Es sind edle Dinge, gegen die sich die sechs bekannten Männer im gestern veröffentlichten Berliner SPD-Spot aussprechen: Rechtspopulistische Hetze, Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung von Minderheiten.

"Willst du das, Berlin?", fragen Oliver Kalkofe, Klaas Heufer-Umlauf, Joko Winterscheidt, Alec Völkel, Clemens Schick und Sascha Vollmer. Im Clip tragen sie in humoristischer Form Originalzitate anderer Parteien vor, um so auf die Absurdität der Aussagen aufmerksam zu machen.

Was auch absurd ist, offenbart sich dem Zuschauer recht schnell. Ausgerechnet eine Partei, die für ein weltoffenes, tolerantes und fortschrittliches Deutschland (#berlinbleibtweltoffen) wirbt, hat sich für einen Clip ohne Frauen entschieden. Statt Phrasen zu Gleichberechtigung zu dreschen, hätten sie auch einfach Palina Rojinski, Caroline Kebekus, Anke Engelke, Jennifer Weist von Jennifer Rostock, Karoline Herfurth, Sibel Kekilli, Sila Sahin, Martina Hill oder Dennenesch Zoudé fragen können. Oder sind die etwa nicht eloquent genug?

"Frauen sind wohl nicht lustig, liebe Genossen?", schreibt eine Userin in den Kommentaren. Ein anderer: "Gutes Video. Aber warum so männerlastig!?" Eine berechtigte Frage. Nicht nur Frauen werden vermisst. Wo bleiben die People of Color? Lesbische und schwule Menschen? Transgender? Die Antwort darauf gab uns die SPD auf Nachfragen nicht. Zwar gibt es innerhalb der Kampagne "Meine Stimme für Vernunft" Videos, in denen auch Frauen wie Iris Berben und Mo Asumang zu Wort kommen. Als Teil der viralen Kampagne waren ihre Stimmen jedoch offenbar nicht gedacht. Die Aufmerksamkeit bleibt so wieder unter ihresgleichen verteilt.

Dabei will die SPD doch eigentlich die Situation für Alleinerziehende verbessern - in neun von zehn Fällen ist der alleinerziehende Elternteil die Mutter (Monitor Familienforschung) – den Frauen-Anteil in den Berliner Aufsichtsräten steigern (aktuell liegt er bei 46 Prozent) und den bundesweit höchsten Anteil an Professorinnen (31,4 Prozent) beibehalten?

Warum jetzt im Endspurt des Wahlkampfs wieder Männer für und statt Frauen sprechen ("Wollt ihr Frauen mit Kindern auf der grünen Wiese den Zutritt mit Waffengewalt verhindern?", sagt Joko im Video) – die Intention dahinter bleibt unklar.

Immerhin 33 Prozent der rund 17.000 SPD-Mitglieder (SPD) in Berlin sind Frauen. Beim Clip merkt man von deren Einflussnahme: reichlich wenig.


Trip

​David zieht sich auf der Bühne für Frauen aus. Ein Privileg, sagt er
Wir haben ihn im Berliner Menstrip-Theater "SixxPaxx" besucht

"One, two, three, four, five, six, seven, eight!" David Joachimstaler sitzt in einem Samtsessel und schaut seinen Kollegen beim Tanzen zu, oberkörperfrei stehen sie bei gedimmtem Licht auf der Bühne und üben eine neue Choreografie. HipHop dröhnt aus einem CD-Player. "Noch mal von vorn", ruft der 28-Jährige, "und ich mach' dieses Mal mit."

Sie alle arbeiten im Menstrip-Theater "SixxPaxx" in Berlin, einem Stripclub für Frauen. Seit acht Jahren schon zieht sich David auf der Bühne aus.

"Ich habe mit dem Strippen in Europas bekanntestem Table Dance-Laden angefangen, dem Dollhouse in Hamburg. Dort habe ich damit begonnen, aufzufressen, was die anderen machen. Denn jeder hat seinen eigenen Style."