sollte, ist eine große Frage.

Was ist Europa, wäre also gar keine schlechte Frage. Denn sie beinhaltet die Fragen: Wollen wir füreinander einstehen - auch finanziell? Wollen wir gemeinsam wirtschaften - und für die Schulden der anderen geradestehen? Wollen wir gemeinsam kämpfen - auch in einer europäischen Armee? (SPON) Wer darf zu Europa gehören? (SPON) Und darf eigentlich Viktor Orbán noch mitmachen? (SPON)

Ihre #Antworten darauf will die SPD aber offenbar lieber nicht zu laut sagen.



Food

5 mal Mittagessen to go: Falls du Käsestullen nicht mehr sehen kannst, hier ein paar Rezepte
Die Mensa ist Mist und die Pizzeria zu teuer? Wir haben da ein paar Ideen.

Das Mittagessen ist die Problemmahlzeit unter den Mahlzeiten: Meistens sind wir unterwegs, ob an der Uni, im Büro, in der Werkstatt oder im Auto, und die wenigesten haben eine Kantine oder eine Mensa, die satt und glücklich macht. 

Dann ist auch noch die Pizzeria um die Ecke dummerweise zu teuer, die Currywurst ungesund und die belegten Brötchen vom Bäcker hängen einem mit der Zeit zum Halse raus. 

Da hilft nur eines: selber machen. 

Teuer sollte es es allerdings nicht sein – und zu kompliziert auch nicht. Deshalb hat sich Daniel Schade, Vizepräsident des Verbands der Köche, für uns fünf Mittagsrezepte ausgedacht, die schnell gemacht sind, nicht mehr kosten als drei Euro – und trotzdem schmecken.

Für Pragmatikerinnen