Jeden Tag kommen Hunderte Migranten in seiner Stadt an.

Ein ganz normaler Sommertag in Algeciras: Rettungsschiff um Rettungsschiff läuft in den Hafen ein. An Bord sind Hunderte Migranten, die versucht haben, in Schlauch- oder Holzbooten von Marokko nach Spanien überzusetzen. Weil das in diesen Tagen so viele wagen wie seit Jahren nicht, ist Algeciras plötzlich zum Brennpunkt der europäischen Flüchtlingspolitik geworden. 

Die Hafenstadt liegt im Süden Andalusiens nur wenige Kilometer von Marokko entfernt. 14 Kilometer sind es nur von Marokko nach Spanien an der schmalsten Stelle der Straße von Gibraltar.

Seit Wochen schon ist Spanien beliebteste Route für Menschen, die von Afrika nach Europa wollen. Von Algeciras fährt auch die Fähre nach Ceuta. In der spanischen Exklave haben am Donnerstag rund 600 Menschen den stark gesicherten Grenzzaun überwunden. Mehr als ein Dutzend Polizisten wurden verletzt.

Die Behörden in Algeciras sind mit der stark gestiegenen Anzahl an geretteten Menschen überfordert. Menschenrechtsorganisationen und Retter sprechen von unmenschlichen Zuständen. 

Wie schätzt der Bürgermeister, José Ignacio Landaluce, die Lage in seiner Stadt ein? Welche Hilfe benötigt er? Wir haben ihn gefragt:

bento: Señor Landaluce, wie bewerten Sie die Situation in Algeciras?

Landaluce: Sie ist besorgniserregend. Wir werden den Menschen nicht die Hilfe geben können, die sie brauchen. Gleichzeitig ist es aber jederzeit möglich, dass die Situation außer Kontrolle gerät. Allein am Freitag sind mindestens 774 Migranten angekommen, in den Tagen davor jeweils um die 400. Und ich fürchte, es werden noch mehr Menschen kommen. Wir könnten das neue Lampedusa werden.

bento: Ist das nicht etwas übertrieben?

Landaluce: Nein, wir haben allein im Juni mehr als doppelt so viele Menschen aufgenommen wie Italien.

bento: Warum müssen die Menschen im Hafen von Algeciras auf den Rettungsbooten ausharren und dort selbst schlafen?

Landaluce: Die Verwaltung hat alle Mittel zur Verfügung gestellt, die wir haben. Die Nichtregierungsorganisationen helfen ebenfalls, wo sie können. Aber die Kapazitäten der Polizei reichen nicht aus, um alle Menschen zu registrieren und weiterzuleiten. Also müssen die Migranten gerade auf den Booten bleiben, bis wir genug Raum in den Turnhallen geschaffen haben.

bento: Welche Hilfe benötigen Sie?

Landaluce: Ich fordere, dass die andalusische und die spanische Regierung mehr Vertreter entsenden, die die Situation kontrollieren. Gleiches gilt für die Europäische Union und Frontex. Die Freiwilligen vom Roten Kreuz arbeiten in den Turnhallen momentan von 12 Uhr bis 14 Uhr. Das reicht nicht. Und wir brauchen mehr Polizisten, mehr Autos, mehr Busse, mehr Zelte.

bento: Was passiert, nachdem die Menschen die Turnhallen verlassen haben?

"Es ist jederzeit möglich, dass die Situation außer Kontrolle gerät."

Landaluce: Einige, die wir schnell zurückführen können, werden von der spanischen Polizei in geschlossene Zentren gebracht. Menschen, deren Herkunftsland unbekannt ist, darunter viele aus der Subsahara, werden von Nichtregierungsorganisationen betreut und bekommen von den Behörden die Anweisung, das Land zu verlassen. Allerdings wird das nicht umgesetzt. Sie reisen anschließend weiter, wohin sie möchten. Ihre Fingerabdrücke haben wir aber registriert.

bento: Wie reagieren die Anwohner auf die vielen geretteten Menschen?

Landaluce: Gut, ich sorge mich nicht. In Algeciras leben Menschen aus 104 Nationen. Bis jetzt ist alles ruhig. Aber eines ist auch klar: Kommen weiter so viele Menschen an, könnte es zu Problemen kommen.

bento: Setzen Sie darauf, dass viele der Migranten die Stadt freiwillig wieder verlassen?

Landaluce: Stellen sie sich eine Stadt mit 125.000 Personen vor - und alle drei Tage steigt die Zahl der Anwohner um ein Prozent. Wer hat dafür Geld? Das hier ist ein Problem des Bürgermeisters von Algeciras. Aber lösen muss es die EU. Die Menschen sollten nicht unter freiem Himmel schlafen. Wir sind hier in Europa.

bento: Was ist die Lösung des Problems?

Landaluce: Die Regierung ist hier in der Verantwortung. Sie muss mit Marokko reden. Sonst werden wir keine Lösung finden.

Dieser Artikel ist zuerst auf SPIEGEL ONLINE erschienen. 


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