Bild: Tainted Lenses
"Nicht in unserem Namen!"

Was ist passiert?

Die Berliner Rapperin Sookee protestiert gegen Rechtsextreme, die mit einer Kampagne ihren rassistischen Positionen einen feministischen Anstrich geben wollen.

Worum geht's?

Schon im Januar hatten die Rechten unter dem Hashtag #120dB ein Video verbreitet. 120 Dezibel soll die Lautstärke eines handelsüblichen Taschenalarms sein.

Darin machen ein paar Frauen vor allem Einwanderer für sexualisierte Gewalt gegen Frauen verantwortlich, und rufen zum Widerstand gegen "importierte Gewalt" auf. Dahinter steckt die rechtsextreme "Identitäre Bewegung", die Seite ist auf den Namen von Martin Sellner angemeldet, er ist so etwas wie der Posterboy der Identitären. Der Verfassungsschutz beobachtet die Gruppe, die sich mit Gegenlicht-Fotos im Hipster-Look in Szene setzt und so Stimmung gegen Menschen mit ausländischen Wurzeln macht.

Studien und Kriminalstatistiken belegen hingegen: Sexualisierte Gewalt und generell Gewalt gegen Frauen sind in allen sozialen Schichten verbreitet.

Sookee hat keine Lust auf diese rechte Kampagne.

Sie protestiert mit einem Video dagegen, dass die Metoo-Debatte und die Forderung nach Frauenrechten von Rechtsextremen gekapert wird.

Sookee rappt: "Auf den ersten Blick geht’s gegen sexualisierte Gewalt, das Narrativ ihres Täterbildes ist ziemlich alt."

Und: "Hinter 120 Dezibel steht nicht mehr, als der Rechtsruck Europas und auch nicht weniger." Mit im Video dabei sind weitere Feministinnen wie Ninia La Grande und Svenja Gräfen. Zusammen haben sie nun die Kampagne #No120Db gestartet.

#no120db

Kein Feminismus ohne Anti-Rassismus! Die Identitäre Bewegung instrumentalisiert mit ihrer gruseligen Kampagne #120db gerade Frauen und deren Geschichten, um rassistisches und antimuslimisches Gedankengut zu spreaden. Not in my name. Hier mein Beitrag zur Gegenkampagne. Unterschreibt die Petition unter change.org/no120db Sharing is caring! #no120db Und Berliner*innen: Morgen demonstrieren die rechten Frauen in Kreuzberg. Auf zur Gegendemo: https://www.facebook.com/events/552741955086912/

Posted by Svenja Gräfen on Friday, February 16, 2018

In einer Petition rufen sie dazu auf, nicht auf die Kampagne der Identitären reinzufallen.

Ihre Position: „Nicht in unserem Namen. Sie sind nicht für Frauenrechte, sie sind rechte Frauen!" Ziel sei es, lauter zu sein, als die Rechten.

Das Video kam gerade zur rechten Zeit. Samstagabend versammelten sich rund 900 Rechte zu einem "Frauenmarsch".

Unter anderem hatten AfD-Politiker zur Teilnahme aufgerufen. Auch Pegida-Frontmann Lutz Bachmann marschierte mit – es kamen dann doch viele Männer.

Auch hier der Tenor: Wegen der Flüchtlinge habe sich Deutschland „zu einem Moloch aus Brutalität und sexuellen Übergriffen bis hin zu Mord“ entwickelt. (Tagesspiegel)

(Bild: dpa/Stefan Jaitner)

Allerdings kam die Demo nicht weit. Mehr als 1000 Gegendemonstranten stellten sich den Rechten in den Weg. Ihr Motto: #No120dB. Es kam vereinzelt zu Rangeleien und Wortgefechten.

(Bild: dpa/Stefan Jaitner)

Nach mehreren Stunden beendeten die Veranstalter die Demo schließlich offiziell.

Mehr über Sookee lesen:


Gerechtigkeit

Ihre Generation wuchs mit Amokläufen auf – jetzt reicht es den Überlebenden von Florida
"Schämen Sie sich!"

Mit der rechten Hand wischt sich Emma González die Tränen aus den Augenwinkeln, mit der linken hält sie ein Blatt Papier, auf das sie per Hand ihre Rede geschrieben hat. Dann bricht die Wut durch ihre Trauer, Emma González beugt sich näher ans Mikrofon und schreit ihre Anklage heraus: