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Was die Entscheidung für die Menschen in NRW bedeutet.

In NRW wird es zukünftig kein Sozialticket mehr geben. Die schwarz-gelbe Landesregierung hat beschlossen, den Zuschuss für sozial Benachteiligte für Bahnfahrkarten bis 2020 schrittweise zu streichen. Die Ersparnisse sollen stattdessen in den Straßenbau investiert werden. (bento

Jennifer* ist 25, erwartet ihr zweites Kind und nutzt das Sozialticket in Nordrhein-Westfalen. Drei Mal die Woche fährt sie mit dem Zug von Attendorn nach Olpe zur Schule, transportiert ihre Einkäufe, und organisiert damit ihr ganzes Leben.

Welche Konsequenzen hat es für ihre Familie und sie, wenn die Förderung des Sozialtickets wegfällt? 
Wir haben uns von Jennifer erzählen lassen, was sich jetzt für sie ändert:

"Als ich erfahren habe, dass ich zukünftig kein Sozialticket mehr haben werde, war ich schockiert und sauer. 

Ich zahle monatlich rund 30 Euro für das Sozialticket – 30 Euro, die mir viele Freiheiten ermöglichen und mich im Leben weiterbringen. Wenn der Zuschuss für die Bahnfahrkarte wegfällt, zahle ich für ein Monatsticket 95 Euro

65 Euro weniger im Monat – das wird ein Riesenproblem für meine Familie und mich.

Ich bekomme im Monat 409 Euro Hartz IV. 2019 beginne ich mit einer Ausbildung zur Kinderpflegerin, selbst dann sind 95 Euro für eine Monatsfahrkarte viel Geld.

Momentan hole ich meinen Abschluss nach, ich pendele deshalb drei Mal die Woche von Attendorn nach Olpe zur Schule. Von Tür zu Tür brauche ich ungefähr eine Stunde, im Zug sitze ich 20 Minuten. 

Wenn ich jetzt schon kein Sozialticket mehr hätte, könnte ich nicht mehr zur Schule fahren.

Ich müsste bei jeder Fahrt überlegen, wie ich das Geld dafür aufbringen kann. Ich muss ja erst meine Rechnungen bezahlen. Alles, was irgendwie übrig bleibt, spare ich. Das sind manchmal 20, manchmal 40 Euro im Monat. Oft können wir aber auch nichts zurücklegen. 

Ich besitze zum Beispiel keinen Computer und keinen Drucker. Wenn ich ein Referat für die Schule vorbereite, muss ich immer meine Nachbarn fragen, ob sie mir das Handout ausdrucken. Das nervt natürlich total. 

Ohne Sozialticket kann ich aber nicht genug sparen, um mir einen Rechner zu kaufen.

Ich denke da aber nicht nur an mich, auch Flüchtlinge oder Rentner sind auf das staatlich geförderte Ticket angewiesen. Die Politiker fordern immer alle, dass die Geflüchteten sich integrieren sollen, aber ohne Sozialticket kommen sie vielleicht gar nicht zu ihren Deutschkursen oder zum Amt. Was wäre, wenn sie den Studenten plötzlich die Fahrkarten streichen? 

Ich wäre natürlich dazu bereit, ein paar Euro mehr für das Sozialticket auszugeben. Aber es ganz abzuschaffen, das ist ein großer Fehler.

Ich habe das Gefühl, dass meine Stimme bei der Wahl nichts wert war, denn gerade werde ich als sozial Benachteiligte übergangen.

Über die Auswirkungen denkt Schwarz-Gelb doch gar nicht nach!

* Jennifer heißt eigentlich anders. Weil diese Geschichte viel Fokus auf ihr Privatleben gelenkt hat, haben wir uns entschieden, sie im Nachhinein zu anonymisieren und einzelne Fakten ihres Familienlebens auszusparen. 

In einer früheren Version des Protokolls erzählte Jennifer, dass ihre Mutter aktuell noch mit dem Sozialticket fahre. Das ist seit drei Monaten nicht mehr der Fall, Jennifer hat dies aber erst später erfahren. 

Hier findest du noch einmal alle Informationen zur Entscheidung, das Ticket abzuschaffen:


Gerechtigkeit

Chinesen verspotten Merkel nach Jamaika-Aus als "naiven Gutmenschen"

Bundeskanzlerin Angela Merkel kann manchmal ein ganz schöner "Baizuo" sein. Das denken sich zumindest derzeit viele Chinesen, sagen die Beobachter des China-Instituts Merics. Das Wort bedeutet wörtlich übersetzt "weiße Linke" – und ist vergleichbar mit der Bezeichnung "Gutmensch".

Das Wort wurde in China für Merkel populär, nachdem die ersten Nachrichten über das geplatzte Jamaika-Bündnis ankamen: 

  • Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua hatte über den Abbruch der Jamaika-Gespräche von "Merkels Ende und Deutschlands trauriger Zukunft" geschrieben. 
  • Der staatliche Fernsehsender CCTV berichtete, Deutschlands Stabilität sei "ziemlich fragil" und dass die soziale Ordnung "leicht zerbrechen könne".